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Merten: Großkirmes endet mit Verurteilung des Paias

Merten : Großkirmes endet mit Verurteilung des Paias

Während der Mertener Großkirmes hat er sich nach Leibeskräften amüsiert und gesündigt, was das Zeug hält. Doch am Dienstagabend kam, was kommen musste: Dem Paias wurde unter dem Blauglockenbaum auf dem Heinrich-Böll-Platz der Prozess gemacht und er musste sich für all seine Vergehen vor dem Hohen Landesgericht Merten verantworten.

Ziemlich betreten saß der mit blauer Latzhose und rot-weiß kariertem Hemd bekleidete Sünder auf der Bank, als Richter Helmut Nonn begann, die Anklagepunkte vorzutragen. "Herr Paias ist angeklagt, das Rauchverbot massiv vorangetrieben zu haben zur Schädigung der Mertener Gastronomie!"

Das Argument von Verteidiger Theo Mandt, dass der Paias selbst bekennender Pfeifenraucher sei, ließ der Richter nicht gelten. Josef Breuer wurde als Zeuge berufen und stellte fest, dass die Sterblichkeit der Menschen unabhängig vom Rauchen bei 100 Prozent liege.

Diese Aussage wertete Richter Helmut Nonn zu Ungunsten des Angeklagten und forderte eine Strafe von fünf Schlägen, die der Gerichtsdiener Günter Engels unter lautem Gejammer von Frau Paias alias Frank Schneider verabreichte.

Traditionell wird die mit Stroh ausgestopfte Paiasfigur im Rheinland an der Ortskneipe aufgehängt, um über das Kirmes- und Karnevalstreiben im Dorf zu wachen. Der Name "Paias" leitet sich von dem französischen Wort für "Strohsack", "paillasse", ab und ist seit der französischen Besatzung von 1792 bis 1815 im Rheinland verbreitet.

Auch technische Schwierigkeiten mit dem Mikrofon brachten dem Angeklagten am Dienstagabend keinen Vorteil und so wurde er weiter beschuldigt, die Spargelbauern durch nächtliches Einbringen von Insekten geschädigt zu haben. Der Zeuge Kurt Jankowski will ihn dabei sogar beobachtet haben. Zehn Schläge sah der Richter als gebotenes Strafmaß für diese Untat an.

Dank der Aussage von Hans Gerd Feldenkirchen konnte der Paias von der Anklage freigesprochen werden, durch ständiges Rumtreiben den Bau des Mertener Kreisverkehrs verzögert zu haben. "Die Arbeiten liegen im Zeitplan", sagte Feldenkirchen und Richter Nonn ließ den Punkt fallen.

Doch letztlich half alles nichts: Da nicht einmal Verteidiger Theo Mandt widerlegen konnte, dass eine schöne Kirmeszeit zu Ende geht, wurde das Todesurteil gegen den Angeklagten vollstreckt. Da mit diesem symbolischen Akt alle Mertener von ihren Kirmessünden reingewaschen sind, kann das Leben wieder weitergehen.