100 Jahre SPD in Bornheim Mit einem Bahnarbeiter fing alles an

Bornheim · 1924 gründetet sich der SPD-Ortsverein Bornheim und der erste Sozialdemokrat errang einen Sitz im Gemeinderat. Ihren größten Erfolg feierte die Partei im Vorgebirge aber erst 80 Jahre später.

Die undatierte Aufnahme zeigt den ersten Bornheimer SPD-Ratsherren Heinrich Schurf.

Die undatierte Aufnahme zeigt den ersten Bornheimer SPD-Ratsherren Heinrich Schurf.

Foto: Susanne Träupmann

Mit Heinrich Schurf fing alles an. Der Bahnarbeiter hat ein Stück sozialdemokratische Geschichte geschrieben. Am 4. Mai 1924 errang er als erstes SPD-Mitglied ein kommunalpolitisches Mandat in Bornheim. Da dies zugleich die erste urkundliche Erwähnung der Partei in Bornheim ist, wird nun das 100-jährige Bestehen gefeiert (siehe Info-Kasten).

Natürlich wird Ehrenbürgermeister Wolfgang Henseler ein Grußwort sprechen. Für ihn persönlich ist 2024 ein besonderes Jahr – „nicht nur, weil wir 100 Jahre Ortsverein feiern, sondern auch weil ich in diesem Jahr 50 Jahre in der SPD bin und wir vor 20 Jahren die CDU-Mehrheit im Rat kippen konnten“, sagt Henseler im Gespräch mit dem GA.

Sieg bei der Bürgermeisterwahl im Jahr 2024

In einer Stichwahl hatte sich Henseler im Jahr 2004 gegen CDU-Kandidat Manfred Schier mit 57 Prozent durchgesetzt – und mischte die Karten im Vorgebirge neu. Denn Bornheim war eigentlich immer in CDU-Hand gewesen. „Ich denke, dass bei absoluten Mehrheiten die Arroganz zu groß wird und sie letztlich einem auf die Füße fällt. Außerdem haben wir damals einen intensiven Wahlkampf geführt“, meint Henseler, der bis 2020 im Amt war.

Zurück zu Heinrich Schurf. „Von den Anfängen bis zum ersten sozialdemokratischen Bürgermeister haben wir einen langen Weg zurückgelegt“, meinen die beiden aktuellen Fraktionsvorsitzenden Anna Peters und Wilfried Hanft.

Für einen Aufschwung der SPD im katholischen Rheinland sorgte 1919 die Wahl des Sozialdemokraten Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten. Nach den Annalen des Ortsvereins beschloss im selben Jahr der SPD-Bezirkstag in Köln, dass sich die Sozialdemokratie nicht nur auf die Städte, sondern auch auf die Landgemeinden der Rheinprovinz konzentrieren müsse.

Das war auch das Jahr, als Schurf in die Kommunalpolitik ging – allerdings noch parteilos. Fünf Jahre später zog der Bornheimer Arbeiter als SPD-Politiker in den damaligen Bornheimer-Breniger Gemeinderat ein.

Die nationalsozialistische Machtübernahme unterbrach die kommunalpolitische Arbeit der Bornheimer Sozialdemokraten. Auf politischen Druck der Nazis verzichteten Schurf und das andere SPD-Mitglied Johann Antweiler aus Waldorf 1933 auf die Ausübung ihrer politischen Mandate.

Aufbruchsstimmung auch im Vorgebirge

Aber schon bei den ersten Kommunalwahlen nach der NS-Zeit errang die Bornheimer SPD 1948 acht kommunalpolitische Mandate. 1966 wurde der Sozialdemokrat Heinz Kühn NRW-Ministerpräsident, drei Jahre später zog Willy Brandt ins Kanzleramt ein. In den SPD-Ortsvereinen herrschte Aufbruchsstimmung – auch im katholischen und konservativen Bornheim. Brandts berühmter Spruch, es müsse mehr Demokratie gewagt werden, animierte den Breniger Wilfried Hanft und den Roisdorfer Harald Stader, sich bei Jungsozialisten (Jusos) zu engagieren.

Deren Vorsitzender war Stadler Anfang der 70er-Jahre. Mit seiner Truppe wollte er „damals die althergebrachten Strukturen in Bornheim und in der SPD verändern“, wie er dem GA im Gespräch sagt. 1973 kritisierten die Jusos auf Flugblättern die Kostensteigerungen beim Bau des Hallenfreizeitbads und die damit verbundene Haushaltspolitik der damaligen Gemeinde Bornheim, und verteilten diese werbewirksam während der 800-Jahr-Feier Mertens.

Wenn Henseler zurückblickt, wirkt er sehr zufrieden mit der Bilanz seiner Amtszeit. Es sei Gewerbe angesiedelt, neue Plätze in der Kinderbetreuung und im Offenen Ganztag seien geschaffen worden. Auch die Einrichtung einer zweiten Gesamtschule fällt in seine Zeit.

In vielen Bereichen sei in Bornheim sozialdemokratische Politik mittlerweile sichtbar, meint Hanft. „Der Kontakt zum Bürger war und ist wichtig“, sagt Stadler. Nur so könne man dem negativen Stimmungsbild der Bundespartei, das mittlerweile auf die Kommunen durchschlägt, entgegenwirken.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort