Offener Brief nach den Silvester-Übergriffen Flüchtlinge in Bornheim sagen "Nein" zu Gewalt

Bornheim · In einem offenen Brief an den Bürgermeister und die Bürger verurteilen Zufluchtsuchende in Bornheim die Ereignisse der Kölner Silvesternacht.

Nach Angaben der Initiatoren haben ab 10. Januar bisher 160 Personen die Zeilen unterschrieben, die unter dem Titel "Bornheimer Flüchtlinge sagen 'Nein' zu Gewalt" stehen. Der Brief wurde auf Englisch, Französisch, Farsi und Arabisch übersetzt und am Donnerstag dem Bürgermeister übergeben, der für die Aktion, für die weiterhin Unterschriften gesammelt werden, dankte.

Der iranische Asylbewerber Soli Kabki und das Grünen-Ratsmitglied Maria Koch haben den Brief initiiert. Nachdem sie mitbekommen hätten, dass etliche Flüchtlinge mit den Ereignissen in Köln nicht einverstanden seien, hätten sie ihnen eine Stimme geben wollen, sagt Koch. Bekanntlich war es an Silvester zu sexuellen Übergriffen auf Frauen und Diebstählen gekommen, wobei auch Flüchtlinge zu den Tatverdächtigen zählen.

Ziel sei es, eine Art "Bornheimer Erklärung der Flüchtlinge" zu schaffen, die von möglichst vielen der rund 850 Flüchtlingen im Stadtgebiet getragen werde, erklärt Koch. "Es geht darum, auf beiden Seiten das Bewusstsein zu stärken, dass es nur miteinander und nicht gegeneinander laufen kann."

Die "Bornheimer Erklärung der Flüchtlinge" im Wortlaut:

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister Henseler, liebe Bornheimer Bürgerinnen und Bürger,

Wir sind Männer, Frauen und Kinder, die als Flüchtlinge nach Bornheim gekommen sind. Wir verurteilen, was in Köln an Silvester geschehen ist. Wir lehnen jede Gewalt ab.

Wir sind in Bornheim sehr herzlich und offen aufgenommen worden. Wir sind sehr froh und dankbar, in Bornheim Frieden und Zuflucht gefunden zu haben. Viele unserer Helfer sind Bornheimer Frauen. Für uns sind sie wie Schwestern, Tanten, Mütter und Töchter. Sie alle verdienen unseren großen Respekt.

Viele von uns kommen aus Ländern, in denen Frauen und Männer nicht gleichgestellt sind so wie in Deutschland. Wir müssen hier noch viel über die deutsche Kultur und die Gesetze lernen, aber Gewalt – vor allem gegen Frauen und Kinder – ist ein Tabu.

Nach den Ereignissen von Köln befürchten wir, dass die Bornheimer und vor allem die Frauen, Angst vor uns haben. Bitte habt keine Angst. Wir sind hierher geflohen, weil wir in Frieden leben wollen, nicht um jemandem zu schaden oder zu verängstigen.

Wir danken der Stadt Bornheim und allen Bornheimer Bürgerinnen und Bürgern, vor allem den vielen Helferinnen, die uns täglich unterstützen.

Wir möchten Ihnen sagen: Bornheim ist nicht Köln! Wir bitten um Ihr Vertrauen, damit wir weiter in Bornheim gut zusammen leben.“

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