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Urkunde von 1250: Das älteste Dokument des Herseler Pfarrarchivs geht nach Köln

Urkunde von 1250 : Das älteste Dokument des Herseler Pfarrarchivs geht nach Köln

Der Kirchenvorstand überreichte gestern das älteste Dokument des Pfarrarchivs an Experten des Erzbistums. Dort soll die Urkunde von 1250 sicher aufbewahrt. Der Vertrag zeigt Parallelen zwischen der damaligen und der heutigen Pfarrei.

„Diese Urkunde ist ein großer Schatz, eine Identifikation der Pfarrei“, sagt Ulrich Helbach in der Pfarrkirche St. Aegidius Hersel. Vorsichtig berührt der Archivdirektor des Erzbischöflichen Archivs Köln das 25 mal 25 Zentimeter große Pergament mit den Siegeln der Vertragspartner aus dem Jahre 1250, dass die Besetzung der Pfarrstelle in Hersel durch einen Klosterbruder der Abtei Rode (Klosterrath/Rolduc) vertraglich regelt.

Es ist das älteste Dokument des Pfarrarchivs Aegidius Hersel, das am Mittwoch der Kirchenvorstand dem Kölner Archiv zur Aufbewahrung überreichte, um „es gegen Beschädigung, Diebstahl und Brand zu schützen“, erklärten der stellvertretende geschäftsführende Vorsitzende Johannes Saß sowie Kirchenvorstandsmitglied Bernhard Kless. Bis vor acht Jahren hatte die Urkunde jahrzehntelang in einem Bilderrahmen im Vorzimmer des Pfarrers im Pfarrhaus gehangen, dann wurde das Herseler Pfarrarchiv auf den neuesten Stand gebracht und im Laufe der Jahre nahm die Idee einer Auslagerung ins Kölner Archiv immer mehr Gestalt an, zumal die Herseler Pfarrgemeinde – das war ihr besonders wichtig – weiterhin Eigentümerin der historischen Rarität bleibt.

Die Urkunde ist ein Vertrag zwischen dem Propst Gottfried vom Bonner Kapitel sowie den Augustiner-Chorherren der Abtei Klosterrath im niederländischen Limburg. Als Mitunterzeichner der Urkunde siegelte auch der seinerzeitige Erzbischof Konrad, dessen Bezeichnung als Legat von Rom seine Funktion als Schlichter in einem vorhergegangenen Streit um die Herseler Pfarrstelle verdeutlicht. Schon seit langem stellten damals die Augustiner Chorherren den Pfarrer. Seitdem in Hersel im 12. Jahrhundert ein Oratorium (Bethaus) gebaut worden war – das Grundstück gehörte dem Bonner Cassiusstift – ließen sich dort Augustiner-Chorherren nieder und kümmerten sich um die Seelsorge.

Hohe Abgaben für den Pfarrer

Wann welche Zwistigkeiten entstanden sind, ist ungewiss, aber in dem Dokument von 1250 – übersetzt von Pfarrer Heinrich Weertz 1945 – wird festgehalten, dass „diese Kirche (Hersel) ungerechtfertigt durch eine andere Kirche desselben Ordens gewaltsam okkupiert“ worden sei. Um weiteren Streit zu vermeiden, sind die Ausführungen über die künftige Pfarrstelle unmissverständlich. So schlägt der Abt von Rode dem Bonner Propst einen Kanoniker vor, der akzeptiert und investiert (eingesetzt und eingeführt) wird.

Die zu zahlenden Abgaben waren dabei für den künftigen Pfarrer recht hoch: ein Karat Wein sowie bei schlechter Qualität zwei Mark und ein Goldstück im „Werte von zwölf gebräuchlichen Münzen“. Außerdem sollen in Hersel regelmäßige Exequien für die Bonner Geistlichen gehalten werden. Und für die Menschen von damals stand fest, dass die Übereinkünfte für die Ewigkeit gelten – ein Ansinnen, dass fast gelungen wäre.

700 Jahre bis zur Säkularisation 1802 schickten die Chorherren ihre Kanoniker an den Rhein – eine enge Verbindung, die zu einem nicht geringen Teil auf dem wirtschaftlichen Interesse Klosterraths am Weinanbau basierte. Für Saß ist der Inhalt der Urkunde ausgesprochen aktuell, da er auch den pastoralen Zukunftsweg betreffe. „Schon damals bewies Hersel Eigenständigkeit. Auch wir legen Wert darauf, unsere Selbstständigkeit zu behalten.“ Deshalb hat der Kirchenvorstand in einem Schreiben ans Erzbistum auch noch einmal darauf hingewiesen, dass „kirchliches Leben rund um den Kirchturm stattfindet und nicht per Anordnung zentralisiert werden könne“.