1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Bornheim

Bornheim: Debatte um Windräder nimmt wieder Fahrt auf

Diskussion um Pläne : Debatte um Windräder in Bornheim nimmt wieder Fahrt auf

Der Landschafts-Schutzverein Vorgebirge (LSV) hat über die Windräder-Pläne in Bornheim informiert. Ein Gutachten ist in Arbeit, der LSV befindet sich nach Angaben seines Vorsitzenden in einem Dilemma.

Das Bild macht Eindruck. Genauer gesagt, sind es zwei Bilder, die übereinander montiert auf die Leinwand projiziert werden. Das obere Bild zeigt eine Landschaft mit Wiesen, Hecken und Bäumen sowie einigen Häusern im Hintergrund. Die untere Aufnahme präsentiert das Gegenteil: Schornsteine, Fabriken Hochspannungsleitungen – und zwei Windräder. Um solche Anlagen geht es an diesem Abend. Besagtes unteres Bild zeigt die Industrie und die Windkraftanlagen in Wesseling.

Das obere Bild ist ein Blick von der Ville-Hochfläche auf Rösberg und Hemmerich. Nun ist es nicht ausgeschlossen, dass jemand, der diese Landschaft in ein paar Jahren erneut fotografiert, ebenso Windräder bildlich festhält. Schließlich steht die Möglichkeit im Raum, dass sich auf der Ville-Hochfläche oberhalb von Rösberg, Hemmerich und Waldorf einmal Windräder drehen. Es gibt Energieerzeuger, die mehr oder weniger konkret mit dem Gedanken spielen, dort solche Anlagen zur Stromerzeugung zu errichten.

100 Besucher bei Versammlung im Mertener Schulcampus

Dieses Szenario mobilisiert die Menschen – vor allem die, die auf der Höhe wohnen. Rund 100 Frauen und Männer sind in die Aula des Mertener Schulcampus gekommen. Eingeladen hatte der Landschafts-Schutzverein Vorgebirge (LSV), um über die Windradpläne zu informieren und seine Sicht dazu darzustellen. Mit den eingangs beschriebenen Bildern eröffnet LSV-Vorsitzender Michael Pacyna seine Ausführungen. Er spricht von einem „kleinen Dilemma“, in dem sich der LSV befindet. Einerseits sei man mit Blick auf Energiewende und Klimawandel, für den Ausbau der Windenergie, andererseits verwandelten Windräder Landschaften in Industrieparks. Sie belasteten Menschen und gefährdeten Tiere, sagt Pacyna.

Die Ville-Hochfläche sei, auch mit ihren verschiedenen Naturschutzgebieten, das „wichtigste Naherholungsgebiet“, das es in Bornheim gebe. Und nicht nur das: Hobbypilot Hermann-Josef Meiswinkel berichtet, welche störenden Auswirkungen Windräder auf der Ville auf den Flugverkehr haben könnten. Der Tenor ist klar: Der LSV ist gegen Windräder auf der Ville.

Daher auch das zweite Bild: die Wesselinger Industrielandschaft. In deren Nähe, zwischen Sechtem und Bornheim-Ort, sollen sich nicht nur nach dem Willen des LSV Windräder drehen. Schließlich wurde im Jahr 2011 eine sogenannte Windkraftkonzentrationszone von der Stadt rechtlich festgesetzt. Bekanntlich wollte das Unternehmen Enercon dort Windkraftanlagen bauen. Nach vielen Jahren Planung warf Enercon aber erst einmal hin. Waren zunächst sechs Windräder geplant, hätten die Behörden letztlich nur drei genehmigt, und diese auch nur mit einer Rotorspitzenhöhe von 150 Meter – wegen des nicht weit entfernt liegenden Flughafens Köln/Bonn.

Wichtig an einer Konzentrationszone ist die Ausschlusswirkung. Das bedeutet, dass die Stadt verbieten kann, anderswo als dort Windräder zu bauen. Um rechtssicher zu sein, muss eine Zone allerdings den Energieunternehmen Rahmenbedingungen bieten, um Windräder wirtschaftlich betreiben zu können. Nach Ansicht von durch die Stadt beauftragten Anwälten ist das aber nicht mehr der Fall. Das bedeute zunächst aber nicht, dass es die Konzentrationszone nicht mehr gibt, erläutert LSV-Vize und Jurist Norbert Brauner den Menschen in der Aula.

Unternehmen könnten auf Erteilung einer Genehmigung klagen

 Die Rechtswidrigkeit würde von einem Gericht festgestellt, wenn ein Unternehmen dagegen klagt, dass es, mit Verweis auf die Konzentrationszone, keine Windräder auf der Ville-Hochfläche bauen darf. „Es herrscht eine große Unsicherheit in den Köpfen“, meint Brauner, der dann aus juristischer Sicht detailliert darauf eingeht, was die Stadt nun unternimmt.

Foto: grafik

Nachdem bekannt wurde, dass die Anwälte die Gestaltung der Konzentrationszone als nicht mehr gerichtsfest einstufen, wurde die Politik aktiv. Mitte Juli hatte der Stadtrat beschlossen, einen sogenannten sachlichen Teilflächennutzungsplan Windkraft aufzustellen. Das heißt: Ganz Bornheim wird auf potenzielle Flächen für Windräder untersucht. Wo stören sie Naturschutzgebiete nicht? Wo sind sie weit genug von der Wohnbebauung entfernt? Wo stehen sie keinen anderen Absichten, wie etwa geplanten Gewerbegebieten, entgegen? Potenzialanalyse heißt das. Dazu kommt noch ein Artenschutzgutachten.

Laut Stadtsprecher Rainer Schumann erarbeitet ein Fachbüro derzeit die Gutachten. Wann die Ergebnisse der Politik vorgestellt werden, kann die Verwaltung noch nicht sagen. Am Ende soll es jedenfalls neue, rechtliche sichere Konzentrationszonen geben – nach der Meinung nicht weniger Bornheimer am besten nicht auf der Ville-Höhe.