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Bornheimer Bürgermeister Christoph Becker: „Im Moment fahren wir auf Sicht“

Registrierungspflichtiger Inhalt: Interview mit Bornheimer Bürgermeister : „Im Moment fahren wir auf Sicht“

Vor einem Monat hat sich Christoph Becker in der Stichwahl zum Bürgermeister durchgesetzt, am Montag trat er offiziell sein Amt an. Was er dabei am schönsten fand, verriet er dem GA im Interview.

In Bornheim brach am Montag eine neue Ära an, als Christoph Becker das Amt des Bürgermeisters übernahm und damit nach 16 Jahren Wolfgang Henseler ablöste. Vor einem Monat hatte der parteilose Kandidat sich in der Stichwahl gegen Petra Heller (CDU) durchgesetzt. Über die Vorbereitung auf seinen Amtsantritt, seinen ersten Tag und Corona sprach mit ihm Katharina Weber.

Wie gemütlich oder unbequem ist der Bürostuhl des Bürgermeisters?

Christoph Becker: (lacht) Das ist ein hervorragender, ergonomischer Bürostuhl.

Wie sah Ihr erster Tag aus und wie sind Sie aufgenommen worden?

Becker: Ich bin sehr, sehr freundlich und herzlich aufgenommen worden, sowohl vom Verwaltungsvorstand als auch von den Kolleginnen und Kollegen, denen ich schon begegnen durfte. Nach einem kurzen Einstand, wo wir mit einem halben Brötchen und einem Glas Orangensaft angestoßen haben, ging es auch gleich ins wichtige Tagesgeschäft. Auch hier spielt Corona durch die neue Coronaschutzverordnung gerade eine große Rolle, wie im Moment überall. Auch wir als Stadt müssen uns genau überlegen: Wo sind wir gefordert und wo können wir unseren Teil beitragen?

Wo wäre das zum Beispiel?

Becker: Zum einen ist den Kommunen die Kontrolle der Vorgaben aus der neuen Verordnung übertragen worden. Außerdem ist die Frage: Wie organisieren wir die Arbeitsabläufe in der Verwaltung zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen und erhalten gleichzeitig die Daseinsvorsorge der Bürger aufrecht?

Apropos Daseinsvorsorge: Ist das Rathaus noch offen?

Becker: Stand heute ist es offen und bleibt offen, aber im Moment fahren wir auf Sicht. Die Entwicklungen haben ja eine Dynamik, die wir vorher so noch nicht kannten. Insofern muss man schauen, wie die weitere Entwicklung ist und dann die richtigen Maßnahmen treffen.

Vor Amtsantritt wollten Sie mit Ihrer Frau zur Erholung noch ein paar Tage in den Hunsrück, haben Sie das geschafft?

Becker: Ja. Und das hat uns auch sehr gutgetan, weil wir es geschafft haben, Außenkontakte weitgehend zu minimieren.

Wie haben Sie den Monat zwischen der Wahl und Ihrem Amtsantritt sonst verbracht?

Becker: Die Bezirksregierung Köln ist mir entgegengekommen, ich konnte auf Teilzeit gehen, hatte dort also noch eine halbe Stelle. Ansonsten war die Zeit bestimmt einerseits durch die hervorragende Unterstützung von Wolfgang Henseler und den Kolleginnen und Kollegen bei der Übernahme der Amtsgeschäfte, andererseits durch die Gespräche mit den im Rat vertretenen Parteien. Ich hatte unmittelbar nach der Wahl die Vertreter aller Fraktionen angeschrieben und um ein Gespräch gebeten. Das waren sehr intensive Gespräche. Ich habe sie bei allen Beteiligten als sehr respektvoll und konstruktiv erlebt. Dafür bin ich auch sehr dankbar, denn wir haben im Rat ja eine neue Verteilung und der Auftrag der Bürgerinnen und Bürger lautet: Sprecht miteinander.

Am Mittwoch treffen Sie und der neue Stadtrat als Ganzes zum ersten Mal aufeinander. Was teilen Sie den Ratsmitgliedern mit?

Becker: Eine Überraschung werde ich nicht haben, aber selbstverständlich werde ich ein paar Worte zu meinem Amtsantritt sagen. Da wird der Tenor sein, dass ich mich auf die gemeinsame Arbeit freue und ich nach besten Kräften ein Bürgermeister für alle sein werde. Ich glaube, dass meine Parteiunabhängigkeit für viele Menschen ein wichtiger Aspekt bei der Wahl war. Das werde ich jetzt auch leben, weil ich es vorher versprochen habe.

Was ist bisher der schönste Aspekt am Bürgermeistersein?

Becker: (lacht) Ich bin ja ganz am Anfang und will mir nicht anmaßen, dass ich das überschauen kann. Aber der schönste Aspekt bisher ist, dass ich den Eindruck gewinne, dass hier viele Menschen sind, die eine Menge Energie und Lust haben, Dinge zu gestalten und auf den Weg zu bringen. Da möchte ich mich gerne einbringen, darauf freue ich mich sehr.

Und was ist der nervigste Aspekt?

Becker: (lacht) Da kommt bestimmt noch etwas, aber im Moment hat mich noch nichts so richtig genervt. Ich kann natürlich sagen Corona, aber das gilt ja für alle Menschen. Es gibt glaube ich keinen der sagt, das macht mir Spaß.

Welches Thema gehen Sie nach der Einarbeitungsphase als erstes an?

Becker: Da habe ich mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken gemacht, weil so viel zu tun war, aber die Themenschwerpunkte, die ich vorher benannt habe, sind mir auch weiter wichtig. Klimaschutz Mobilität und Bürgerbeteiligung stehen ganz oben auf der Agenda.

Wie sieht das Tagesgeschäft eines Bürgermeisters aus?

Becker: Alle paar Minuten geht die Tür auf: „Herr Becker, Sie müssen jetzt dahin“ (lacht). Im Moment läuft die Vorbereitung für die konstituierende Ratssitzung auf Hochtouren. Das wissen viele Bürger gar nicht: Die Sitzung hat 73 Tagesordnungspunkte. Es müssen 16 Ausschüsse gebildet und besetzt werden, Vertreter in 23 Gremien entsendet werden, insofern setzt man da schon die Voraussetzungen für die kommende Ratsarbeit. Ansonsten gehe ich hier durchs Haus, stelle mich den Kolleginnen und Kollegen vor. Es ist mir ein Anliegen, dass ich relativ schnell mit ihnen ins Gespräch komme. Parallel läuft das Alltagsgeschäft, in das ich mich einarbeite. Ich habe viele Vorgänge auf dem Tisch, bei denen Unterschriften gefragt sind und bin dankbar, wenn die Fachleute mich am Anfang noch an die Hand nehmen.