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Gespräch am Wochenende Dominik Pinsdorf: „Ein Signal an die junge Generation“

Gespräch am Wochenende Dominik Pinsdorf : „Ein Signal an die junge Generation“

Der ideenreiche Vorsitzende des Bornheimer Stadtjugendrings wünscht sich einen Nachfolger, die sich einmischt und neue Ideen mitbringen.

Dominik Pinsdorf ist seit 2015 der Vorsitzende des Stadtjugendrings Bornheim. 2019 wurde er erneut gewählt, möchte sich nach diesen zwei Jahren allerdings anderen Projekten widmen. Über politische Ambitionen und Vorbilder sprach mit ihm Elena Sebening.

Wie sind Sie überhaupt an den Stadtjugendring gekommen?

Dominik Pinsdorf: Das ist aus meiner Arbeit bei dem Bornheimer Jugendparlament entstanden, das es damals gab, und dort habe ich quasi das Laufen gelernt und wie man sich beteiligt auf dieser Ebene. Und dann war es eben nicht ungewöhnlich zum Stadtjugendring zu gehen, dort habe ich als Beisitzer angefangen und Spaß dran gehabt. Aber auch Lust, etwas zu verändern, weil einige Stationen im Stadtjugendring mir nicht so gefallen haben. Daraufhin habe ich kandidiert und 2015 das erste Mal das Amt des Vorsitzenden übernommen.

Was waren das für Sachen, die Sie ändern wollten und geändert haben?

Pinsdorf: Präsenter sein im Stadtgebiet und bei den Mitgliedsvereinen. Veranstaltungsformate neu erfinden und neu denken, jugendgerecht denken. Es hat dann gut anderthalb Jahre gedauert, bis wir uns erst einmal neu strukturiert hatten und neue Formate ins Leben gerufen hatten. Wir haben in Vereinen gefragt „Wo drückt denn der Schuh?“, und daraus sind Formate wie „Jugend trifft auf Blaulicht“ und „Jugend trifft auf Politik“ entstanden.

Wie kommt es dann, dass Sie beschlossen haben, 2019 das letzte Mal anzutreten?

Pinsdorf: Der Stadtjugendring ist ja nicht Dominik Pinsdorf – und umgekehrt genauso wenig. Die Zeit ist gekommen, dass eine neue Generation diese Sache übernimmt und weitere neue Impulse mitbringt. Der Stadtjugendring lebt von jungen Menschen und von jungen, neuen Ideen. Ich glaube, dass ich da irgendwann mal herausgewachsen bin.

Das heißt, es geht nicht nur um den Vorsitz?

Pinsdorf: Ich finde, wenn Personen zu lange an etwas hängen, dann ist es nicht mehr für die Sache. Für mich ist es ein Signal an die junge Generation: Ich möchte Verantwortung abgeben. Natürlich bin ich bereit, im Hintergrund als beratende Stimme Impulse beizusteuern – und so ein Übergang dauert ja eh und geht nicht von heute auf morgen. Aber ich habe aktuell noch andere Ehrenämter. Ich bin zum Beispiel als ehrenamtlicher Richter am Amtsgericht Bonn Jugendschöffe.

Also gibt es noch mehr geplante Anschlussprojekte?

Pinsdorf: Also Briefmarken sammeln und Angeln kann ich mir nicht vorstellen als neues Hobby (lacht). Ich überlege natürlich, wie ich mich weiter engagieren kann. Konkrete Pläne habe ich aktuell noch nicht. Mein Fokus liegt darauf, jetzt erst einmal mit dem Stadtjugendring durch Corona zu kommen. Aber natürlich könnte ich mir vorstellen, andere Dinge, vielleicht sogar im Stadtgebiet, zu übernehmen. Vielleicht mich sogar politisch mich einzubringen. Ich arbeite allerdings am liebsten überparteilich. Ich glaube, ich kann mich in den nächsten fünf Jahren in keiner Partei wiederfinden. Ich möchte etwas anpacken und verändern, da geht es mir nicht um Parteizugehörigkeit.

Warum ist es Ihnen so wichtig, dass sich gerade die Jugend mit politischen Themen auseinandersetzt?

Pinsdorf: Da hat mich meine Familiengeschichte geprägt. Freie Wahlen waren nicht immer selbstverständlich. Meine Mutter ist Baujahr 1964 und durfte 1990 das erste Mal frei wählen. Meine Großmutter ist 1936 geboren und durfte 1990 das erste Mal frei wählen, weil sie beide aus der DDR kamen. Für jemanden der 1993 geboren ist, sind freie Wahlen erst einmal selbstverständlich, aber wenn man dann hört, was in der eigenen Familie passiert ist, dann sage ich mir, dass das ein Privileg ist und das möchte ich den jungen Menschen vermitteln und sagen: Ihr könnt euch einmischen.

Mit Blick auf Ihr politisches Engagement: Was sind Ihre Ziele für die nächsten zehn Jahre? Wird es irgendwann Plakate geben, auf denen Sie als parteiloser Bürgermeister für Bornheim ins Rennen gehen?

Pinsdorf: Das weiß ich noch nicht. Ich glaube, dass das später vielleicht ein Weg ist. Aber man sollte klein anfangen und erst überlegen, wie kann man sich in der Stadt Bornheim in Gremien einsetzen und wie kann man sich da weiter verwirklichen. Ich möchte einfach gesellschaftliche Themen weiter anstoßen. Und vielleicht, in fünf Jahren ist viel Wasser den Rhein heruntergelaufen... Aber man muss auch immer sehen, wie es privat läuft und erstmal bin ich nun gespannt wer Bürgermeister wird. Aber ich möchte es für mich nicht ausschließen.

Was haben Sie für politische Vorbilder?

Pinsdorf: Gregor Gysi ist für mich eine der Personen, die große Vorbild sind. Nicht nur in der Rhetorik, sondern auch mit der Fähigkeit Sachverhalte zu verstehen und zu analysieren und weiterzuvermitteln. Auch Wolfgang Bosbach ist ein Mensch, der geradlinig ist. Das mag ich, wenn man geradlinig ist aber dabei noch intelligent und ohne rumzuschwafeln. Und auch wenn er gestorben ist, gehört auch Norbert Blüm dazu. Das war für mich eine politische Größe. Aber es zählen auch Menschen dazu, die nicht so extrem in der Öffentlichkeit stehen wie Daniel Zimmermann, der 2009 in Monheim mit 27 Jahren zum jüngsten Bürgermeister in NRW gewählt wurde. Natürlich gibt es auch Vorbilder im privaten Bereich. Wie meine Mutter und Großmutter, die es geschafft haben, den Mut nie zu verlieren zu einer freien Meinungsäußerung und ein Kreuzchen dort zu machen, wo sie es möchten und nicht eine Partei oder der Staat.

Die privaten Vorbilder, ist das für Sie der größte Motivator – oder warum ist Ihnen das so wichtig?

Pinsdorf: Natürlich ist es so, dass oft mein ganzer Jahresurlaub für solche Projekte draufgeht. Und manch einer fragt sich vielleicht: „Hat der Pinsdorf ein Problem?“ Habe ich nicht. Ich glaube, dass wir zivilgesellschaftlich was machen müssen, und ich kann nicht nur auf andere hoffen. Ich muss bei mir selbst anfangen – und das ist mein Leitbild.