Demonstration für Demokratie 1500 Menschen gehen in Bornheim gegen rechts auf die Straße

Bornheim-Kardorf · Rund 1500 Personen folgten in Bornheim dem Aufruf zur Demonstration unter dem Motto: „Zusammen für Demokratie“. Dass sie sich dabei in Kardorf und nicht in Bornheim selbst trafen, hatte einen guten Grund.

Rund 1500 Menschen, so die Schätzungen der Polizei, sind dem Aufruf zur Demo gegen Rechts in Kardorf gefolgt.

Rund 1500 Menschen, so die Schätzungen der Polizei, sind dem Aufruf zur Demo gegen Rechts in Kardorf gefolgt.

Foto: Stefan Knopp

Die Sorgen sind knapp zusammengefasst: „Die sind überall“, sagte Silke Roitzheim, eine von zahlreichen Teilnehmenden bei der Demonstration „Zusammen für Demokratie" in Bornheim-Kardorf am Sonntagnachmittag besuchte. Sie meinte damit Videos mit völkischem oder rechtsradikalem Hintergrund in den sozialen Medien. Die AfD sei mit ihrer Jugend- und Medienarbeit leider effektiver als andere Parteien, bedauerte sie. Ihre Forderung: „Die Medien müssen noch viel genauer auf die Fallstricke aufmerksam machen.“ Weil Schulen damit überfordert seien, sei es Aufgabe von Familie und Gesellschaft, die Kinder vor demokratiefeindlichen Botschaften zu schützen.

Plakate verkünden „bunt statt braun“

 Klare Kante gegen rechts: Demonstranten in Bornheim.

Klare Kante gegen rechts: Demonstranten in Bornheim.

Foto: Stefan Knopp

Roitzheim hatte Flugblätter mit einem Motiv aus den 80ern und dem Aufruf „Nie wieder Faschismus“ mitgebracht und verteilte sie an die vielen Leute, die sich im Lauf des Nachmittags am Veranstaltungsort einfanden. Viele hatten auch Schilder mitgebracht: „AfD-freie Zone Vorgebirge“ las man da, „bunt statt braun“ und viele Statements für Menschenrechte und Demokratie. Laut Polizei könnten es am Ende 1500 gewesen sein. Was den Organisatoren sehr recht war, die 300 Teilnehmer angemeldet hatten. Die Demo kam auf Initiative des Kardorfers Philipp Münch zustande, der dafür Gerhard Thusek vom Kirchenvorstand Sankt Joseph Kardorf, Christane Horn vom Pfarrgemeinderat des Seelsorgebereichs Bornheim Vorgebirge und Thomas Greupel vom Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Vorgebirge ins Boot holte. Münch wollte so etwas gegen Fremdenfeindlichkeit, Hass und Hetze von Rechts tun und dafür beide Kirchen einbinden. „Wir wollen keine Spaltung, sondern zusammenführen“, sagt er.

Hinzu kam aber auch, dass es in vielen anderen Vorgebirgskommunen schon Demos gegeben hat, in Bornheim aber noch nicht. Als Schauplatz suchte man sich den Dorfplatz in Kardorf aus, auf dem auch viele Veranstaltungen stattfinden. Warum nicht einen zentraleren Ort wie den Peter-Fryns-Platz in Bornheim? Zum einen, weil die Organisatoren in Kardorf wohnen, erklärte Thusek. „Und das ist der größte Platz in Bornheim.“ Logistisch gut gelegen: Bus- und Bahnhaltestellen in der Nähe, beim nahen Discounter ein großer Parkplatz. „Und hier hatten wir die wenigste Arbeit. Wir mussten keine Straßensperrungen organisieren.“ So viele Leute wie dorthin kamen, hätten im Bornheimer Zentrum vielleicht gar keinen Platz gehabt.

 Einige Demo-Teilnehmer haben kreative Schilder mit nach Kardorf gebracht.

Einige Demo-Teilnehmer haben kreative Schilder mit nach Kardorf gebracht.

Foto: Stefan Knopp

Flammende Verteidigung der Demokratie

Es gab Musik, unter anderem spielte der neunjährige Amon Deeb aus Alfter Trompete. Bruno Schrage moderierte unter anderem Bürgermeister Christoph Becker an, der flammend die Demokratie verteidigte: „Es kann keine Toleranz für völkische, nationalsozialistische Propaganda geben!“ Jetzt müsse man Zivilcourage beweisen, nicht nur mit Demonstrationen, sondern mit Widerstand gegen Hass und Hetze. Geupel sprach für evangelische und katholische Christen gleichermaßen und es gab weitere Interviews. Die Organisatoren riefen auch dazu auf, wählen zu gehen, sich in der Gesellschaft zu engagieren und Fremdenhass zu widersprechen. Alle Generationen müssten die Demokratie verteidigen.

„Meine Kinder wissen, was ein Nazi ist“, sagte Roitzheim. „Und sie kennen die negativen Begleiterscheinungen.“ Sie freute sich, dass derzeit so viele Menschen gegen rechts aufstehen. Dazu zählten auch Marvin (15) und Ali (16) von der Heinrich-Böll-Gesamtschule. Sie waren dem Aufruf der Schule gefolgt. „Es ist wichtig, dass auch wir in unserem Alter uns engagieren“, sagte Marvin. „Wir sind die nächste Generation.“ Beide wollen auf jeden Fall wählen gehen: Marvin, sobald er alt genug ist, Ali, sobald er den deutschen Pass hat.

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