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Dominik Pinsdorf ist seit einem halben Jahr Ortsvorsteher von Bornheim

Jüngster Ortsvorsteher von Bornheim : Dominik Pinsdorf will ein Brückenbauer sein

Dominik Pinsdorf ist mit 27 Jahren der jüngste Ortsvorsteher in der Stadtgeschichte Bornheims. Oftmals der Jüngste zu sein, ist für ihn keine Seltenheit.

Unbedingt wolle er Straßenbahnfahrer werden, sagte der damals sechsjährige Dominik Behr der Magdeburger Tageszeitung „Volksstimme“. Ein Schwarzweißbild zeigte ihn im Führerstand einer historischen Bahn, wie er gerade einem Dreijährigen fachmännisch erklärt, wie man die Bahn in Gang setzt. Etwas mehr als zwei Jahrzehnte später sitzt der nun 27-Jährige Dominik Pinsdorf auf seinem Balkon an der Bornheimer Secundastraße und wird einen Tag später als Lokomotivführer einen Containerzug der Schweizer Bundesbahnen (SBB), der nach Rotterdam unterwegs ist, auf dem Abschnitt zwischen Koblenz und Köln fahren.

Längst hat Pinsdorf seinen Kindertraum in die Tat umgesetzt. Seit 2014 ist er Lokführer und Ausbilder. In seiner neuen Position als Teamleiter im Sicherheitsmanagement der SBB ist er verpflichtet, noch 100 Stunden Fahrpraxis im Jahr nachzuweisen, um seine Lokführer-Lizenz nicht zu verlieren. Das Lokfahren kommt für ihn einer Erholung gleich, sagt er: „Wo andere meditieren, fahre ich Eisenbahn.“ Wenn heute der Stress im Beruf groß ist, bucht er sich in eine freie Schicht ein und fährt manchmal einen Zug quer durch Deutschland.

Dominik Pinsdorf wird mit 25 Teamleiter

Pinsdorf war erst 25 Jahre alt, als er bereits ein Team von 60 erfahrenen Lokführern leitete. „Ich bin froh, dass mein Arbeitgeber schon früh davon überzeugt war, dass ich das kann“, sagt er. Oftmals der Jüngste zu sein, ist für Pinsdorf keine Seltenheit: Egal, ob als vermutlich jüngster Straßenbahnfahrer in seiner Geburtsstadt Magdeburg, als jüngster Vorsitzender in der Geschichte des Bornheimer Stadtjugendrings, als jüngster ehrenamtlicher Schöffe am Bonner Amtsgericht und nun auch noch seit etwas mehr als einem halben Jahr als jüngster Ortsvorsteher in der Stadtgeschichte Bornheims.

Dominik Pinsdorf ist seit einem halben Jahr Ortsvorsteher von Bornheim
Foto: Repro: Stefan Hermes

Einstimmig wählte der Stadtrat den parteilosen Pinsdorf zum Ortsvorsteher für Bornheim Ort und vereidigte ihn zudem als Ehrenbeamter. Mit Brief und Siegel. Letzteres hütet er mit Stolz und Respekt. „Das fühlt sich noch jeden Tag sehr unwirklich an“, freut sich Pinsdorf über das Vertrauen, dass er sich in den letzten zehn Jahren in Bornheim erarbeitet hat. Egal ob als verkleideter Nikolaus auf dem Peter-Fryns-Platz, als Zeitschenker am „Senioren-Telefon mit Herz“ des Stadtjugendrings oder als Ansprechpartner beim täglichen Sparziergang im Ort sowie als Schirmherr einer Carsharing-Initiative in Bornheim.

Brücken zur Verwaltung

„Die Bornheimer haben keine Vorbehalte gegen einen jungen 27-jährigen Ortsvorsteher gehabt“, freut er sich. Das Gegenteil sei der Fall. Er danke den vielen Bürgerinnen und Bürgern, die ihn darin bestärkten, als Brückenbauer zwischen ihnen und der Verwaltung tätig zu sein. Verantwortung zu übernehmen, scheint ihm in die Wiege gelegt worden zu sein.

