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Kunst in der Bornheimer Bürgerhalle: Ausstellung widmet sich der Würde der Frauen

Kunst in der Bornheimer Bürgerhalle : Ausstellung widmet sich der Würde der Frauen

In der Bornheimer Bürgerhalle setzt sich ein Kunstprojekt mit die Entfaltung eigener Potenziale, Gleichberechtigung, Selbstliebe, Respekt oder Akzeptanz von Unvollkommenheit auseinander. In der Wanderausstellung werden Portraits und Kommentare von 120 Frauen unter dem Titel „Ich. Bin. Würdig.“ gezeigt.

Sexuelle und psychische Übergriffe, Benachteiligungen in Alltag und Beruf: Für Frauen gilt die im Grundgesetz verankerte Würde des Menschen in vielen Bereichen nur eingeschränkt. Was Frauen unter würdigem Verhalten verstehen, zeigt bis Ende November eine Wanderausstellung mit Portraits und Kommentaren von 120 Frauen unter dem Titel „Ich. Bin. Würdig.“ in der Bornheimer Bürgerhalle.

Das Projekt entwickelte 2020/21 das Frauen-Netzwerk der katholischen Kirche Maria 2.0, die Ausstellung ins Vorgebirge holte die bürgerliche Stiftung St. Evergislus Brenig um Vorstand Bruno Schrage. Eine wesentliche Rolle bei der Realisierung des Projekts spielten die Skulpturen der „König und die Königin“ des Bonner Künstlers und Diakons Ralf Knoblauch, der seine Figuren, die er seit 2007 aus abgerissenen alten Fachwerkhäusern fertigt, als Symbole gegen Entmenschlichung und Entwürdigung verstanden wissen will.

Augenhöhe im Umgang mit anderen

Und so hält jede der Teilnehmerinnen aus dem Erzbistum Köln eine Figur in der Hand, denn diese soll, so Knoblauch, „die Würde des Menschen in die Welt tragen“ und damit deutlich machen, dass alle Menschen „Könige und Königinnen“ sind. Und genau das wird auch in der visuellen und sprachlichen Gestaltung sichtbar, in der die Teilnehmerinnen den Begriff Würde individuell definieren.

Als eine von drei Bornheimerinnen hat auch Kathrin Zolper mitgemacht. Die Botzdorferin hat sich auf dem Boden liegend ablichten lassen – „König und Königin“ dicht vor den Augen haltend. „Augenhöhe im Umgang mit anderen bedeutet für mich Würde. Hier dabei zu sein ist für mich eine Ehre. Zwar fühle ich mich persönlich nicht benachteiligt, aber es war mir wichtig, als Stellvertreterin für alle Frauen und Menschen ein gutes Bild abzugeben“, erzählte die 42-jährige Erzieherin bei der Ausstellungseröffnung.

Würde und gleiche Rechte im Fokus

Für andere Teilnehmerinnen beinhaltet Würde die Entfaltung eigener Potenziale, Gleichberechtigung, Selbstliebe, Respekt oder Akzeptanz von Unvollkommenheit. „Die Königspuppen zeigen denn auch, dass alle Menschen die gleiche Würde und die gleichen Rechte haben“, stellte Bürgermeister Christoph Becker fest. Dass im Alltag Frauen nicht als gleichwertig anerkannt werden, verdeutlichte auch die Podiumsdiskussion mit Teilnehmerinnen verschiedener Lebensbereiche. Laut Ilka Labonté, Mitarbeiterin des Frauenzentrums Troisdorf, erlebt aktuell jede dritte Frau körperliche Gewalt, davon 25 Prozent durch den Partner, zwei von drei Frauen erfahren sexuelle Gewalt. Belästigungen am Arbeitsplatz seien weiterhin vorhanden. „Daher ist es wichtig, dass Unternehmen hier ein Klima schaffen, in dem solche Themen besprochen werden“.

Heftige Kritik äußerte Andrea Laska von Maria 2.0 an der immer noch vorhandenen Benachteiligung von Frauen in der katholischen Kirche. Das müsse sich zügig verbessern. „Wir wollen Veränderung, sonst treten wir aus.“ Frauen als Vertreterinnen des Ordnungsamtes würden, so Sabine Walter als Leiterin des Bürger- und Ordnungsamtes, in Einzelfällen von Bürgern „übergriffiger angegangen“ als Männer. „Unter Corona-Bedingungen ist es sogar schlimmer geworden.“ Die stellvertretende Bürgermeisterin Linda Taft hat festgestellt, dass sie in ihrer Partei der Grünen diesbezüglich „keine Probleme“ habe.

Die Ausstellung „Ich.Bin.Würdig.– Frauen beziehen Position“ ist bis Freitag, 26. November, zu den üblichen Öffnungszeiten in der Bornheimer Bürgerhalle des Rathauses, Rathausstraße 2, zu sehen.