1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Bornheim

Aktion zum Internationalen Frauentag in Bornheim

Zeichen gegen Gewalt an Frauen : Warum eine orangene Bank in der Bornheimer Polizeiwache steht

57 Fälle von häuslicher Gewalt hat es von Januar bis September in Bornheim gegeben. Um das Thema „Gewalt gegen Frauen“ in den Fokus zu rücken, wandert derzeit eine orangene Bank an öffentliche Plätze.

Sie soll Aufmerksamkeit erregen für ein Thema, das oft im Verborgenen bleibt: Eine orangefarbene Bank steht seit Dienstag in der Polizeiwache am Bornheimer Peter-Fryns-Platz, um ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.

„Wir wollen mit der öffentlichkeitswirksamen Aktion das Thema Gewalt gegen Frauen stärker ins Zentrum der öffentlichen Wahrnehmung rücken und breitenwirksam gezielt auf örtliche Schutz- und Unterstützungsangebote aufmerksam machen“, erläuterte Bornheims Bürgermeister Christoph Becker den Auftakt einer Kampagne, die in den kommenden Monaten fortgesetzt werden wird. Die Bank wird an weitere Standorte „wandern“ und zusätzlich sollen weitere Bänke angeschafft werden.

Schon im vergangenen Jahr hatte Bornheim zum 40. Jahrestag des „Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen“ am 25. November in einer kreisweiten Aktion zum ersten Mal solche Bänke aufgestellt. Dieses Jahr wird die symbolische Aktion fortgesetzt. Bis Mitte Januar soll die orangene Bank in der Bornheimer Polizeiwache stehen. Zuvor war sie bereits im Rathaus als eine einwöchige Aktion des „Hilfetelefons Gewalt gegen Frauen“ aufgestellt. Dort versammelten sich vor der jüngsten Ratssitzung die Ratsfrauen aller Fraktionen gemeinsam an der Bank, um ihre Solidarität mit den Opfern zu zeigen und „das Schweigen zu brechen“. Denn viele Frauen trauen sich nicht, sich Unterstützung zu holen, viele Opfer schämen sich.

Warum geschlagene und psychisch gequälte Frauen ihre Männer nicht verlassen, habe vielfältige Gründe, wie Irmgard Küsters als Gleichstellungs- und Opferschutzbeauftragte der Polizei Bonn in ihren Beratungsstunden immer wieder feststellt. So hinderten zum einen kulturelle Hintergründe, der Verlust von finanzieller Sicherheit oder die Kinder manche Frau an einer Trennung. Aber auch von den Tätern psychisch ausgeübter Druck, der bei den Opfern oft zu einem Schuldbewusstsein führe, erschwere eine Trennung oder das Stellen einer Anzeige.

Fallzahlen steigen

In den vergangenen Jahren sind die Fallzahlen gestiegen, „was nicht an einer Zunahme der Delikte liegt, sondern an einer verstärkten Sensibilisierung der Menschen“, sagte Petra Kaufmann, als Bonner Polizeidirektorin und Leiterin der Polizei-Inspektion 2 zuständig für den linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Dennoch gingen nicht viele betroffene Frauen den Weg zu einer Polizeiwache. Um den Frauen zu helfen, ist es laut Kaufmann wichtig, dass auch Nachbarn aktiv werden, etwa bei lautem Schreien: „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig unsere Notfallnummer 110 anrufen. Auch bei einem Bauchgefühl liegt man oft gar nicht so falsch.“

Wird die Polizei in Fällen von häuslicher Gewalt gerufen, erhält der Täter zur Gefahrenabwehr mit sofortiger Wirkung einen zehntägigen Wohnungsverweis, damit die Frauen genügend Zeit haben, sich Unterstützung zu holen. Die Einhaltung überwacht die Polizei. Ein Strafverfahren gegen den Täter wird eingeleitet.

Allein in Bornheim wurden nach Polizeiangaben von Januar bis September diesen Jahres 57 Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet. Im gesamten Zuständigkeitsgebiet des Polizeipräsidiums Bonn (linksrheinischer Rhein-Sieg-Kreis, Bonn, Königswinter, Bad Honnef) waren es bis September 884 Fälle. Für 2021 wurden 1038 Fälle registriert, 2020 waren es 898 und 2019 insgesamt 965.

Die orangene Bank ist ein Baustein und mittlerweile Synonym beim Kampf gegen häusliche Gewalt. Die Farbe Orange wurde von den Vereinten Nationen für den „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ ausgewählt.