Die schlechten Erinnerungen an den Vater, den er bis zu seiner Einschulung in Magdeburg erlebt hatte, veranlassten ihn 2010, nach der erneuten Heirat seiner Mutter Ines mit dem Bornheimer Peter Pinsdorf, auch dessen Namen anzunehmen. Als einziger „Mann“ zwischen Mutter, Schwester und Großmutter war er schon früh mit der Ernsthaftigkeit des Lebens konfrontiert. „Der Junge will nicht auf den Spielplatz, der will nur Straßenbahn fahren“, sagte schon damals seine Großmutter Hella Schwenckenbecher (84), die seit zwei Jahren auch in Bornheim lebt. Ihr Enkel freut sich schon darauf, ihr im Sommer als Ortsvorsteher zu ihrem 85. Geburtstag die offiziellen Glückwünsche der Stadt Bornheim zu überbringen.

Gast bei Bettina Böttinger

Pinsdorf, dem als Grundschüler in Magdeburg noch die Empfehlung zur Hauptschule ausgesprochen wurde, sieht zufrieden auf das bis heute Erreichte. Als er 2011 die Europaschule in Bornheim mit der Mittleren Reife verließ, hätte er auch noch das Abitur schaffen können. „Doch ich wollte etwas Praktisches tun“, sagt er. Er wollte und ging zur Bahn. „Inzwischen habe ich zeigen können, dass man auch über den Zweiten Bildungsweg etwas erreichen kann.“

Mit diesem Wissen saß er auch schon im Fernsehen, wo er sich bei Bettina Böttinger in einer Sendung über den Fachkräftemangel in Deutschland gegen das Credo wehrte, dass man Erfolg nur mit Abitur oder Studium haben könne. Pinsdorf hofft – nicht nur als Vorsitzender des Stadtjugendrings, der er zudem immer noch ist – auch mit dem wichtigen (Ehren-)Amt des Ortsvorstehers weiterhin junge Menschen zu motivieren, sich für die Gesellschaft zu engagieren.

Freie Wahlen nicht selbstverständlich

Sie sollten sich über Bewegungen wie Fridays for Future hinaus mit einer Kontinuität für die politischen Belange im eigenen Umfeld engagieren. Ihn habe die eigene Familiengeschichte geprägt. Für seine Familie seien freie Wahlen nicht immer selbstverständlich gewesen. Seine Mutter und seine Großmutter durften 1990 nach dem Fall der Mauer das erste Mal frei wählen. „Für jemanden, der wie ich 1993 geboren ist, sind freie Wahlen erst einmal selbstverständlich, aber wenn man dann hört, was in der eigenen Familie passiert ist, dann sage ich mir, dass das ein Privileg ist, und das möchte ich den jungen Menschen vermitteln und sagen: Ihr könnt euch einmischen.“

Nun geht er mit gutem Beispiel voran, was man wörtlich nehmen: Fast täglich ist Pinsdorf in den Straßen Bornheims zu sehen und ansprechbar. Auf den 40-Stunden-Job für die SBB lege er pro Woche noch einmal 40 Stunden für seine Ehrenämter obendrauf, sagt er. Er freut sich schon auf den nun bevorstehenden zweiwöchigen Urlaub, in dem er rund um die Uhr Zeit für die Weiterentwicklung seiner Ideen und der Vertiefung seines Netzwerks haben wird. Unter anderem wird er sich in Berlin mit Gregor Gysi treffen, den er neben vielen anderen hochkarätigen Politikern bereits nach Bornheim geholt hatte. Dessen Authentizität und Eloquenz ist für ihn vorbildhaft.

Wer Bornheims Ortsvorsteher Pinsdorf kontaktieren möchte, erreicht ihn unter der Telefonnummer 0178 1370878 oder per Email: dominik.pinsdorf@gmx.de