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Bornheim-Hersel: Kunstwerk von Walter Schoneweg zerstört

Arbeit des Bildhauers Walter Schoneweg : Kunstwerk bei Abrissarbeiten auf dem Herseler Friedhof zerstört

Der Künstler Walter Schoneweg ist heute weitgehend unbekannt. Dabei sind seine Werke an vielen Stellen zu sehen. Nur nicht mehr auf dem Herseler Friedhof.

Es war eine Routine-Mitteilung des Stadtbetriebs Bornheim (SBB): In der Trauerhalle auf dem Herseler Friedhof musste eine einsturzgefährdete Wand abgerissen werden. Eine nicht-tragende Außenwand aus Beton- und Glaselementen, an der Risse und Verschiebungen erkennbar gewesen seien, so hatte der SBB es vor einiger Zeit den Mitgliedern seines Verwaltungsrats mitgeteilt, der aus Vertretern der Stadtratsfraktionen besteht.

Doch hinter dieser Mitteilung steckt eine tragische Geschichte um den Verlust eines Kunstwerks des Bornheimer Bildhauers Walter Schoneweg (1907-1995). Wie Stadtbetriebsvorstand Ulrich Rehbann dem General-Anzeiger auf Anfrage bestätigte, wurde das Werk mit dem Namen „Auferstehungsengel“, das sich in der Wand befand, zerstört.

Walter Schoneweg hat ein umfangreiches Werk geschaffen

Der Name Walter Schoneweg ist heutzutage wohl nicht mehr vielen Menschen in Bornheim und der Region geläufig. Seine Kunst ist aber noch an vielen Orten präsent. Er gestaltete unter anderem Altar, Taufstein, Kreuze und Kanzel der Versöhnungskirche an der Königstraße sowie Altar und Kanzel der Hemmericher Markuskirche. Für Widdig und Roisdorf entwarf er die Kriegerdenkmäler, auch gestaltete er Kunst am Bau für die Grundschulen in Hersel und Roisdorf. Schoneweg entwarf ebenso zahlreiche Zeichnungen, Plaketten, Medaillen, Reliefs, Portraits, Büsten, Plastiken und Statuen. Seine Werke finden sich nicht nur im Vorgebirge, sondern unter anderem in Bonn, Köln oder Dortmund. Das Fresko an der Wand in der Friedhofskapelle in Bornheim ist ebenso ein echter Schoneweg wie es der „Auferstehungsengel“ in der Herseler Trauerhalle war.

Dass letzteres Werk nun nicht mehr existiert,war allerdings unbeabsichtigt. Wie Rehbann erläuterte, hatte der Stadtbetrieb erst infolge eines GA-Artikels über den Abriss der Mauer durch einen Hinweis von dem Kunstwerk aus dem Jahr 1964 erfahren. „Der Stadtbetrieb Bornheim hat keine Unterlagen zu dem Bau der Trauerhalle“, so Rehbann.

Wand der Trauerhalle drohte akut einzustürzen

Für das Kunstwerk bestand laut Stadtbetrieb keine Möglichkeit der Rettung. „Umgehend nach Feststellung der Risse in der Wand wurden ein Baustatiker sowie ein im Bereich Hochbau tätiges Unternehmen beauftragt, sich die Situation vor Ort zur weiteren Beurteilung anzusehen“, so Rehbann. Bei diesem Ortstermin im August sei festgestellt worden, dass die Wand durch Druck von der Decke unter enormer Spannung gestanden habe.

Wohl aufgrund von Korrosion der Metallarmierungen zur Befestigung sei ein Zusammenhalt der einzelnen Bauteile der Wand sowie der Gründung nicht mehr gegeben gewesen. „Der Statiker stellte gutachterlich eine akute Einsturzgefahr fest“, führte Rehbann weiter aus. Glasteile drohten zu platzen, viele wiesen bereits Risse und Sprünge auf.

Vom Ruhrgebiet über Pommern ins Vorgebirge

Die Idee, die Wand kontrolliert zurückzubauen, sei schnell verworfen worden. Bereits wenige Tage später begann die mittlerweile abgesperrte Wand einzustürzen und wurde laut Rehbann durch einen Bauunternehmer nur noch kontrolliert zu Fall gebracht. „Dabei wurden die Wand und die darin verbauten Glasteile vollständig zerstört“, so der Stadtbetriebsvorstand weiter. Alle Bestandteile der Wand seien als Bauschutt entsorgt worden – und damit auch das Schonweg-Kunstwerk.

Der Künstler Walter Schoneweg wurde 1907 in Marten geboren, das heute zu Dortmund gehört. Nach einer Tischlerlehre arbeitete er zunächst in der Schreinerei eines Onkels in Treptow an der Rega (Pommern), dem heutigen Trzebiatów. 1928 wurde er an der Berliner Akademie der Künste aufgenommen, 1937 schloss er das Studium ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschlug es ihn nach Bornheim. Dort ist heute eine Straße nach ihm benannt – und viele Werke von ihm sind noch zu sehen. Doch nicht mehr in der Herseler Trauerhalle. Dort befindet sich nun eine provisorische Wand.