Der Klang der Heimat Das bedeuten Kirchenglocken für die Region

Bornheim · Morgens, mittags und abends rufen Kirchenglocken zum Gebet und manchmal auch zum Essen. Viele Menschen empfinden das regelmäßige Läuten als unverzichtbares Element ihres Alltages.

 Die alte evangelische Kirche Bornheim von innen.

Die alte evangelische Kirche Bornheim von innen.

Foto: Jörg Manhold

Glockenklang – Klang der Heimat? Für viele Menschen ist das so. Wenn sie morgens (Laudes), mittags (Sext) und abends (Vesper) die Kirchenglocken schlagen hören, dann fühlen sie sich zu Hause. Es ist eine Mischung aus Orientiertheit und Sentimentalität, denn Glockengeläut kennen die meisten seit frühester Kindheit. Und wer sich mit der Läuteordnung auskennt, der weiß, wie viel Uhr es ist, ob Gottesdienst ist oder jemand beerdigt wird.

Ähnlich, wie mit Wilhelm Buschs Zitat „Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden“, verhält es sich auch mit Glockengeläut: Es gibt Menschen, die sich davon gestört fühlen, die meisten sehen das allerdings gelassen. Das freut Küster Guido Pohl. Er ist in der Vorgebirgsstadt Bornheim für die evangelische Kirche zuständig.

Und weil er ein bisschen Schwierigkeiten mit der Höhe hat und deshalb ungern in den Glockenturm klettert, ist er dankbar, dass er das Geläut elektrisch aus der Sakristei der alten Kirche in Gang setzen kann. Die Läutemaschine, wie sie heute dasteht, ist seit rund 20 Jahren im Einsatz. Man drückt auf den Knopf, und je nach Kombination setzen sich eine oder mehrere der insgesamt drei Glocken in Gang (siehe Läuteordnung).

Drei Mal am Tag Läuten ist auch in den katholischen Gotteshäusern Standard. In Zeiten, als die Armbanduhr noch nicht jedermanns Sache war und das Zwölf-Uhr-Läuten den Bauern auf dem Feld signalisierte, dass das Mittagsessen fertig ist, war der Klang vom Kirchturm von weit größerer Bedeutung als heute. Dennoch orientieren sich viele Menschen auch heute noch daran.

So etwa Elisabeth Kupper aus Hemmerich. Dort läutet es um sechs, 11.30 und 18 Uhr. Und jeden Freitag um 15 Uhr erklingt die Sterbeglocke Jesu. „Das stört mich überhaupt nicht, im Gegenteil, ich weiß dann, wie spät es ist.“ Olga Weber aus Swisttal-Heimerzheim misst der Kirchenglocke keinerlei Bedeutung bei. Allerdings fühlt sie sich auch nicht gestört.

Glocken riefen früher zu Tisch

Beste Erinnerungen verbindet Heinz Cremer aus Bornheim mit dem Glockenklang. Er kann sich noch gut erinnern, dass das Läuten mittags zu Tisch rief. „Ich höre das sehr gerne“, sagt er. Er würde es bedauern, wenn man auf den Gedanken käme, mit dieser Tradition zu brechen. Auf diese Weise bekomme man auch noch weitere Informationen, etwa, wann eine Beerdigung stattfindet.

Und dann gibt es noch eine katholische Spezialität. „Am Mittwoch läuten um 8.45 Uhr die Glocken und rufen zur Möhnenmesse“, so Cremer. Das ist die traditionelle Frauenmesse, bei der der weibliche Teil der Pfarrgemeinde unter sich bleibt. Das findet mancherorts nur vier Mal im Jahr statt, in Siegburg gibt es dieses Treffen am Mittwoch vor Weiberfastnacht. Das Tageszeitenläuten ist ursprünglich auf das Gebetsläuten der Klöster zurückzuführen und wird im Katholischen auch Angelusläuten genannt. Bei den evangelischen Christen ist dies grundsätzlich das Vaterunserläuten.

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