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"Blauer Prachtkärpfling": Bornheimer züchtet seltene Fischart

"Blauer Prachtkärpfling" : Bornheimer züchtet seltene Fischart

Ein leuchtend orangefarbenes Schuppenkleid und blau schimmernde Flossen und Lippen: Der "Blaue Prachtkärpfling" macht seinem Namen alle Ehre. Flink und farbenfroh zieht er seine Bahnen - in deutschen Aquarien allerdings leider viel zu selten, findet Karl-Heinz Schäfer, leidenschaftlicher Hobbyzüchter aus Hemmerich.

Seit 25 Jahren schon erfreut sich der 53-Jährige dieser seltenen afrikanischen Zierfische mit bemerkenswerten Eigenheiten, die Schäfer für sein Leben gern beobachtet und auch anderen Aquarianern wärmstens ans Herz legen möchte.

Der Blaue Prachtkärpfling, mit wissenschaftlichem Namen "Fundulopanchax sjoestedti", ist in Kamerun und Ghana beheimatet und wird bis zu 13 Zentimeter lang, die Männchen drei mal größer als die Weibchen. Die Art lebt im Süßwasser, genauer gesagt in Tümpeln und kleineren Bachläufen. Dieses Habitat hat ihr in der niederländischen Kolonialzeit den Namen "Killifisch" eingetragen, was also nicht etwa auf eine mögliche Gefährlichkeit als "Killerfisch" hinweist. Außerdem hat ihr das Leben im Brackwasser afrikanischer Tümpel die Bezeichnung "Saisonfisch" eingetragen, da die Art in freier Natur nur eine Saison lang lebt - bis zur nächsten Trockenzeit: "Beim Austrocknen der Tümpel sterben die Killifisch-Populationen regelmäßig ab. Vorher aber laichen die Tiere noch: Sie drücken ihre Eier in den lockeren Bodengrund, wo sie in der Trockenzeit so lange überdauern, bis es wieder regnet."

Kaum dass die Regenzeit einsetzt, schlüpfen dann viele kleine Prachtkärpflinge quasi aus der Erde - ein einzigartiges Schauspiel, dessen Bedingungen es in der Hobbyzucht erst einmal nachzustellen gilt. "So schwer ist das gar nicht", meint Schäfer, der die Zucht des Blauen Prachtkärpflings für leichter hält als die "hohe Schule" der Aquarienfischzucht, die Diskuszucht, die ihm schließlich auch jahrzehntelang gelungen ist.

"Erfahrenen Aquarianern stellt sich die Nachzucht der Prachtkärpflinge recht einfach dar: Ausgesuchte Zuchttiere setze ich in ein mit Torfboden ausgestattetes Aquarium. Nach dem Ablaichen entnehme ich den Torfboden, drücke das Wasser vorsichtig aus und verwahre den Torf in feuchtem Zustand. Nach etwa acht Wochen bringe ich den Torf wieder in ein Aquarium und gebe Frischwasser hinzu. Und nach drei bis vier Stunden schlüpfen die ersten Jungfische, nur zwei Millimeter groß", erklärt Schäfer.

Des Wunders damit noch nicht genug: Mit verschiedenen Mitteln kann der Hobbyzüchter sogar die Geschlechterverteilung unter den bis zu 100 Jungtieren beeinflussen: "Die übliche Geschlechterverteilung beträgt 70 Prozent Männchen und 30 Prozent Weibchen, da die farbenprächtigeren Männchen in der Natur öfter Fressfeinden zum Opfer fallen. Wenn ich aber dem Torf hartes Wasser zugebe, entwickeln sich mehr Weibchen. Und wenn ich zwei Jungtiere von den anderen separiere, entwickeln sich aus den beiden meist ein Männchen und ein Weibchen", schmunzelt Schäfer über solch verblüffende Züchtertricks.

"Es ist schade, dass der Blaue Prachtkärpfling den Ruf der Kurzlebigkeit hat: Das gilt zwar wegen der Trockenzeit in der Natur, nicht aber im Aquarium, wo die Tiere bis zu fünf Jahre leben. Die Art ist hart im Nehmen, man kann sie leicht bei Zimmertemperaturen in Süßwasser halten. Auch der Zuchtablauf ist nicht so kompliziert", wirbt Schäfer für mehr Fans und Halter des farbenprächtigen Zierfisches.

Er selbst war schon als Kind vom Treiben im Wasser fasziniert: "Ich habe Karauschen und Rotaugen geangelt und in der Wassertonne gehalten", erinnert er sich. Mit Ehefrau Erika ist er an eine Gleichgesinnte geraten, mit der er auch das erste eigene Aquarium einrichtete. "Unser erster Diskusfisch ist uns damals sehr ans Herz gewachsen. Und später ein Rochen", nennt Erika Schäfer ihre Lieblinge aus vielen Jahren Aquarienfischzucht.