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Schulen in Bornheim: Ein neuer Job mit 66 Jahren

Schulen in Bornheim : Ein neuer Job mit 66 Jahren

Als Leiterin der Uedorfer Verbundschule hört Franziska Föhmer auf. Sie übernimmt eine neue Aufgabe am Bonner Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium.

„Mit 66 Jahren fängt das Leben an“: Udo Jürgens’ Song aus dem Jahr 1977 hat sich Franziska Föhmer zu eigen gemacht. Mit einem halben Jahr Verspätung verabschiedet sich die Schulleiterin der Uedorfer Verbundschule am heutigen Freitag in den Ruhestand.

Aber schon am Montag startet die umtriebige Pensionärin in ihren neuen Job: Die Sonderpädagogin wird am Bonner Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium im Team-Teaching Kinder mit Lernproblematiken im zieldifferenten Lernen unterstützen. „Ich fühle mich für ein Leben im Ruhestand einfach noch zu fit“, sagt die 66-Jährige schmunzelnd.

Lehrerin aus Leidenschaft

Seit ihrem Referendariat an der Königin-Juliana-Schule mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung in Bonn unterrichtet Föhmer mit Leidenschaft Schüler mit Handicap.1954 in Bonn geboren, besuchte sie nach der Grundschule das Clara-Fey-Gymnasium. „Ich bin nie gerne zur Schule gegangen. Denn die Lehrer ließen mich spüren, dass ich aus einem Arbeiterhaushalt stammte. Mein Vater arbeitete 50 Jahre als Drucker beim Generalanzeiger“, erinnert sich Föhmer.

Ein Studium der Diplom-Pädagogik musste sie wegen einer Schwangerschaft abbrechen, eine mehrjährige Tätigkeit als Sachbearbeiterin bei der Bonner Ista folgte. Ihre Heirat mit einem Uhren- und Schmuck-Geschäftsinhaber verschlug sie nach Rheinbach. „Nur im Laden zu helfen, war aber nicht mein Traum. Und obwohl wir vier Kinder hatten, begann ich ein Studium der Heilpädagogik in Köln.“

Fachleiterin für Anwärter

Die ersten Erfahrungen als Sonderschullehrerin sammelte sie an der Albert-Schweitzer-Schule in Rheinbach, wechselte 1997 in die Lehrerausbildung als Fachleiterin für Lehramtsanwärter im Bereich geistige Behinderung. Eine neue Herausforderung kam 2003 mit der Schulleiterstelle an der Drachenfelsschule – eine Förderschule für Lernen und Sprache – in Königswinter.

Und sie war 2014 deren Chefin, als das Thema Inklusion im Landtag zur Sprache kam. Viele Schüler mit Förderbedarf wechselten zu Regelschulen, auch in Königswinter sank die Schülerzahl auf 80, in Uedorf waren es nur noch 79 Schüler. Beide Schulen standen damals wegen der geringen Schülerzahlen vor dem Aus. Für beide Kommunen als Schulträger Grund genug, eine Kooperation auf den Weg zu bringen.

Eine Entscheidung, die das Fortbestehen beider Schulen und damit letztlich die aktuelle Nachfrage betroffener Schüler und Eltern sicherte, „denn die Akzeptanz der Förderschulen nimmt seit 2016/17 stetig zu. So zählt die Verbundschule aktuell 175 und die Drachenfelsschule 124 Mädchen und Jungen. Deshalb konnten beide Schulen 2020 wieder selbständig werden“, sagt Föhmer.

In Königswinter wurde sie bereits vor einem halben Jahr verabschiedet, da die bisherige Konrektorin beider Schulen die dortige Leitung übernahm. In der Verbundschule war dies nicht möglich. Erst mit der Ernennung von André Decker zum Konrektor und damit zum Schulleiter konnte Föhmer in den wohlverdienten „Unruhestand“ gehen. Coronabedingt werden aber nur Abordnungen von Lehrern und Schülern Danke sagen können.