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Gedenken an die Pogromnacht: „Das Schicksal der Menschen hat uns schon sehr berührt“

Gedenken an die Pogromnacht : „Das Schicksal der Menschen hat uns schon sehr berührt“

Bornheimer Jugendliche erinnern im Rathaus und im Innenhof mit Texten, Hörcollagen, Videoinstallationen und mehr an Ausgrenzung und Verfolgung im Jahr 1938 und heute.

In Bornheim war es der 10. November 1938, als jüdische Wohnungen und Geschäfte demoliert und verwüstet wurden und die Synagoge in Flammen stand. Eine Nacht zuvor brannten sämtliche Synagogen im damaligen Deutschen Reich. Zum Gedenken an die Gräueltaten der Pogromnacht vor 78 Jahren lud die Stadt am Donnerstag unter dem Motto „Erinnern für heute und morgen“ ins Rathaus und in den Innenhof ein.

Sehr persönlich

Es war eine etwas andere Gedenkveranstaltung als in den vergangenen fünf Jahren, präsentierten doch 120 junge Bornheimer zwischen zwölf und 18 Jahren nicht nur ihre Recherchearbeiten zum Schicksal jüdischer Bürger von einst, sondern sie zeigten in Texten, Hörcollagen, Videoinstallationen, Musik und szenischen Darstellungen auch die Grausamkeit von Ausgrenzung und Verfolgung. Es waren sehr persönliche Darbietungen, die die rund 250 Besucher in der Bürgerhalle und im Ratssaal erlebten.

Die Gedenkveranstaltung war Teil des Jugend-Migrationsprojektes „Jede Jeck es anders“. Gemeinsam mit Julia Tomkins und Katja Cîmpean von der Jugendpflege und dem Jugendamt der Stadt Bornheim hatte sich Elisabeth Pleß vom Kölner Netzwerk für Darstellende und Bildende Kunst „Drangwerk“ mit den Jugendlichen seit dem Sommer in den Bereichen Darstellung, Technik, Bildhauerei, Recherchen und Kostüme auf den Abend vorbereitet.

Janette, Michelle und Berit (alle 13 Jahre), Schülerinnen der Heinrich-Böll-Sekundarschule, hatten sich in ihrem Kurs „Darstellen und Gestalten“ beispielsweise mit dem Thema „Ausgrenzung und Fragen“ beschäftigt. „Das Schicksal der Menschen damals hat uns schon sehr berührt“, zeigten sich die drei betroffen. Klassenkameraden von ihnen spielten und sangen Klezmermusik.

Wiederum andere hatten mit dem Bildhauer Martin Langer aus Gips Negativreliefs von Porträts jüdischer Bürger wie solche der aus Roisdorf stammenden Familie Loeb sowie jüdische Symbole gefertigt.

Mucksmäuschenstill

Mucksmäuschenstill wurde es im Rathausfoyer, als aus dem Off Stimmen ertönten, die sich an den 10. November in Roisdorf erinnerten. Jugendliche der kleinen offenen Tür Roisdorf „Der Turm“ spielten Interviews mit Besuchern des Seniorentreffs Sankt Sebastian Roisdorf ab. „Abends war der Martinszug. Und danach stand meine Mutter da: Es ist was los in Roisdorf“, erzählte eine Seniorin.

An einer Litfaßsäule waren Plakate mit Hetzparolen aus der Nazizeitung „Der Stürmer“ und zu rassistischen Übergriffen von heute zu lesen. Und Europaschüler regten mit selbst geschriebenen Texten zum Nachdenken an. „Mit der Deportation jüdischer Bürger 1941 gab es an Rhein und Vorgebirge kein jüdisches Leben mehr. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns heute erinnern“, betonte Bürgermeister Wolfgang Henseler.