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Bürgermeisterwahl : Das ist die Seniorenpolitik der Kandidaten in Bornheim

Bürgermeisterwahl : Das ist die Seniorenpolitik der Kandidaten in Bornheim

Alt und Jung vernetzen, mehr bezahlbarer Wohnraum, barrierefreier Nahverkehr: In vielem waren sich die vier Bornheimer Bürgermeisterkandidaten bei einer Podiumsdiskussion einig. Für Diskussion sorgten hingegen die Corona-Ansichten einer Kandidatin.

Der Demografiebericht der Stadt prophezeit, dass im Jahr 2030 rund ein Drittel der Bornheimer über 65 Jahre alt sein werden. „Wir sollten der Politik klarmachen, dass wir ein wichtiger Wahl-, aber auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor sind“, sagte Gabriela Knütter am Dienstagabend. Um ihrer eigenen Aufforderung nachzukommen, hatte die Vorsitzende des Seniorenbeirats die vier Bornheimer Bürgermeisterkandidaten zur Podiumsdiskussion in die Turnhalle der Johann-Wallraf-Schule geladen. Thema: die Belange der Generation ü 60.

Moderator und GA-Redakteur Christoph Meurer musste die Kandidaten auf dem Podium nur selten in ihre Schranken weisen, denn es sollte ein Abend der Zustimmung werden: Christoph Becker (parteilos), Petra Heller (CDU), Björn Reile (ABB) und Nathalie Sanchez Friedrich (parteilos) waren sich in vielen Aspekten einig. Großen Zuspruch erhielt zum Beispiel die Idee, Jüngere und Ältere stärker zusammenzubringen und dafür mehr Räume in der Stadt zu schaffen. Als Vorbild bezeichnete Heller den GFO Klostergarten in Merten, ein Quartier, in dem Wert auf die inklusive Vernetzung der Bürger gelegt wird.

Seniorenpolitik dürfe nicht nur auf Pflege reduziert werden, war ein weiterer Konsenspunkt. Die ältere Generation sei aktiv, mobil und vernetzt, sagte Becker. Sanchez Friedrich forderte mehr Möglichkeiten zur Teilhabe – ihre Tochter habe eine Behinderung und so habe sie gelernt, „wie schwer es sein kann, als Beeinträchtigter integriert zu werden“. Heller will keine spezielle Seniorenpolitik, sondern „für alle Menschen gleich denken. Wir müssen sie nicht teilhaben lassen, sie sind Teil der Gesellschaft.“

Für Belustigung bei Publikum und Kandidaten sorgte die Frage, wie Bornheim nach ihrer Amtszeit aussehen sollte. „Ich würde gerne einen bleibenden Fußabdruck hinterlassen“, sagte Reile. Dazu gehöre, umweltfreundliche, wasserstoffbetriebene Busse einzuführen. Sanchez Friedrich wünscht sich, dass danach Ethik und nicht wirtschaftliche Interessen an erster Stelle stünden. Heller plant einen ausgeglichenen Haushalt und den zweigleisigen Ausbau der Bahnlinie 18. Becker schlägt einen Beteiligungsrat und ein -büro vor, um „auf die Weisheit der vielen zu setzen“. Auch wolle er beim ADFC-Fahrradklimatest von der Note 5 auf 3 aufsteigen. Viel Applaus erhielt er für den Plan, den Heimatblick und seinen Brombeerkuchen wiederzubeleben.

Schwieriger gestalteten sich die Antworten, wie die Kandidaten bezahlbaren, seniorengerechten Wohnraum schaffen wollen. Sanchez Friedrich konnte sie spontan nicht beantworten. Reile würde den Wirtschaftsstandort Bornheim weiter ausbauen, was die Stadt attraktiver für Immobilieninvestoren machen solle. Becker und Heller würden auf eine Stadtentwicklungsgesellschaft setzen, die aktuell im Rat diskutiert wird. Becker fordert außerdem eine stadtweite Quote für geförderten Wohnraum von etwa 30 Prozent. Das sieht Heller skeptischer, denn durch eine Quote würden ihrer Meinung nach die Preise für die nicht geförderten Wohnungen steigen.

Um die Infrastruktur für Senioren zu verbessern, wollen die Kandidaten auf einen barrierefreien Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs und der Stadt setzen und versuchen, Gewerbe, Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten auch in den kleineren Ortsteilen anzusiedeln. Bei der anschließenden Fragerunde sagte ein Bürger, er komme sich „veräppelt“ vor. „Jeder Ortsteil hat bald Ärzte und Einkaufsmöglichkeiten, und in den Straßen stauen sich die umweltfreundlichen Busse.“ Die Diskussion sei ihm zu allgemein und unverbindlich gewesen.

Für Aufruhr sorgte die Frage eins Kardorfers, der wissen wollte, warum Sanchez Friedrich zur Teilnahme an der Demo gegen Corona-Maßnahmen in Berlin aufgerufen habe. Das habe sie nicht, erwiderte sie, änderte ihre Aussage aber, als ein Zuschauer lautstark von einem Videobeweis sprach. Es finde kein öffentlicher Diskurs statt, obwohl bei Bürgern Fragen offen geblieben seien, begründete sie und betonte mehrfach: „Corona hat nichts mit Kommunalpolitik zu tun.“