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Flüchtlingslager auf Lesbos: Abgebrannte Zahnklinik in Moria ist wiedereröffnet

Flüchtlingslager auf Lesbos : Abgebrannte Zahnklinik in Moria ist wiedereröffnet

Der Brand im Flüchtlingslager Moria zerstörte im September auch die Praxis des Bornheimer Zahnarztes Alexander Schafigh. Mittlerweile läuft sie wieder. Sorgen bereitet dem Zahnarzt aber der Lockdown des Lagers.

Bilder von dem Brand im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos schockierten im September 2020 die Menschen in Europa. Große Teile des überfüllten Lagers wurden dabei zerstört. Auch eine „Zahnklinik“ der Health Point Foundation ging damals in Flammen auf. Der Vorsitzende der deutschen Sektion der Hilfsorganisation, die mittlerweile Dental Emergency Team heißt, ist der Bornheimer Zahnarzt Alexander Schafigh. Zwei- bis dreimal im Jahr besucht er das Flüchtlingslager, um die Menschen dort kostenlos zu behandeln. Zuletzt war er Anfang Oktober 2020 da, um den Schaden zu begutachten und die Praxis wiederaufzubauen (der GA berichtete).

„Die Klinik läuft wieder“, bestätigte er kürzlich auf Nachfrage. Schon Mitte Oktober konnten seine Tochter Ann-Christin Schafigh, ebenfalls Zahnärztin, und sein Kollege Armin Reinartz wieder in der neueröffneten Klinik arbeiten. „Seit Oktober sind Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz da gewesen und haben unglaublich fruchtbare und tolle Arbeit geleistet“, lobt er.

Zumindest bis vor Kurzem: „Wir sind schon wieder im Lockdown.“ Auch beim Brand im September hatte das Camp unter Quarantäne gestanden. Nun habe die griechische Regierung das Lager erneut abgeriegelt und den Betrieb der Klinik ausgesetzt. Wer nach Griechenland reist, müsse in Quarantäne, berichtet der Zahnarzt, mindestens bis Anfang Januar. „Dann müssen wir schauen, ob wir eine Ausnahmeregelung treffen können.“

Lockdown führt zum Lagerkoller

Da Moria nicht wiederaufgebaut wurde, befindet sich die Klinik nun im provisorischen Lager Kara Tepe, benannt nach dem ehemaligen Militärstützpunkt, an dem es liegt. Anfangs war die neue Klinik ein ausgebauter Rettungswagen, erzählt Schafigh. „Darin haben wir eine ganze Weile gearbeitet, bis wir einen Container zugewiesen bekommen haben.“ Für die Zeit bis Februar hätten sich zwar genug freiwillige Zahnärzte für das Lager gemeldet, es fehle aber an Geräten und Medikamenten. Er hofft, dass dafür noch Spenden zusammenkommen.

Wie der Lockdown im Lager ist? „Das wollen Sie sich nicht vorstellen“, sagt der Bornheimer. Bilder und Videos, die ihm aus dem Lager geschickt wurden, seien furchtbar: keine Duschen, zu wenige Toiletten, die Menschen dürfen das Lager nicht verlassen, kommen nicht an ihre Ersparnisse, können nicht einkaufen, nicht kochen. „Es ist kalt und nass, weil das Lager direkt am Meer liegt, dazu kommt ein Lagerkoller, weil die Menschen zum Nichtstun verdammt sind.“