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Holocaust-Überlebender im Bornheimer Gymnasium: Die Flucht trennte Eltern und Kinder

Holocaust-Überlebender im Bornheimer Gymnasium : Die Flucht trennte Eltern und Kinder

Der Holocaust-Überlebende Bernd Koschland berichtet als Zeitzeuge im Bornheimer Gymnasium.

9. November 1938: In Deutschland brennen die Synagogen. Der Nazi-Terror gegen Juden wird immer brutaler. In Fürth wird der achtjährige Bernd Koschland mit seiner älteren Schwester und den Eltern aus der Wohnung gezerrt und muss mit ansehen, wie Bücher jüdischer Autoren und das jüdische Gotteshaus in Flammen aufgehen. Wenig später, im März 1939, erreicht der kleine Junge mit Hunderten anderer jüdischer Kinder die englische Stadt Southampton: Seine Eltern sahen keinen anderen Ausweg, als ihren Sohn und wenig später auch die Tochter mit dem sogenannten "Kindertransport" aus Deutschland herauszubringen. Das Versprechen "Wir werden uns bald wiedersehen" konnten die Eltern nicht einlösen: Sie starben 1942 in Litauen.

Über seine Rettung vor dem Holocaust und sein weiteres Leben sprach der heute 84-jährige Bernd Koschland im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium in Bornheim. Auf Einladung des Englisch- und Erdkunde-Lehrers Rudi Dopstadt ist er mit seiner Lebensgefährtin noch bis heute in Bornheim zu Gast.

"Der Kontakt zu Bernd Koschland entstand im Zuge der letzten beiden Austauschfahrten der Schule nach London, wo er zu den beteiligten englischen und deutschen Jugendlichen sprach", erläuterte Dopstadt. Die Einladung, nach Bornheim zu kommen, habe er sofort angenommen. Und die Begegnung mit dem Zeitzeugen gewann angesichts der vielen Flüchtlinge, die derzeit in unserem Land Schutz suchen, noch mehr Aktualität.

So besuchte der pensionierte Lehrer und Rabbiner, der nach seiner Flucht erstmals im Jahr 2000 wieder deutschen Boden betrat, die Notunterkunft in der Turnhalle der Bornheimer Johann-Wallraf-Schule und sprach mit Flüchtlingen. Eindringlich schilderte der Vater eines Sohnes und einer Tochter in seinem Vortrag die Trauer, von den Eltern getrennt zu sein. "Was muss das für ein Gefühl sein, seine Kinder wegschicken zu müssen?", frage er sich heute; er wisse nicht, ob er ebenso gehandelt hätte. "Verstanden habe ich die Situation damals nicht", berichtet er. "Aber ich habe gespürt, dass wir in Gefahr waren."

Zufällig stieß Koschland im Museum Yad Vashem vor einigen Jahren auf ein Foto, auf dem sein Vater als KZ-Häftling zu sehen war. Ein Gebetbuch mit der Widmung des Vaters begleitet ihn noch heute. Fotos, Bücher, ein paar handgeschriebene Zeilen - mehr blieb ihm nicht von seinen Eltern.

Auch 20 Jahre nach seiner Pensionierung engagiert sich Koschland: Bis vor kurzem arbeitete er im multireligiösen Rat in Nord-London, aktuell ist er als jüdischer Seelsorger in einem Krankenhaus und im Holocaust Memorial Day Trust aktiv. Überzeugt ist er, dass Geschichten wie die seine erzählt werden müssen, damit die kommenden Generationen sie nicht vergessen. Mit Blick auf die aktuellen Krisenherde der Welt hält er es allerdings mit dem Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel: "Aus der Geschichte der Völker können wir lernen, dass die Völker aus der Geschichte nichts gelernt haben."