Kinderzug in Sechtem Beherzter Einsatz für eine coole Aktion

Bornheim-Sechtem · Acht haupt- und ehrenamtliche Helfer haben beim Sechtemer Kinderzug die Jugendlichen im Blick. Alkoholprävention unter dem Motto "Keine Kurzen für die Kurzen".

 Präventionsmaßnahme des Bornheimer Jugendamtes im Vorfeld des Sechtemer Zuges am Krausplatz: Emanuel (l) und Fabian schütten eine kleine Flasche Schnaps weg und dafür gibt es ein Stück Pizza.

Präventionsmaßnahme des Bornheimer Jugendamtes im Vorfeld des Sechtemer Zuges am Krausplatz: Emanuel (l) und Fabian schütten eine kleine Flasche Schnaps weg und dafür gibt es ein Stück Pizza.

Foto: Axel Vogel

„Was muss ich denn für ein Stück Pizza hergeben?“ Unentschlossen steht Emmanuel (20) aus Brühl vor dem Kleinbus am Sechtemer Krausplatz. Die Salamipizza duftet verführerisch – aber eintauschen will er seinen beachtlichen Alkoholvorrat, den er dekorativ in einem Patronengürtel untergebracht hat, ungern.

Nach einer kurzen Verhandlungsrunde siegt dann doch der Appetit: Zwei „Kurze“ scheinen ihm ein angemessener Preis für ein warmes Mittagessen zu sein – und schon landet der Inhalt der Fläschchen in der Alkoholsäule, die Julia Tomkins, Abteilungsleiterin für Jugendpflege beim Bornheimer Jugendamt, vor dem Bus platziert hat.

Beim Karnevalszug in Sechtem koordiniert sie den Einsatz der acht haupt- und ehrenamtlichen Helfern des Jugendamtes, die im Rahmen der Aktion „Keine Kurzen für Kurze“ mit Bollerwagen, belegten Brötchen, warmem Tee und natürlich Pizza im Tausch gegen Promille versuchen, den Jugendlichen eine Alternative zum Alkohol zu bieten.

Bereits gut eine Stunde vor Beginn des Zuges sind die Helfer in den grellgrünen Jacken vor Ort. 180 Brötchen sind belegt, der Tee ist vorbereitet und im Bus stehen ein kleiner Ofen und warme Decken zum Aufwärmen bereit. Noch hält sich die Anzahl der Jugendlichen am Krausplatz in Grenzen, so dass die Zeit für die Einsatzbesprechung genutzt werden kann.

Auch die Polizei, die mit drei Streifenwagen und sechs Einsatzkräften vor Ort ist, sowie sechs Mitarbeiter des Ordnungsamtes um Chefin Sabine Walter, besprechen mit den „Grünen Helfern“ noch einmal kurz die Lage. „Im Gegensatz zu Polizei und Ordnungsamt arbeiten wir präventiv“, erklärt Julia Tomkins.

„Wir kontrollieren nicht und kassieren auch keinen Alkohol ein. Unser Job ist eher die Fürsorge.“ Viele Jugendliche sind vor allem den Mitarbeitern des mobilen Jugendbusses, Pia Strohmeyer und Nino Krauthäuser, bekannt. „Da besteht dann schon ein Vertrauensverhältnis“, meint Tomkins.

Gegen 14 Uhr hat sich der Krausplatz gut gefüllt. Hunderte Jugendliche haben sich eingefunden, der Alkohol- und Lärmpegel steigt, Flaschen klirren auf der Straße, Schnapsfläschchen dienen als Wurfmaterial, ein Silvesterböller lässt die Menge hochschrecken.

Beherzt wagen sich Roisdorfs Ortsvorsteherin Gabriele Kretschmer, die die Aktion seit vier Jahren unterstützt, und Achim Stommel, Leiter des Kulturraums Sechtem, mit ihrem Bollerwagen ins Getümmel. Schon bald hat sich ihr Angebot herumgesprochen. Dankbar beißen Konstantin aus Brühl und David aus Merten (beide 16) in ihre Wurstbrötchen.

„Das ist jetzt genau das richtige. Eine coole Aktion, so was habe ich noch bei keinem Zug erlebt“, meint Konstantin. Gut zu tun haben auch Lutz Wehrend aus Merten und Frederike Schneider vom Jugendamt, die mit dem Bollerwagen in der Willmuthstraße unterwegs sind.

Vor dem Jugendbus tummeln sich viele Jugendliche. Es regnet kräftig. Ein junges, völlig durchnässtes Mädchen friert. „Möchtest du dich etwas aufwärmen?“, fragt Julia Tomkins. Doch die ältere Schwester des Mädchens bestimmt: „Keine Diskussion. Wir fahren nach Hause.“ Gute Entscheidung.

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