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Biohof Bursch in Bornheim experimentiert mit Süßkartoffeln - Folge des Klimawandels

Biohof Bursch : In Bornheim wachsen jetzt Süßkartoffeln

Sie ist eine Gewinnerin des Klimawandels: Weil es in Deutschland immer wärmer wird, gedeiht nun sogar die Süßkartoffel im Vorgebirge. Der Biohof Bursch experimentiert seit diesem Jahr mit dem Anbau.

Ob Pommes, Pürree oder Babynahrung: Süßkartoffeln sind vom Speiseplan nicht mehr wegzudenken. Das Importvolumen der Wurzel mit dem orange­nen Fleisch steigt seit Jahren. Einziger Haken ist dadurch die schlechte Ökobilanz: Süßkartoffeln müssen aus warmen Ländern importiert werden, oft aus Spanien oder sogar den USA. Doch das hat im Vorgebirge nun ein Ende: Der Biohof Bursch hat die ersten Bio-Süßkartoffeln des Vorgebirges geerntet.

Ganz die ersten waren sie nicht, weiß Hofsprecher Lothar Tolksdorf. Vergangene Saison habe bereits ein anderer Hof die Bataten, wie sie auch genannt werden, angebaut – aber die Waldorfer Exemplare seien die ersten biologisch-dynamischen der Gegend. Möglich wurde das durch den Klimawandel. „Die Batate ist eine echte Klimagewinnerin. Sie brauchen viel Wärme. Vor zehn Jahren hätten wir sie nicht anbauen können“, sagt Tolksdorf. Weitere Klimagewinner: Ingwer und Kurkuma, die seit Neustem in einem großen Gewächshaus am Hof gedeihen.

Biohof Bursch in Bornheim: Süßkartoffeln brauchen Wärme und Wasser

Die Bataten wachsen auf einem Feld an der Weidenpeschstraße in schnurgeraden Reihen. Ähnlich wie beim Spargel sind dort Hügel aufgeschüttet, die mit schwarzen Folien ummantelt sind. So komme die Wärme der Sonne auch im Boden an, erklärt Tolksdorf.

In 30 Zentimeter Abstand wurden vor rund sechs Monaten Löcher in die Folie geschnitten, in die die Pflanzen eingesetzt wurden. „Im Frühjahr wird jeder Hügel abends mit einem Fließ verpackt, morgens wird es wieder entfernt – per Hand“, berichtet Tolksdorf. Süßkartoffeln anzubauen, sei viel, viel Arbeit.

Der Hof hofft, die Plastikfolie nächstes Jahr durch biologisch abbaubare Folie aus Stärke ersetzen zu können. „Damit haben wir beim Spargel schon gute Erfahrungen gemacht“, berichtet der Sprecher. Da die Batetenhügel aber breiter sind als die Spargelhügel, habe die Standardfolie nicht gepasst. Verstecktes Detail: ein Bewässerungsschlauch, der zwischen Folie und Hügel verläuft, denn die Bataten brauchen nicht nur Wärme, sondern auch viel Wasser.

Biohof Bursch in Bornheim: Süße entsteht erst durch Lagerung

Eine Rüttelmaschine fährt gemächlich die zweite Reihe des Felds entlang und lockert den Hügel vorsichtig auf. „Das große Problem bei Bataten ist, dass sie nicht angeschlagen sein dürfen. Ein Katschen, und es fault. Denn die Bataten kommen fast ohne Schale aus der Erde“, sagt Tolksdorf, während er mit dem Fingernagel ganz leicht die dünne Schicht um eine Wurzel abschabt. „Die Schale muss sich erst bilden. Nach der Ernte kommen die Bataten deshalb für zehn Tage bei 28 Grad in ein Wärmelager.“ Dort entstehe übrigens auch erst die Süße, von der die Pflanze ihren Namen hat.

Während fünf Mitarbeiter die rötlichen Wurzeln per Hand aus der Erde ziehen, wuchern neben ihnen noch reihenweise Pflanzen mit ihren ungewöhnlichen, dreieckigen Blättern. „Das Laub kann man essen wie Spinat“, sagt Tolksdorf. Die Vermarktung wäre aber zu aufwendig, und so wird es gehäxelt und später als Gründüngung in den Boden gemischt.

Dass der Anbau so anders ist als bei herkömmlichen Kartoffeln, liegt daran, dass die Gemüsesorten trotz des Namens nur entfernt verwandt sind. Die knapp 60 grünen Kisten voller Bataten auf dem Anhänger neben Orhan Güven scheinen den Chef der Landwirtschaft zufriedenzustellen. „300 Kilo haben wir aus einer Reihe geerntet. Das ist mehr als erwartet“, sagt er. Hochgerechnet auf das ganze Feld ergebe das 4,5 Tonnen. Abzuwarten sei, ob die zweite angebaute Sorte auch so gut gediehen ist.

In den Verkauf gehen die Wurzeln laut Lothar Tolksdorf vermutlich in der Woche ab dem 7. September.