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Rheinhalle in Hersel: Bonner Springmäuse begeistern mit "Merry Christmaus"

Rheinhalle in Hersel : Bonner Springmäuse begeistern mit "Merry Christmaus"

"Wir wissen nicht, wo's langgeht, doch wir folgen unserm Stern", sangen die vier als Heilige Könige aus dem Morgenland verkleideten "Springmäuse" beim Einzug in die Herseler Rheinhalle.

Und ähnlich hätten es auch die erwartungsvollen Zuschauer formulieren können, von denen zu diesem Zeitpunkt kaum jemand wusste, wo es an diesem Abend "langgehen" würde. Seit mehr als 30 Jahren spielen die von Bill Mockridge ins Leben gerufenen Bonner Springmäuse nach einem bewährten Konzept, das bereits von der Antike über die italienische Commedia dell'arte bis hin zu dem englischen Theatersport in den 70er Jahren das Publikum begeistert. Nicht zu wissen, "wo es langgeht", schließt auch ein Scheitern ein, dem man gerne beiwohnt, wenn es mit so viel Spielfreude geboten wird.

Das Improvisationstheater der Springmäuse brilliert und funktioniert durch die Wachheit und Schlagfertigkeit seiner Darsteller Norbert Frieling, Paul Hombach, Marvin Meinold und Sandra Sprünken. Und es wirkt durch das aktive Mitmachen des Publikums. In der gut gefüllten Rheinhalle musste jeder damit rechnen, auf die Bühne geholt zu werden. Kaum eine Nummer der Springmäuse, die ohne Beteiligung der Besucher auskommt und dabei zum Lacherfolg wird.

Das Prinzip, mit dem das Publikum Stichwörter liefert, nach denen auf der Bühne gespielt wird, führt immer wieder zum gemeinsamen Erfolg. Tränen werden gelacht und Sätze wie, "sowas habe ich ja noch nie erlebt", oder "einmalig", "unglaublich" oder sogar "sensationell", sind bereits in der Pause allerorten zu hören. Selbst der als "Heiland von Hersel" auf die Bühne geholte Ingo Philipp aus Bonn freute sich darüber, den Abend tatenlos auf einem "Krippe" genannten Fellstuhl auf der Bühne verbringen zu können, während seine zukünftige Frau den Abend alleine im Publikum verbrachte.

Ausgiebige Fragerunde

Dabei schlug er sich ebenso tapfer wie Sandra aus Gelsenkirchen oder auch das Ehepaar Heide und Peter aus Niederkassel-Mondorf, das von Norbert Frieling im Publikum unter dem Aspekt "ich suche jetzt ein Paar, dass schon mindestens zwanzig Jahre verheiratet ist" gesucht wurde. Die Antwort, sie seien erst fünf Jahre verheiratet, half Peter wenig. Auf der Bühne angekommen, musste er gestehen, dass beide bereits 47 Jahre miteinander verheiratet sind.

In einer ausgiebigen Fragerunde versuchte Springmaus Frieling ein wenig über die Lebensgeschichte der beiden zu erfahren, um dann kurze Zeit später mit dem Ensemble das Leben von Heide und Peter musicalreif auf die Bühne zu bringen. Nicht nur für die beiden Stichwortgeber aus Mondorf, sondern für den ganzen Saal war es ein Vergnügen, nun bildhaft vor Augen geführt zu bekommen, wie Peter, alias Norbert Frieling, seine Heide im Bürgerverein kennenlernte und nach einem Tänzchen "klar" machte.

Immer wieder gelang es den Springmäusen, Ort und Publikum einzubeziehen. Dabei gab es bereits bei der Erwähnung von "Spargelstechen" oder "Alfter-Oedekoven", als Konkurrenz zu Bornheim, Szenenapplaus. Die Bereitschaft, an diesem Abend einfach nur Spaß haben zu wollen, schien von beiden Seiten gegeben. Die empfehlenswerte Methode, "regional und nachhaltig" funktionierte auch in Hersel bis zur letzten Minute. Wobei die großartigen Musikeinlagen von Paul Hombach einen wesentlichen Teil dazu beitrugen.