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Aus Bornheim und Wesseling: Bürger-Initiativen radelten gegen die Rheinspange 553

Aus Bornheim und Wesseling : Bürger-Initiativen radelten gegen die Rheinspange 553

Die Bürgerinitiativen Wesseling und Bornheim fordern erneut die Absage eines Autobahn-Neubaus in der Region Köln-Bonn. Gemeinsam informierten sie auf einer Radrundfahrt über die Auswirkungen der möglichen Trassen.

Nein zur Rheinspange! Ja zur Nulllösung: Die gleichnamige, im Mai gegründete Bürgerinitiative aus Widdig, die Urfelder Initiativen „Bürgerverein“ und „Interessengemeinschaft Waldsiedlung“ sowie der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Bornheim machten sich per Rad auf den Weg, um die unterschiedlichen Trassenführungen zur geplanten Rheinspange 553 in Widdig und Urfeld (W2, W3 und W4) abzufahren. An neuralgischen Punkten wurden die Auswirkungen für Mensch und Natur erläutert. Wie zum Beispiel in Urfeld, wo für die Varianten W2 und W3 insgesamt 20 Häuser dem Autobahnbau weichen müssten.

Wohnhäuser müssten weichen

Während des Fahrwegs entlang der Trassen W2 und W3 wurde den Teilnehmern die Nähe der Autobahn zum Wohngebiet mit der zu erwartenden Lärm- und Abgasbelastung sowie Abschattung erst so richtig bewusst. Wohnhäuser, die bei W2 (sechs Häuser und ein Kindergarten) und W3 (14 Wohnhäuser inklusive Kindergarten) abgerissen würden, wurden von den Radlern mit ebenso großer Betroffenheit zur Kenntnis genommen wie der umfangreiche Flächenverbrauch der Brücken- und Tunnellösungen sowie die neu von Wesseling nach Süden Richtung Widdig verschobene Autobahn-Anschlussstelle.

Die Route führte vorbei am Wasserwerk Urfeld-Hersel, dessen Trinkwassergewinnung durch den Trassenbau laut Gutachten gefährdet sei, und abschließend zur Tunnelvariante W4 und Widdig. Diese weist zwar relativ wenig Flächenverbrauch aus, hinterließ aber bei den Teilnehmern aufgrund notwendiger Bohrarbeiten, des Verlaufs des Tunnels durch die Trinkwasserschutzzone und möglicher Bergschäden bei untertunnelten Häusern Fragen und Sorgen, sagt Norbert Kemmer von der Widdiger Bürgerinitiative.

Autobahnquerspange als „notwendiger Bedarf“

Seit Jahren ist der Bau einer Brücke oder eines Tunnels Thema bei Politik und Bürgern an der Rheinschiene. Ziel der Rheinquerung ist es, den Ballungsraum Köln-Bonn verkehrlich zu entlasten. So stufte der Bundesverkehrswegeplan 2016 eine Autobahnquerspange (A 553) zwischen der A 59 und der A 555 zwischen Köln und Bonn als „vordringlichen Bedarf“ ein. Aktuell werden in einer Vorplanung zwölf Varianten in den Bereichen Verkehr, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit unter die Lupe genommen. Zur Jahreswende 2021/22 sollen die Ergebnisse vorliegen.

Eines steht bei den bisherigen Überlegungen jedoch jetzt schon fest: Eine Nulllösung, das heißt überhaupt kein Bauwerk für den Autoverkehr, steht nicht zur Diskussion. Aber genau diese Lösung fordern nicht wenige Bürger am Rhein. „Wir wollen die Verkehrswende einleiten. Da ist der Bau einer Autobahn kontraproduktiv. Stattdessen muss der ÖPNV attraktiver gemacht werden“, meint Kemmer.

Projekt steht Klimawende entgegen

Er hat klare Vorstellungen, wie er die eingesparten Mittel investieren würde. So wären eine Verbesserung des ÖPNV mit verdichtetem Takt und günstigem Tarifsystem, der Bau einer rechtsrheinischen Stadtbahn sowie eine Kombi aus Bahn-, Rad- und Fußgängerbrücke über den Rhein nicht nur umwelt- und klimafreundlich, sondern auch der Weg in die Zukunft. Denn die Pläne seien bei einer im Rahmen des Klimawandels notwendigen Verkehrswende nicht mehr zeitgemäß. Der Güterverkehr müsse wieder auf die Schiene gebracht werden. „Wir erleben jetzt die Folgen einer verfehlten Bahn-Politik in den 90er Jahren, als immer mehr Schienen stillgelegt wurden. Das muss rückgängig gemacht werden“, so Kemmer. Auch für Bornheims ADFC-Sprecher Stefan Wicht gehört der Güterverkehr längst auf die Schiene. Seine Forderung: „Die Bundesregierung müsste solche Projekte verbessern.“

Der Urfelder Mitstreiter Hinrich Doering hält die gesamte Planung und Umsetzung ebenfalls für Unsinn. Aus verkehrlicher Sicht mache solch ein Bau nur Sinn, wenn „der Verkehr entsprechend abfließen könne, wie dies bei Variante W1 in Godorf der Fall sei. Da ist die Verbindung zur 553 gegeben“. In seiner Stadt sei besonders das Viertel Waldsiedlung betroffen, wo mehrere Häuser abgerissen werden müssten. Genauso wie in Niederkassel. „Dabei werden sich das Mobilitätsgeschehen und der Individualverkehr sowohl durch den technischen Fortschritt als auch durch regulierende Maßnahmen in Zukunft deutlich verändern. Die neue Autobahn ist daher unverantwortlich gegenüber den nachfolgenden Generationen und nicht verhältnismäßig zum erwarteten Nutzen“, sagt Kemmer.