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Bahnstrecke Bonn-Köln: Ein Monat keine Bahnen zwischen Bonn und Sechtem

Arbeiten an den Oberleitungen : Einen Monat lang keine Bahnen zwischen Bonn und Sechtem

Ab Samstag fährt vier Wochen lang kein Zug zwischen dem Bonner Hauptbahnhof und Sechtem. Reisende müssen auf Ersatzbusse umsteigen. Die Sechtemer befürchten ein Verkehrschaos.

Ab dem Wochenende brauchen Bahnreisende zwischen Bonn, dem Vorgebirge und Köln noch stärkere Nerven als sonst. Bekanntlich gehören Verspätungen, Ausfälle und Sitzplatzmangel auf der Eisenbahnstrecke zum Pendler-Alltag. Nun kommt der Bahnverkehr zwischen Sechtem und dem Bonner Hauptbahnhof einen Monat lang vollständig zum Erliegen.

Grund für die Sperrung auf der Schiene ist die umfangreiche Erneuerung der Oberleitungsanlage (der GA berichtete). Für die Passagiere bedeutet das, sie müssen zwischen Samstag, 18. Juli, und Samstag, 15. August, auf Ersatzbusse umsteigen. Arne Transfeld aus Sechtem befürchtet derweil, dass sich deshalb auch die Verkehrssituation im Ort weiter verschlechtert. Seine Idee für eine Lösung hat bei den Verantwortlichen allerdings keinen Anklang gefunden.

Transfeld hatte schon vor einiger Zeit angeregt, dass die als Ersatz eingesetzten Gelenkbusse nicht an der Vorderseite des Sechtemer Bahnhofs halten, sondern an der Rückseite. Dann müssten sie ihm zufolge von und nach Bonn nicht durch die teils engen Wohnstraßen des Ortes fahren. So würden die Anwohner nicht mit zusätzlichem Verkehr, Lärm und Abgasen belastet. Überdies ließen sich enge Situationen auf dem Bahnhofsvorplatz vermeiden, wo laut Transfeld bereits die Busse der Linien 633 und 818 halten.

Haltestelle kann nicht spontan geändert werden

Zuständig für den sogenannten Schienenersatzverkehr ist nach Angaben des Zweckverbands Nahverkehr Rheinland (NVR) das Unternehmen National Express (NX), das die RB48 und den RE5 betreibt. Auf Anfrage teilte Marketing-Referentin Tabea Frieske mit, dass die Haltestellen des Schienenersatzverkehrs (SEV) Teil der langwierigen und aufwändigen Planung der Baustelle seien.

Viel Verkehr: Die Kreuzung Bahnhofstraße/Wilmuthstraße/Wendelinusstraße in Sechtem. Foto: Matthias Kehrein

„Die SEV-Haltestellen sind bereits im Vorfeld ausgewiesen, worauf die Wegführung in den Bahnhofsgebäuden aufbaut“, erläuterte Frieske. Entscheide man sich nun, eine andere Haltestelle anzufahren, würden die Fahrgäste gar nicht erst zur richtigen Haltestelle geleitet. Dies würde wiederum für Verwirrung und Verärgerung bei den Reisenden sorgen.

Über den NVR hat Bahnfahrer Transfeld eine ähnliche Antwort erhalten – und sich darüber geärgert. In einer Antwort an den NVR, die dem General-Anzeiger vorliegt, führt er aus, dass Bahnreisende seit Jahren durch Unpünktlichkeit, kurzfristige Änderungen im Streckenverlauf und auch nicht oder schlecht kommunizierte Zugausfälle darauf trainiert seien, sich schnell auf Änderungen einzustellen.

Eklatante Verkehrsbelästigung in der Wendelinusstraße

Weiter schreibt er: „Man darf nicht annehmen, dass eine neue Haltestelle an der Nordseite des Bahnhofs Sechtem dazu führt, dass die Fahrgäste verwirrt und orientierungslos durch den Bahnhof irren, den SEV-Bus nicht verlassen, da sie ihren Bahnhof von der Nordseite aus nicht erkennen oder gar von der Feuerwehr vom Bahnsteig gerettet werden müssen, da sie vor lauter Verwirrung nicht mehr wissen, wohin.“

Für Transfeld ist der SEV zugleich Teil eines größeren Problems. „Das Thema steht im Zusammenhang mit dem seit Jahren stetig ansteigenden Verkehrsaufkommen in der Wendelinusstraße und die mittlerweile eklatante Belästigung durch Lärm, Abgase und Vibrationen durch den Pkw-, Bus- und Schwerlastverkehr, nachdem der fast vorbildlich verkehrsberuhigte Straßenabschnitt der Bahnhofstraße abgeschlossen ist“, berichtet er.

Das erhöhte Verkehrsaufkommen auf der Wendelinusstraße und an der Ecke Bahnhof-/Willmuth-/ Wendelinusstraße führe dazu, dass Radfahrer verbotenerweise auf den Gehweg auswichen, um sich in Sicherheit zu bringen. Dabei gefährdeten sie jedoch Fußgänger, insbesondere alte Menschen und Kinder. Er habe sich bereits auf verschiedenen Wegen an die Stadt gewandt. Passiert sei bislang aber nichts.

Stadt sucht nach Lösungen

Auf Anfrage teilte dazu Stadtsprecherin Susanne Römer-Winkler mit, dass bei einem Bürgergespräch im Frühjahr mit dem Bürgermeister eine Prüfung der Verkehrsverhältnisse in der Wendelinusstraße zugesagt und verschiedene Lösungsansätze formuliert worden seien.  Dieser Prozess dauere noch an.

Konkret geht es laut Römer-Winkler um folgendes: zusätzliche Tempo-30-Piktogramme, Bitte an die Polizei um Geschwindigkeitskontrollen, Unterstützung von Eigeninitiativen der Anwohner, etwa bei sogenannten Haifischmarkierungen an Einmündungen mit Rechts-vor-links-Regelung sowie die Ansprache von anliegenden Gewerbebetrieben mit dem Ziel, Lieferverkehre zu beschränken. Bis es so weit ist, wird der Schienenersatzverkehr längst wieder eingestellt sein. Wobei Anwohner wie Arne Transfeld sicher auch eine Verbesserung für die Zeit nach der Streckensperrung begrüßen würden.