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Interview: Bei SCHMITZ singen Vater und Tochter in einer Band

Interview : Bei SCHMITZ singen Vater und Tochter in einer Band

Die Mundart-Gruppe SCHMITZ-Band um Frank Martin „F. M.“ Willizil wollte dieses Jahr mit neuer Besetzung durchstarten. Doch dann kam Corona. Im Interview spricht die Band über Musik in Pandemie-Zeiten und das neue Album „Met einer Stemm“.

Franz Martin „F. M.“ Willizil macht kein Geheimnis aus der glücklichen Fügung, dass er ausgerechnet am 11.11. in Köln auf die Welt gekommen ist – zudem gegen elf Uhr am Abend. „Met einer Stemm“ heißt das erste Album, das das in Waldorf lebende Ex-Hohn mit seiner Band SCHMITZ aufgenommen hat. Der Kölschmusiker (68), seine Tochter Daniela (33) und Multiinstrumentalist Christoph Manuel Jansen (36) wollten nach Aschermittwoch als neue Formation voll durchstarten – dann kam Corona. Mit den drei Musikern sprach
Mario Quadt.

Bei SCHMITZ gibt es jetzt Vater und Tochter in einer Band. Kann das gutgehen?

F. M. Willizil: Das klappt sehr gut. Musik ist generationenübergreifend. Ich finde, dass alle drei Stimmen sich gut ergänzen und gut zueinander passen. Ich lege sehr viel Wert darauf, dass das auf der CD rüberkommt, dass der Chorgesang eine wichtige Stütze ist.

Wer die CD hört, dem fällt auf, dass der gemeinsame Gesang das Markenzeichen von SCHMITZ ist.

Daniela Willizil: Das war auch die Intention dahinter.

F.M.: Aus dieser Intention heraus ist auch der Albumtitel „Met einer Stemm“ entstanden.

Wie funktioniert Musikmachen in Zeiten der Abstandsgebote? Schickt man sich digitale Musikschnipsel hin und her?

Christoph Manuel Jansen: Tatsächlich haben wir viel online gemacht. F. M. hat ein Studio, ich habe ein Studio – da wurde viel allein im Homeoffice entwickelt und dann verschickt. Wir haben auch viele Gastmusiker auf dem Album drauf, die wir nicht ins Studio einladen wollten. Zum Glück ist es heutzutage kein Problem, dass per E-Mail zu regeln und im Studio zusammenzufügen.

Auf dem Album sind 13 Songs, die unterschiedlicher kaum klingen könnten: Rock, Reggae, Folk, Gospel, Pop, Balladen. Wäre es fürs Publikum nicht einfacher, wenn SCHMITZ nur ein Pferd reiten würde?

F. M.: Stilvielfalt ist uns sehr wichtig. Wir wollen im Kopf frei sein für solche Varianten. Die kölsche Sproch ist das verbindende Element – die Klammer, die alles zusammenhält.

Jansen: Wir hätten es uns viel einfacher machen können – in vielerlei Hinsicht. Wir hätten auch ein Album mit Liedern machen können, die man mit drei Promille noch gut mitgrölen kann.

Daniela Willizil: Dann hast du ‚immer datselve Leed’, wie wir es auf unserer CD aufs Korn nehmen.

Jansen: Genau. Das wollten wir bewusst nicht. Wir wollen F. M.s Motto ‚Kölsch kann och anders’ umsetzen und zeigen, dass Kölsch nicht immer das Gleiche ist.

Mit ‚Nix em Büggel, ävver all joot drop’ hat die Band Ende April einen eingängigen Corona-Mutmacher herausgebracht. Als Profimusiker ohne Konzerteinnahmen ist es aber derzeit gar nicht leicht, ‚joot drop’ zu bleiben, oder?

F. M.: Das ist schon schwer. Die Auftritte sind einer nach dem anderen weggebrochen – später auch die im Karneval. Da denkst du schon irgendwann: Wat mache mer jetz? Wir hatten alle die Hoffnung, dass sich mit Ideen wie Autokonzerten der Sommer überbrücken lässt und im Herbst sind wir wieder da. Jo, wie man sieht...

Jansen: Wir hatten den Plan, nach Karneval zu verkünden, dass SCHMITZ jetzt mit neuer Besetzung durchstartet. Dann fiel kurz nach Aschermittwoch schon die Schranke.

In dem Lied wird auch das Warten auf das ‚Övverbröckungsjeld’ besungen. Ist der Songtext von April schon Realität geworden?

F. M.: Wir haben das ‚Övverbröckungsjeld’ bekommen. Aber es kam zu einer Zeit, wo ich schon dachte, die haben mich vergessen oder es kütt nix mie. Dann hieß es, dass nur Betriebskosten erstattet werden können. Ich habe als Solo-Selbstständiger aber kaum Betriebskosten. Ich wohne, wo ich Musik mache und mein Studio habe. Dieses Problem haben viele Solo-Selbstständige.

