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Sakristeiboden abgesackt: Handwerker fällt in Bornheimer Kirche in Keller

Sakristeiboden abgesackt : Handwerker fällt in Bornheimer Kirche in Keller

Seit Ende April sind die mit 680.000 Euro veranschlagten Arbeiten an der Alten Evangelischen Kirche in Bornheim im Gange. Dabei sackte plötzlich der Sakristeiboden ab.

Der Dachstuhl ist teilweise offen gelegt, auf dem Gerüst wird gesägt und gehämmert: Die Sanierung der Alten Evangelischen Kirche in Bornheim läuft seit Ende April auf Hochtouren. Bis Ende des Jahres sollen die Fassade erneuert, der barrierefreie Zugang zur Sakristei fertiggestellt, eine Heizung installiert und im Kirchenraum die abgelösten Stellen an den Wandmalereien mit einer – dem jeweiligen Muster – möglichst ähnlichen Grundfarbe gestrichen werden. Jeden Mittwoch treffen sich auf der Baustelle Architektin Ilsetraut Popke und verschiedene Handwerker, um die nächsten Schritte zu besprechen. Immer dabei ist als Verbindungsfrau die Presbyterin und Kirchenbaumeisterin Magdalene Wahl.

Bisher wurden die gelben Terrakottakonsolen in der Außenfassade abgebeizt, die dortigen Fugen entnommen und ausgekratzt. Nun werden die Fußpfette – die waagerecht installierten Träger – im Dachstuhl wieder hergestellt. Diese hatten sich im Laufe der Zeit verdreht und sollen jetzt gedoppelt und damit verstärkt werden. Die verfaulten Holzbalken im Glockenstuhl werden in den nächsten Wochen durch Koniferenholz ersetzt.

Auch im Innenraum des Gotteshauses sind die ersten Vorarbeiten abgeschlossen. So wurden dort die Bodenfliesen ebenso abgeschlagen wie in der Sakristei. Allerdings verliefen die Arbeiten zum stufenlosen Zugang zur Sakristei nicht ganz nach Plan.

„Als wir damit anfingen, sackte plötzlich der Sakristeiboden ab. Der Handwerker, der sich dort befand, fiel ohne Vorwarnung in den darunterliegenden ehemaligen Kohlenkeller. Ihm ist zum Glück nichts passiert. Aber wir haben bei der Gelegenheit festgestellt, dass der Estrich beim Bau der Kirche nicht ausgetrocknet war, sodass eine Verschmelzung von Fliesen und Beton vorlag“, sagt Wahl. In der Folge wurde der Boden neu gegossen und der Zugang zur Sakristei ohne Stufe bereits eingebaut.

Neue Heizungsanlage

Ebenfalls installiert wird in den nächsten Wochen die Heizungsanlage, deren Anschlüsse in einem Ringsystem mit der benachbarten Versöhnungskirche verbunden sind. Schon bei deren Bau 1963 wurde an eine moderne Heizungsanlage in der Alten Kirche gedacht. Doch es blieb bei der Überlegung. Wahl: „Nach über 50 Jahren wird das Projekt nun endlich Wirklichkeit.“

Für Zimmermann Eric Stöcker, Juniorchef des Unternehmens Naturbaukonzepte aus Burscheid, ist die Arbeit an historischen Gebäuden immer wieder eine Herausforderung. In Bornheim wird er gemeinsam mit seinem Vater Ralf die Verbindung zwischen Kehlbalken und Sparren verstärken. „In der Denkmalpflege wird von einem Handwerker mehr Kreativität als bei industrialisierten und damit standardisierten Bauten verlangt“, erklärt der 26-jährige Meister.

„Wir liegen bisher nur eine Woche über dem anberaumten Zeitplan. Da sind wir ausgesprochen pünktlich“, freut sich dagegen Wahl. 680 000 Euro kostet die Sanierung, Zuschüsse haben die Deutsche Stiftung Denkmalschutz, die kirchliche Krahe-Stiftung zur Förderung schwerbehinderter und chronisch kranker Menschen und die Bezirksregierung Köln beigesteuert. Hinzu kommen Einnahmen aus dem Verkauf von Geschenkpapier, das in drei verschiedenen Mustern der Wandornamente aus dem Innenraum der Kirche gehalten ist, sowie Erlöse des einen oder anderen Festes. „Seit 15 Jahren haben wir für das Projekt gespart. Jetzt haben wir das komplette Geld vorliegen. Denn wir wollten keinen Bankkredit aufnehmen“, erläutert Wahl.

Einweihung im Jahr 1863

Für die Protestanten in Bornheim ist die Alte Kirche ein Symbol evangelischen Lebens im Rheinland. Seit dem Wiener Kongress 1815 kamen immer mehr evangelische Preußen ins Rheinland. Bis 1860 feierten sie ihre Gottesdienste in der Donatuskapelle der Burg Bornheim, die ihrem Glaubensbruder Gerhard Freiherr von Carnap gehörte. Mit dem Verkauf der Burg fiel der Versammlungsort weg. Mithilfe der Unterstützung jüdischer Mitbürger konnte das Grundstück an der Königstraße gekauft und 1862 der Kirchenbau begonnen werden. Die Einweihung erfolgte am 12. November 1863.