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Freie Trauung in Bornheim: Interview mit Traurednerin Ellen Bugs

Interview mit Traurednerin : Freie Trauzeremonien liegen in Bornheim im Trend

Ellen Bugs aus Bornheim sorgt bei Hochzeiten als freie Traurednerin für besondere Momente. Worauf es dabei ankommt, hat die 33-Jährige dem GA erklärt.

Das Ja-Wort beim Standesbeamten ist obligatorisch, die anschließende kirchliche Trauung bei vielen Paaren ein Muss. Wer nicht den Weg vor den Altar antreten möchte, kann für seine Hochzeit professionelle Redner wie Ellen Bugs buchen. Die Tätigkeit als freie Traurednerin ist für die 33-Jährige aus Waldorf mehr Berufung als Job. Über ihre Motivation sprach sie mit Susanne Träupmann.

Wie kamen Sie zu Ihrer Tätigkeit als Traurednerin?

Ellen Bugs: Vor einiger Zeit wurde mir bewusst, dass eine Leidenschaft zum Schreiben in mir schlummert. Zeilen zu verfassen, welche Liebe und Emotionen ausdrücken. So richtig klar wurde es mir durch meine eigene Hochzeit. Ich habe Ja zu meinem Herzensmenschen gesagt, und das musste meines Erachtens mit den richtigen Worten geschehen. Denn solch eine Liebe ist das kostbarste Geschenk.

Was haben Sie gemacht?

Bugs: Ich schrieb der Standesbeamtin unsere eigene Hochzeitsrede mit dem Ziel, unsere Gäste und besonders meinen Mann zu berühren. Das ist mir gelungen. Es wurde gelacht, geschluckt, geweint und applaudiert. Dabei stand das Wichtigste, unsere Liebe, immer im Fokus. Daraus entstand mein Wunsch, freie Traurednerin zu werden.

Haben Sie eine Ausbildung?

Bugs: Ich habe ein Seminar bei einer Hochzeitsrednerin in Bonn besucht. Dort habe ich die Feinheiten und die Möglichkeiten von Trauzeremonien kennengelernt. Das Wichtigste ist und bleibt jedoch der perfekte Umgang mit Worten, die voller Leben und Emotionen sein müssen. Das kann man nicht erlernen, sondern es ist ein Talent, das man mitbringen sollte. Ich glaube an die Liebe, verehre sie und verneige mich vor ihr. Diese Wertschätzung und dieses Gefühl möchte ich meinen Paaren sprachlich begreifbar machen und damit weitergeben. Die selbst gestaltete Trauzeremonie sollte den Paaren in bleibender Erinnerung bleiben.

Was kennzeichnet eine freie Trauung?

Bugs: Sie erspart dem Paar zwar nicht den Gang zum Standesamt, da sie – wie auch eine kirchliche Trauung – keine rechtliche Relevanz hat, ist aber, so finde ich, die emotionalste Ergänzung zur standesamtlichen Trauung und die schönste Möglichkeit Ja zueinander zu sagen. Sie ermöglicht dem Paar nicht nur die Wahl des Ortes, sondern auch die Gestaltung der eigenen Zeremonie.

Wie kann eine freie Trauung aussehen?

Bugs: Die Paare sind an keine Abläufe gebunden. Ob unter freiem Himmel, im Wald, auf einer Lichtung, an einem See, im eigenen Garten oder im Ausland – sie sind absolut frei in der Wahl ihrer Location und in der Gestaltung ihres großen Tages. Dazu gehört auch die gewählte Trauzeremonie, die die Handschrift des jeweiligen Paares trägt. Wir können auch persönliche Rituale erstellen. Bei einer freien Trauung stehen immer die beiden Liebenden und ihre Geschichte im Zentrum aller Überlegungen.

 Wie viele Trauungen haben sie schon durchgeführt?

Bugs: Bisher haben mich 15 Paare aus dem Köln-Bonner-Raum per Instagram, über meine Homepage und auf Empfehlung gebucht. Drei von ihnen habe ich auch getraut. In einem ersten Gespräch haben wir uns kennengelernt und Vertrauen zueinander aufgebaut. Bei einer solch engen Zusammenarbeit muss die Chemie zwischen dem Paar und mir stimmen. Bei weiteren Treffen haben sie mir ihre Liebesgeschichte mit Höhen und Tiefen erzählt, und wir haben den Ablauf der Zeremonie besprochen.

Und dann?

Bugs: ...kommt die letzte Zusammenkunft. Die ist immer einige Wochen vor dem „großen Tag“. Dann werden noch Detailfragen geklärt wie zum Beispiel die Aufstellung eines Traubogens, den ich den Paaren anbieten kann.

Gab es bisher irgendwelche Pannen?

Bugs: Jede Trauung verlief bisher ohne große Schwierigkeiten. Nur in der Wahner Heide spielte das Wetter nicht ganz mit, denn kurz vor der Zeremonie fing es plötzlich an zu regnen. Und so mussten wir kurz entschlossen umplanen und die Stühle von Gästen und Hochzeitspaar umstellen. Damit muss man bei Hochzeiten im Freien immer rechnen.

Was geben Ihnen persönlich die freien Trauungen?

Bugs: Schön finde ich es immer wieder, dass ich die Paare sehr persönlich kennenlerne. Ich erfahre von ihnen viel Positives, durchlebe aber zugleich noch einmal ihre Herzenssprünge und Weggabelungen. Wenn ich dann ihre Liebesgeschichte in einer Rede, die emotional und tiefgründig, lustig und nachdenklich sein soll, zusammenfasse und bei der Hochzeit vortrage, sollen die Brautleute und ihre Gäste ein Feuerwerk und eine Achterbahnfahrt der Gefühle erfahren. Für mich bleibt jede Trauung ein Moment voller Empathie.

Wie war die Resonanz bei ihren Kunden?

Bugs: Bisher habe ich nur Lob erfahren. Sogar ein Dienstleister, der eine Trauung per Video aufgezeichnet hat, bezeichnete die Zeremonie als „die Beste, die er je erlebt hat“. Das ermutigt mich natürlich zum Weitermachen. Es ist für mich eine Art Berufung und pure Leidenschaft.

Werden freie Trauredner in Zukunft immer wichtiger?

Bugs: Ich bin davon überzeugt, dass die Anzahl freier Trauredner zunehmen wird und Deutschland sich damit dem schon fortgeschritteneren Trend in anderen Ländern angleichen wird. Zum einen treten immer mehr Menschen aus den Kirchen aus, zum anderen wollen viele in allen Lebensbereichen das Außergewöhnliche erleben. Das gilt auch fürs Heiraten. So werden Ablauf, Zeremonie und Ort immer bedeutungsvoller für die Ausrichtung einer Hochzeit. Die Individualisierung der Gesellschaft spiegelt sich in der auf persönliche Bedürfnisse zugeschnittenen Trauungszeremonie wider.