Jansen: Bei mir ist es ähnlich: Ich gebe noch Musikunterricht. Das war ja zwischenzeitlich auch untersagt. Da ging es um die Frage, ob Musikschulen Bildungseinrichtungen oder Freizeitaktivitäten sind. Jetzt geht Musikunterricht wieder – mit Abstand.

Was bedeutet es für Musiker mit kölschem Zungenschlag, wenn Karneval ausfällt?

F. M.: Das Interessante ist, dass ich an meinem Geburtstag, dem 11.11., frei hatte. Der 11.11. ist für mich immer ein absoluter Arbeitstag. Das ist eigentlich ganz schön, wenn du auf der Bühne stehst und von Tausenden ein Ständchen zum Geburtstag bekommst. Und jetzt hatte ich frei.

Nochmal zurück zur Band: Es muss etwas ganz Besonderes sein, wenn die eigene Tochter Teil der eigenen Band ist, oder?

F. M.: Wir haben jetzt einen weiblichen Part in der Band. Ich war bislang immer in ‚Männer-Bands’. Dass es die eigene Tochter ist, macht die Sache noch interessanter. Ich denke, man merkt, dass bei unseren Songs eine neue, andere Farbe ins Spiel kommt.

Daniela: Es ist ein komisches Gefühl. Einerseits ist es der Vater, den man auf der Bühne immer stolz bestaunt hat. Und jetzt steht man selbst mit ihm zusammen auf dieser Bühne. Das ist komisch, aber großartig. Ein Beispiel: Während eines Höhner-Klassik-Auftritts in der Kölner Philharmonie widmete er mir das Lied ‚Seifeblose“ – an meinem 11. Geburtstag.

Und jetzt ist das Stück auf dem SCHMITZ-Album zu finden – als elftes Lied.

Daniela: Vom elften Geburtstag.

Jansen: Und in dem Lied geht es thematisch um das Vater-Kinder-Verhältnis.

Daniela: Und im vergangenen Jahr, 25 Jahre später, durfte ich dann „Seifeblose“ mit SCHMITZ auf dieser Bühne in der Philharmonie selbst singen. Das war ein Erlebnis.

Es sind viele Gastmusiker auf dem Album zu hören – wie der Chor des FC-Fanclubs Hätzbloot Vürjebirch oder der Ire Ger Walsh. War es schwierig, die alle einzubinden?

F. M.: Die Hätzbloot-Freunde haben mit zehn Mann in meinem Aufnahmeraum gestanden – im Hochsommer. Denen lief die Suppe die Klamotten runter. Die haben das richtig klasse gemacht. Erst hinterher fiel mir ein, dass ich eine Klimaanlage im Aufnahmeraum habe. Ger haben wir für ‚Immer bei Dir’ ein Playback nach Irland geschickt, und er hat die irische Flöte dazu gespielt.

Jansen: Es ist eine irische Melodie, die F. M. importiert und dazu einen kölschen Text geschrieben hat.

Eine vielsagende Textzeile ist mir im Lied ‚Jot drop’ aufgefallen: ‚De janze Welt drieht sich verkeet eröm – quasi jäjen dr Strich. Doch do kümmere mir uns späder dröm – is so richtich wichtich nich.’ Wo ist man, wenn solche Zeilen entstehen?

F. M.: (lacht) Das kann überall sein. Ich setzte mich nicht hin und sage: Ich muss jetzt einen Song schreiben. Das passiert beim Essen, während einer Unterhaltung, auf dem Klo. Ich weiß von den wenigsten Zeilen, wo sie entstanden sind.

Jansen: Es ist definitiv vor Corona entstanden, passt aber optimal auf die aktuelle Corona-Situation.

F. M.: Wir Rheinländer glauben ja, wir können alles wegstecken. Auch wenn so langsam der Corona-Blues Überhand nimmt.

Jansen: Man hat das Gefühl, in einer Art Vakuum zu schweben, weil die Perspektive fehlt. Wenn man sich ein Bein bricht, weiß man, dass das ein paar Wochen dauern wird und dann ist alles wieder gut. Jetzt kann das niemand seriös sagen.

Ein Blick in die Kristallkugel: Wann tritt SCHMITZ wieder auf?

F.M.: Den kommenden Karneval haben wir alle an den Nagel gehängt. Wenn der Impfstoff da ist, müssen ja erst mal ein paar Milliönchen geimpft werden. Das wird eine Zeit in Anspruch nehmen. Für Sommer oder Herbst wäre es möglich, zu planen. Wir planen außerdem auf jeden Fall den 11.11. nächsten Jahres und Weihnachtsauftritte, die jetzt alle um ein Jahr verschoben sind.

Jansen: Man merkt aber: Die Menschen sehnen sich schon jetzt sehr nach Ablenkung.