100. Jubiläum beim MGV „Liederkranz“ Waldorf „In Freud und Leid zum Lied bereit“

Bornheim-Waldorf · Der Auftakt des Veranstaltungsreigens ist das Jubiläumskonzert am Samstag, 20. April, in der Sankt Michael Pfarrkirche. Wie andere Vereine auch sucht der MGV händeringend neue Mitglieder.

Die Sänger proben gemeinsam mit Chorleiter Hermann-Josef Broich während der Corona-Pandemie 2021 im Außenbereich des Pfarrgartens.

Die Sänger proben gemeinsam mit Chorleiter Hermann-Josef Broich während der Corona-Pandemie 2021 im Außenbereich des Pfarrgartens.

Foto: Privat: Repro. Susanne Träupmann

Ein Freund brachte Karl-Heinz Kluth zum Singen. Das ist 27 Jahre her. Seitdem ist der 73-jährige Waldorfer eines von 25 aktiven Mitgliedern des örtlichen Männergesangvereins (MGV) „Liederkranz“. Mit Leidenschaft singt er die „zweite Bassstimme“. Keine Chorprobe lässt der Rentner aus, obwohl er seit einigen Jahren in Brühl wohnt. Denn nicht nur der gemeinsame Gesang ist ihm wichtig, auch die Gemeinschaft mit den Sangesbrüdern liegt ihm am Herzen. „Es ist immer wieder toll, wenn man zusammen etwas auf die Beine stellt“, schmunzelt der zweite Schriftführer. Das gilt besonders für das Jubiläumskonzert zum 100-jährigen Bestehen des Männerchores, dass am Samstag, 20. April, 17 Uhr, in der Pfarrkirche Sankt Michael über die Bühne geht.

Ein buntes Programm zum Jubiläum

Dabei ist diese Veranstaltung nur der Auftakt in einer Reihe von Festivitäten, mit denen der Chor an seine Gründung erinnert. Ganz im Zeichen des „Geburtstages“ stehen im August und im Oktober denn auch noch das Jubiläumsgrillfest und das 100. Stiftungsfest. Und natürlich sind alle Waldorfer herzlich eingeladen. Denn seitdem der MGV am 6. August 1924 aus der Taufe gehoben wurde, ist der Chor ein fester Bestandteil des Dorfes. Die Idee zur Gründung eines Männerchores hatten damals Otto Reifferscheid, Josef Pütz und Josef Huppertz, sangesfreudige Mitglieder des damaligen Waldorfer Bürgervereins. Das Interesse im Dorf war da und so konnte die Gründungsversammlung mit 24 Männern im Lokal von Karl Grüßgen abgehalten werden. „In Freud und Leid zum Lied bereit“, schrieben sich die Vereinsmitglieder damals auf die Fahnen, ein Motto, dem die Sänger bis heute treu geblieben sind. Zum ersten Vorsitzenden wurde Heinrich Schorn (1924-1947) gewählt. Die musikalische Leitung übernahm bis 1931 Musikdirektor Heinrich Hellinghausen. Mit dem derzeitigen Vereinschef Ralf Thoma (seit 2010) haben in 100 Jahren nur insgesamt acht Vorsitzende und genauso viele Chorleiter die Geschicke des Vereins geprägt und das gesangliche Repertoire geformt und stimmlich ausgebildet. Seit 2003 fungiert Hermann-Josef Broich als Chorleiter, der trotz seiner 84 Jahre jede Woche zur Probe aus der Eifel anreist. „Solange er es noch kann, sind wir gut dran. Falls nicht, wird es schwierig. Denn einen neuen Chorleiter zu finden, ist nicht einfach“, meinte Kluth.

Er und seine Sangesbrüder üben seit fünf Monaten intensiv für den kommenden Auftritt. Denn es fehlt ein wenig die Übung, ist es doch das erste große Konzert seit der Coronapause. Und da soll natürlich alles perfekt sein. Das Programm haben Broich und die Aktiven mit Bedacht zusammengestellt. Und es kann sich sehen lassen. Ob Werke aus der Klassik („Die Himmel rühmen“ von Ludwig van Beethoven), aus dem volkstümlichen Bereich „Kein schöner Land“, Chansons wie „Diplomatenjagd“ von Reinhard Mey oder Mundartsongs wie „De Jlocke vun Kölle“ des zeitgenössischen Komponisten Alexander Kowalski – für jeden Geschmack wird etwas dabei sein.

Inzwischen der einzige Chor im Dorf

Das musikalische Repertoire der Waldorfer ist vielfältig und umfasst mittlerweile 300 Kompositionen, die von der Klassik bis zur Moderne, von volkstümlich bis populär, von Opernmusik bis zu zeitgenössischen Werken reichen und mal heiter, mal besinnlich sind. Welche Stücke Chor und Broich für einen Auftritt auswählen, hängt vom Anlass ab. Denn die Sänger absolvieren fünf bis sechs Auftritte pro Jahr. So sind sie regelmäßig beim Maiansingen dabei, mittlerweile als einziger Chor des Dorfes, bringen sich musikalisch bei Orts- und Vereinsfesten ein und singen auf Anfrage auch in Seniorenheimen und bei privaten Feiern. Auch sind die Sänger in ihren violetten Jacken immer ein Blickfang bei den Festzügen der Junggesellen und der Sankt Hubertus Schützen. „Wir wollen über das Singen hinaus den Chorgesang als kulturelle Gemeinschaftsaufgabe erhalten und fördern“, erklärt Kluth das Engagement. Er liegt mit seinen 73 Jahren knapp unter dem Altersdurchschnitt der Mitglieder. Seit Jahren versucht der MGV regelmäßig, neue Mitglieder zu gewinnen – bisher ohne Erfolg. „Wir haben bei Auftritten und mit Flyern geworben. Einige Interessierte kamen vorübergehend zu den Proben, blieben dann wieder weg. Jüngeren Sängern gefällt anscheinend unser Liedgut, das wir singen, nicht. Außerdem ist Singen heutzutage keine zentrale Freizeitbeschäftigung mehr. Das Angebot an konkurrierenden Aktivitäten ist groß. Der Stress des Arbeitslebens lässt wenig Raum“, meinte Kluth.

Dabei braucht der Chor dringend „erste Tenöre“, denn aktuell füllen diese Stimmlage nur drei Sänger aus. Wenn eine bestimmte Zahl an Sängern unterschritten werden, könnten einige der bisherigen Aktivitäten nicht mehr ausgeübt werden, befürchtet Kluth. Wie bei anderen Männergesangvereinen auch, sinkt die Zahl der Aktiven, bei gleichzeitig steigendem Durchschnittsalter. Somit wird die Zukunft des MGV auch bei den Mitgliedern immer wieder diskutiert. Fusionen mit Chören benachbarter Dörfer sei schon wegen der Wahl der Örtlichkeit für die Proben schwierig, meinte Kluth. „Solange der Chor so funktioniert wie bisher, wird sich bei uns nichts ändern“, sagte Kluth.

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