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Freiwilligendienst bei der Lebenshilfe in Hersel: Billy ist immer zur Stelle

Freiwilligendienst bei der Lebenshilfe in Hersel : Billy ist immer zur Stelle

"I love Deutschland!" Dies Worte kommen dem jungen Südafrikaner Manelisi Billy ganz selbstverständlich über die Lippen - und zwar ohne dass die Frage gestellt wurde. Vor drei Monaten begann der 20-Jährige aus Port Elisabeth seinen Freiwilligendienst im Marga-Loenertz-Haus der Bonner Lebenshilfe in Bornheim-Hersel.

Seitdem ist der stets gut gelaunte Mitarbeiter aus dem Alltag der Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung nicht mehr wegzudenken.

Jeden Morgen radelt er von seiner Wohnung in Bornheim zur 2007 eröffneten Wohnstätte an der Herseler Rheinstraße. Dort hilft Manelisi, der von allen nur "Billy" genannt wird, den 24 Männern und Frauen ihren Alltag so eigenständig und selbst bestimmt wie möglich zu gestalten. Ob beim Kochen, Spielen oder bei einem Spaziergang am Rhein - wenn er gebraucht wird, ist Billy zur Stelle.

Möglich gemacht hat diesen Einsatz SAGE Net, das South African German Network. Als gemeinnütziger Verein macht sich die Organisation für den Austausch zwischen Südafrika und Deutschland stark und bietet in Form eines Netzwerkes eine Plattform für unterschiedliche Kooperationen und dauerhafte Partnerschaften.

Für Billy geht mit seinem Einsatz, für den es eine lange Vorbereitungszeit und viele Hürden zu überwinden gab, ein Traum in Erfüllung. Im Team und mit den Bewohnenden fühlt er sich sichtlich wohl und aufgenommen. "Darum ist es längst überfällig, Billy offiziell bei uns willkommen zu heißen", erklärt die stellvertretende Wohnstättenleiterin Katja Klingbeil. Im Rahmen eines gemütlichen Grillfestes brachten Bewohner und Kollegen zum Ausdruck, wie sehr sie die Arbeit des lebensfrohen Südafrikaners zu schätzen wissen. "Billy ist eine sehr große Bereicherung", zeigte sich Katja Klingbeil begeistert.

In seiner Freizeit übt der umtriebige junge Mann fleißig Deutsch. Das meiste aber lernt er bei seiner Arbeit mit den Bewohnern. "Sprachbarrieren gibt es kaum", weiß Personalreferentin Ulrike Hirse zu berichten. "Im Gegenteil: Die Bewohner finden Billys Art sehr spannend und die Kommunikation funktioniert gut." Zu Beginn seiner Tätigkeit hatte Billy es mit der Höflichkeit allerdings allzu genau genommen: Ältere Damen sprach er zur Bekundung seines Respekts mit "Oma" an - was ungewollt zu Missverständnissen führte.

"Natürlich war ihm deshalb niemand böse", stellt Katja Klingbeil klar. Seine Stärken sieht der freiwillige Helfer eindeutig in seiner Geduld und darin, Hilfe zur Selbsthilfe geben zu können. Wie er diese Stärken in seiner beruflichen Zukunft einsetzten will, darüber ist er sich noch nicht ganz im Klaren: "Ich habe so viele Interessen. Wichtig ist mir, mit Spaß Wissen zu vermitteln." Den Feierabend verbringt Billy, der aus dem Walmer Township stammt, gerne damit, sich mit seinen neuen Freunden aus Bornheim zu treffen. In der nahe gelegenen Kirche hat er neue Kontakte geknüpft und pflegt diese regelmäßig. Oft besucht er die Bibliothek, in der er Deutsch lernen und das Internet nutzen kann.

Von seinem ersten Fahrradausflug in die Bundesstadt Bonn wird er wohl noch seinen Enkelkindern erzählen können. Per Handynavigation hatte er den kürzesten Weg von Bornheim nach Bonn gesucht - und war prompt auf der Autobahn - der A 555 - gelandet. Die Polizei sorgte schließlich für eine sichere Fahrt.