Dorfgemeinschaft Sechtem Wie die Sechtemer ohne Kneipe auskommen

Bornheim-Sechtem · In Sechtem fehlt eine Kneipe. Der Verein „Offenes Dorfgemeinschaftshaus" hat eine Lösung gefunden.

Am Zapfhahn: Die Vorsitzenden des Vereins Gemeinschaftshaus Sechtem e.V., Oliver Wirtz (l.) und Daniel Bockshecker.

Am Zapfhahn: Die Vorsitzenden des Vereins Gemeinschaftshaus Sechtem e.V., Oliver Wirtz (l.) und Daniel Bockshecker.

Foto: Petra Reuter

Mit seinem Anstrich ist das „Blaue Haus“ an der Ottostraße im Sechtemer Gewerbegebiet ein echter Hingucker. Das rechteckige Holzhaus war bis Juni 2023 Vereinsheim des Tambourcorps Rheinperle 1923, wurde allerdings auch zugleich als Veranstaltungsraum fürs Dorf genutzt. Denn seit Jahren gibt es für die 5300 Einwohner keine Kneipe und keine Gastwirtschaft mehr.

Eine Art Ersatz bot sich da das „Blaue Haus“ an. Das Tambourcorps veranstaltete nämlich jahrelang am ersten Freitag eines Monats einen offenen Treff für alle Sechtemer. Kurz vor dem 100. Geburtstag im Juni 2023 kam für den Musikverein das Aus. Die Dorfgemeinschaft mit ihren Ortsvereinen übernahm das Gebäude. Die Zukunft des Freitagstreffs blieb allerdings zunächst ungewiss.

Das wollten 21 engagierte Bürger nicht hinnehmen. Sie gründeten im August den Verein „Offenes Gemeinschaftshaus Sechtem“, um für das Dorf „einen Ort der Begegnung zu erhalten“, stellte der stellvertretende Vorsitzende Oliver Wirtz fest. Das Konzept ist aufgegangen, die Resonanz groß. So haben Wirtz und seine Mitstreiter in den vergangenen vier Monaten bereits 1750 Euro Gewinn erwirtschaftet.

Gewinn geht an örtliche Einrichtungen

Geld, das sie unter dem Motto „Alle für einen guten Zweck“ den örtlichen Einrichtungen zur Verfügung stellen wie Wirtz erläutert. So gehen je 350 Euro an die Kindertageseinrichtungen Klapperschuh, Wolfsburg, Sankt Wendelinus und Arche sowie an die Wendelinus-Grundschule und damit ausschließlich an Sechtemer Vereine, wie es auch in der Vereinssatzung steht, ganz nach der Devise „Vom Dorf fürs Dorf“.

Ob Jung oder Alt, Singles oder Familien – der Freitagstreff wird von Klein und Groß gleichermaßen gut angenommen. Für Kinder gibt es eine Bastelecke, die Erwachsenen sitzen zu mehreren an den Tischen, genießen Snacks und Getränke. „Es gab Senioren, die hatten Tränen in den Augen, als sie hörten, dass wir weitermachen werden“, berichtet Sylvia Wirtz.

45 Mitglieder zählt der Verein mittlerweile, für die Arbeiten an den einzelnen Freitagen gibt es genügend helfende Hände. Dienstpläne regeln die Einsätze der Ehrenamtlichen in Küche, Service, Dekoration und beim Aufbau. Das Oktoberfest mit Weißwürsten und Brezeln fand auch im Dorfgemeinschaftshaus großen Anklang.

Karnevalsparty am 2. Februar

Karnevalistisch geht es am Freitag, 2. Februar, vor dem Sechtemer Kinderkarnevalszug, 3. Februar, zu. Als Deko wird das Orgateam Luftballons und Luftschlangen besorgen, im Hintergrund laufen musikalisch jecke Ohrwürmer. Nach jedem offenen Treff geht es für die Mitglieder ans Aufräumen. Dabei helfen gelegentlich auch Gäste mit, wenn es spät geworden ist, erzählt der Vorsitzende Daniel Bockshecker.

Im Sommer stellt der Verein Tische und Bänke vor dem Haus auf, quasi ein Sechtemer Biergarten. Um eine „Freizeit-Gastwirtschaft“ betreiben zu dürfen, hat der Verein von der Stadt Bornheim eine Gaststättenkonzession erworben. Damit dürfte er theoretisch täglich oder mehrere Tage im Monat den Treff öffnen. „Derzeit läuft es super. Die Gäste kommen zahlreich. Ob das so bleiben würde bei einem zusätzlichen Tag, ist die Frage. Das können wir als Ehrenamtliche auch nicht stemmen“, macht Bockshecker deutlich.

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