1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Bornheim

Bornheim: Geisterrad erinnert an gestorbenen ADFC-Sprecher

Weißes Rad erinnert an Gerd Müller-Brockhausen : ADFC-Sprecher starb nach Zusammenstoß mit Auto

Gerd Müller-Brockhausen ist Anfang Juni nach einem Unfall an den Folgen im Krankenhaus gestorben. Ein weißes Rad am Unfallort auf der Straße zwischen Sechtem und Merten erinnert nun an den langjährigen Sprecher der Ortsgruppe Bornheim des ADFC.

Das weiße Fahrrad an der Kreuzung Breslauer Straße/Gemüseweg zwischen Sechtem und Merten fällt schon von Weitem auf. Das Rad erinnert an den verunglückten Gerd Müller-Brockhausen. Der 65-Jährige war dort am 6. Juni bei einem Zusammenstoß mit einem Auto so schwer verletzt worden, dass er an den Folgen im Krankenhaus starb. Zu Ehren ihres langjährigen Sprechers gestaltete die Ortsgruppe Bornheim des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) am Samstag eine Trauerkundgebung an der Unfallstelle.

Das sogenannte Geisterrad hat ADFC-Vorstandsmitglied Kurt Schiwy organisiert, zwei Studenten der Alanus Hochschule Alfter haben es weiß eingefärbt. Im Beisein der Familie um Müller-Brockhausens Frau Marina und die Söhne Michael und Matthias nahmen zahlreiche ADFC-Mitglieder, Bürgermeister Wolfgang Henseler, Kommunal- und Landespolitiker sowie Sänger des Männergesangvereins Ägidius Hersel Abschied von einem außergewöhnlichen Menschen.

Müller-Brockhausen engagierte sich seit Jahren im städtischen Arbeitskreis Radverkehr für bessere Radwege und mehr Sicherheit im Straßenverkehr, darüber hinaus war er seit zehn Jahren als Sänger und seit acht Jahren als Kassierer beim MGV Ägidius aktiv. Viele Bornheimer kannten den leidenschaftlichen Radfahrer durch das „Frühlingserwachen“, die Höfetour, die er Jahr für Jahr gemeinsam mit der Stadt organisiert hat und selbst anführte. Aber auch beim Konzept zur Rheinischen Apfelroute war Müller-Brockhausen maßgeblich beteiligt.

Kritische Worte an die Politik

„Er war ein überzeugter Fahrradfahrer und ein kreativer Kopf mit Freude am Gestalten. Sein viel zu früher und tragischer Tod ist ein herber Verlust nicht nur für seine Familie, sondern auch für die Stadt Bornheim und alle ihre Radfahrer“, sagte Henseler. Kritische Worte an die Politik richtete ADFC-Vorstand Stefan Wicht.

Es sei nicht zu verstehen, dass im Zuge der Corona-Folgen die umweltschädlichsten Verkehrsmittel wie das Flugzeug finanziell aufgepäppelt und der Autoverkehr mit einer Kaufprämie unterstützt würden. „Wir brauchen einen sicheren und klimaverträglichen Verkehr, mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer. Anstelle einer Kaufprämie für Autos sollte das Geld verwendet werden, um den Verkehr mit Bahnen und Bussen zu fördern und 10 000 neue Radwege für Deutschland zu fördern.“ Als Vorbild schwebt Wicht das Verkehrskonzept der Niederlande vor, wo – gerade in ländlichen Regionen – Ampeln die Vorfahrt von Auto- und Radfahrern eindeutig regeln. Dies möchte der ADFC auch hierzulande umsetzen.

Schwarze Tasche für Kondolzenkarten

In eine schwarze Tasche neben dem Gedenkrad steckten Trauernde Kondolenzkarten und Geld. 2100 Euro gingen bislang auf dem vom Fahrradclub eingerichtete Spendenkonto ein. Geld, das laut Wicht für einen Radverkehrsplaner aus dem Nachbarland ausgegeben werden könnte. „Wir glauben, dass es ganz im Sinne von Gerd wäre, wenn wir das Geld dafür verwenden würden.“ Und ganz im Sinn von Müller-Brockhausen war es sicherlich, dass es keine Gedenkminute gab, sondern die Klingeln der Fahrräder ertönten.