1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Bornheim

Bahnstrecke zwischen Bonn und Hürth gesperrt: Besuch auf der Baustelle

Strecke bis August gesperrt : So läuft es aktuell auf der Bahnbaustelle zwischen Bonn und Hürth

Die Deutsche Bahn wechselt Oberleitungen zwischen Bonn und Hürth-Kalscheuren aus. Die Schienen in Bornheim sind deshalb bis Mitte August gesperrt. Dafür können Züge bald mit geringerem Abstand fahren.

Die steile Böschung müssen wir noch hinaufsteigen. Dann sind wir am richtigen Streckenabschnitt angekommen. Zumindest fast. Die letzten Meter legen wir, ausgestattet mit Helm und Warnweste, auf den  Gleisen mit einem sogenannten Zweiwegefahrzeug zurück. Dabei handelt es sich um einen Kranwagen, der auf Schienen fahren kann. Wir nehmen auf der Fläche hinter dem Führerhaus Platz. Es geht gemächlich voran. Als wir aussteigen, zieht ein ebenfalls für die Fahrt auf den Schienen hergerichteter Bagger an uns vorbei. Im Gleisbett befinden sich die sterblichen Überreste von dem, was wohl einmal ein Fuchs war.

Für Züge sind die Gleise zwischen Bonn und Sechtem momentan gesperrt. Grund ist die Erneuerung der Oberleitungen zwischen Bonn und Hürth-Kalscheuren. Um einen Eindruck von den Arbeiten zu bekommen, hat sich eine Gruppe aus Vertretern von Bahn, Medien und einer Baufirma am Montagvormittag an einem Bahnübergang  am Bannweg bei Dersdorf getroffen. Dort befindet sich eine Art Lager der Wanderbaustelle. Von dort aus sollte als Ziel eigentlich der Bahnhof Roisdorf mit dem Auto angesteuert werden. Doch so eine Wanderbaustelle, das verrät schon der Name, ist ständig in Bewegung.

Bei den Bauarbeiten wird auch ein Kranwagen eingesetzt. Foto: Matthias Kehrein

Projektkosten belaufen sich auf ungefähr 26 Millionen Euro

Wir kommen mit etwa einer Stunde Verspätung am Bahndamm unweit der Bornheimer Kläranlage an. Dort verlegen einige Arbeiter gerade Trägerseile für die Oberleitungsanlage. Andere reißen Ausleger oben an den Masten ab.  Bahn-Projektleiter Thomas Kayser erläutert indes die Notwendigkeit des Vorhabens, das am vergangenen Samstag startete und vorerst bis 15. August andauern soll.

Hier werden Journalisten mit einem Schienenfahrzeug zur Baustelle gebracht. Foto: Matthias Kehrein

Die alte Oberleitungsanlage stammt laut Kayser noch aus den 1950er Jahren. Wegen des Alters und der Belastung von ungefähr 350 Zügen, die heute täglich den Streckenabschnitt befahren, müssten Oberleitungen und Masten abgerissen und wieder aufgebaut werden. Kosten: 26 Millionen Euro. An Masten aus Schleuderbeton seien sogar schon Teile abgeplatzt. Bis Mitte August sollen 320 neue Masten stehen. Nach Abschluss späterer Arbeiten sollen es 2024/2025 ungefähr 500 neue Stahlmasten sein. Bereits früher machte Kayser im Gespräch mit dem General-Anzeiger deutlich: „Wir mussten dringend tätig werden.“ Sämtliche neue Masten seien – wie ein Teil der bisherigen – aus Stahl gefertigt. Die neuen Masten verfügen über kleinere Fundamente, berichtet der Projektleiter. Neue Fundamente sind schon gelegt. Auch viele neue Masten stehen schon. Der durch die Masten mit den kleineren Fundamenten gewonnene Platz soll dafür genutzt werden, um sogenannte Kabelführungssysteme zu installieren.

Der sogenannte Fahrdraht für den Strom ist so dick wie ein Finger. Foto: Matthias Kehrein

Kleinere Fundamente schaffen Platz für digitale Technik

Die digitale Technik, die Arbeiter dabei verbauen, soll es künftig ermöglichen, dass Züge in geringeren Abständen voneinander unterwegs sein können.  Bei der Erneuerung der Oberleitungsanlage arbeitet die Bahn mit drei Baufirmen zusammen. Bei einer von ihnen ist Serkan Sahinbay als Projektleiter angestellt. „Es läuft sehr gut. Wir sind im Zeitplan, also am 15. August fertig“, freut er sich. Die Corona-Pandemie sei für die Vorbereitung der Arbeiten zwar eine Herausforderung gewesen, doch mit „Know How“ und Teamarbeit habe man es geschafft.