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Bornheim: Neue Kartoffeln sind bereit zur Ernte

Leyla und Annabelle : Frühkartoffeln in Bornheim sind bereit zur Ernte

Die Landwirte im Vorgebirge ziehen die ersten Frühkartoffeln aus der Erde. Ob festkochend oder nicht, darüber entscheidet nicht die Sorte - sondern der Stärkegehalt der Knolle.

Langsam gleitet die Erntemaschine, der Roder, auf dem Feld entlang. Mittels eines „Schars“ hebt sie automatisch die Kartoffelpflanzen samt Knollen und Blättern auf ein Sieb, um die gesäubertem Kartoffeln anschließend in den sogenannten Bunker, ein an der Erntemaschine befestigter Behälter, fallen zu lassen. Die Maschine erledigt ihre Arbeit selbsständig. Per GPS hat Landwirt Reinhold Decker zuvor die Befehle eingegeben, im Display verfolgt der Herseler das Prozedere der Kartoffelernte im Detail. Hier und da greift er bei Fehlermeldungen korrigierend ein.

Der 53-Jährige weiß die maschinelle Erleichterung zu schätzen, können so in rund zwei Stunden doch fast vier Tonnen des Grundnahrungsmittels eingefahren werden. Der Familienvater erinnert sich auch noch an die „frühere manuelle Plackerei“ beim Auflesen der Erdäpfel. Schon als Kind musster im elterlichen Betrieb auf dem Feld kräftig mitanpacken.

In diesem Jahr laufe der Start der Kartoffelernte mit den Frühsorten „Leyla“, „Annabelle“ und „Concordia“ wie „am Schnürchen“, erzählt Decker. Wegen des optimalen Wetters mit warmen Temperaturen und viel Sonnenschein im März und April konnten die unter Doppelfolie abgedeckten und damit verfrühten ersten „Leylas“ schon Ende Mai – und damit fast zehn Tage früher als üblich – aus der Erde geholt werden.

Stärkegehalt nimmt mit Wachstum der Pflanze zu

In verschiedenen Reifungsgraden sind die Pflanzen auf den knapp drei Hektar am Bornheimer Wald zu sehen – mal mit senkrecht stehenden, mal mit abgeflachtem Blattwerk, mal in sattem Grün, mal gelblich verfärbt. Kartoffeln werden je nach Stärkegehalt in die Kategorien festkochend, vorwiegend festkochend und mehlig kochend unterteilt – abhängig von der Höhe des Stärkegehalts in den Knollen, der mit dem Wachstum der Pflanze zunimmt. Die Einteilung ist auch für die Kocheigenschaft von Bedeutung, denn je mehr Stärke eine Kartoffel aufweist, desto lockerer wird sie beim Kochen (siehe Infobox).

Decker ist glücklich, wenn die Kartoffel schmeckt

„Jede Knolle kann man festkochend oder vorwiegend festkochend erzeugen, wenn man das Wachstum, also die Photosynthese, durch die Entfernung der Blätter unterbricht“, erklärte Decker. Dieser Produktionsschritt sei manchmal erforderlich, um „die der Sorte entsprechende Qualität zu realisieren“. Die permanente Verfeinerung des runden, länglichen oder ovalen, gelegentlich auch herzförmigen Gemüses ist für den Landwirt in den vergangenen 30 Jahren zu einer Leidenschaft geworden. „Denn wir als Erzeuger bestimmen die Pflege der Knollen und damit den Geschmack. Das Beste ist doch, eine Knolle zu schaffen, die dem Kunden schmeckt. Und das macht mich glück­lich“, schmunzelte Decker.

Kartoffeln baut er ausschließlich in den Kategorien festkochend und vorwiegend festkochend an. Zwischen Bonn und Wesseling nehmen seine Pflanzen der frühen, mittleren und späten Sorten 13,5 Hektar ein. Dazu pflanzt Decker in dritter Generation auf 75 Hektar Getreide und Zuckerrüben an. Besonders für die Erdäpfel ist die Konsistenz des Bodens für ihr Gedeihen ausgesprochen wichtig. Und auch der drei Hektar große Acker in Widdig ist mit seinem warmen, sandigen und siebfähigen Boden wie geschaffen für das Wachstum der Knollen – wenn genügend Wasser zugeführt wird.

Überkopfberegnung sorgt für feuchten Boden

„Kartoffeln brauchen einen feuchten, aber nicht nassen Boden. Das gilt besonders für die oberen Erdschichten“, machte Mitarbeiter Oliver Müller deutlich. In diesem Jahr habe er schon fünfmal die Überkopfberegnung angestellt. „Denn eine gleichmäßige und regelmäßige Menge zu erzeugen, geht nicht ohne Beregnung.“

Zur Kontrolle fährt Decker in regelmäßigen Abständen aufs Feld. Geerntet wird allerdings nicht jeden Tag. Traktor und Roder werden nur angelassen, wenn akut Ware für den Verkauf gebraucht wird, da die Frühsorten – im Unterschied zu den Mittel- und Spätsorten – nicht lagerfähig sind. Sein Kundenstamm beschränkt sich dabei nicht nur auf die Bornheimer, die den Hofladen an der Rheinstraße besuchen, sondern reicht mittlerweile vom Westerwald über die Grafschaft bis nach Köln. Aktuell gehen „Leyla“ und Co. für vier Euro pro zweieinhalb Kilo über den Ladentisch – damit liegt der Preis im Segment der vergangenen Jahre.