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Bornheim: Arbeiter asphaltieren Stolpersteine

Erinnerungsstücke an NS-Opfer : Arbeiter asphaltieren Stolpersteine in Bornheim

Bei Arbeiten an der L183 in Bornheim-Waldorf sind vier Stolpersteine in kürzlich aufgetragenem Asphalt verschwunden. Die Stadt reagiert mit „ungläubigem Kopfschütteln“ und nimmt die Firma in die Pflicht.

Die vier Stolpersteine an der Waldorfer Blumenstraße (Landesstraße 183) sind kaum noch zu erkennen. Die Erinnerungstücke an vier Opfer der Nationalsozialisten sind in kürzlich aufgetragenem Asphalt verschwunden, die Lebensdaten der Menschen nicht mehr zu lesen. Bei Straßenarbeiten ist jemand offenkundig sehr unsensibel mit den Steinen umgegangen. Doch wie konnte das passieren?

Gedenken an vier Mitglieder der Waldorfer Familie Beretz

Auf Anfrage des General-Anzeigers teilte die Bornheimer Stadtverwaltung mit, dass ihr der Vorgang durchaus bekannt sei. Im Rathaus herrsche „ungläubiges Kopfschütteln ob des – wenn auch versehentlichen – Umgangs mit den Stolpersteinen“, sagte Christoph Lüttgen von der städtischen Pressestelle.

Die Verantwortung liegt laut Verwaltung allerdings nicht bei der Stadt, sondern laut Lüttgen bei der „bauausführenden Firma, die dort im Auftrag des Stadtbetriebes Bornheim Wasserleitungen verlegt hat“. Als Auftraggeber der Arbeiten habe der Stadtbetrieb die  Firma bereits angewiesen, die Stolpersteine in ihren ursprünglichen Zustand zu versetzen, also so zu installieren wie sie waren und entsprechend zu säubern, so Lüttgen.

Die vier Steine vor dem Haus Blumenstraße 107 erinnern an Mitglieder der Familie Beretz. Jakob Beretz wurde 1886 geboren, 1942 von den Nationalsozialisten deportiert und im Ghetto Litzmannstadt (Łodz) ermordet. Gustav (Jahrgang 1888), Paula (Jahrgang 1892, geborene Herz) und Erika (Jahrgang 1927) Beretz kamen 1942 ins Ghetto in der weißrussischen Stadt Minsk und wurden dort ermordet.

Nächste Verlegung für Dezember in drei Stadtteilen geplant

Aktuell gibt es laut Stadtverwaltung 55 Stolpersteine, die sich auf die verschiedenen Orte der Vorgebirgsstadt verteilen. Wie Stadtsprecher Lüttgen weiter mitteilte, ist die nächste Verlegung von solchen Erinnerungssteinen für den 12. Dezember geplant. Dann sollen insgesamt elf Steine in Roisdorf, Bornheim-Ort und Widdig in den Boden eingelassen werden.