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Hospizdienste im Rhein-Sieg-Kreis: So arbeiten sie trotz Corona

Nähe bis zum Tod : Wie Hospizdienste im Rhein-Sieg-Kreis in der Corona-Krise arbeiten

Das Coronavirus verändert die Betreuung der ehrenamtlichen Helfer des Ambulanten Hospizdienstes: Wir berichten aus dem derzeitigen Alltag der Helferinnen und Helfer aus Alfter und Bornheim. Die Maskenpflicht verunsichert vor allem Menschen mit Demenz.

Hospizhelfer geben sterbenden Menschen in den letzten Stunden, Tagen, Wochen und Monaten menschliche Nähe und Halt. „Seelenmassage“ im weitesten Sinne leistet seit 19 Jahren auch der Ambulante Hospizdienst für Bornheim und Alfter, der Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet, Angehörige tröstet und mit Rat und Tat zur Seite steht.

Allerdings verändert das Coronavirus die Arbeit der 44 ehrenamtlichen Hospizhelfer. Der persönlichen Kontakt ist nicht mehr so zu leisten wie davor. „Um Abstand halten zu können, wurden Gespräche in der Regel an der frischen Luft geführt. Terrassen, Balkone oder der Friedhof wurden zu Orten der Begegnung“, erklärte Koordinator Wilson Schaeffer. Auch über das Telefon, den PC oder ein Laptop gab es bei Beratungen tröstende Worte. Mit kleinen Konzerten vor den Seniorenheimen in Merten und Alfter zeigte der Hospizdienst während des Lockdowns, dass man an die „zu Begleitenden“ denkt.

Masken verunsichern Demente

„Besonders Menschen mit Demenz haben unter den veränderten Bedingungen gelitten. Abstandsregel und Maskenpflicht führten zu einer großen Unsicherheit“, erzählt Schaeffer. Nach der Schließung des Trauercafés konnten sich betroffene Angehörige nicht mehr treffen, der regelmäßige Austausch der Ehrenamtlichen in großer Runde wurde durch kleine Gruppen und Videokonferenzen ersetzt.

Die Corona-bedingten Veränderungen haben auch Anja Kayser und Karlheinz Hoffmann mitgemacht. Beide haben erst im vergangenen Herbst ihre Ausbildung als Trauerbegleiter abgeschlossen. Die Sechtemerin und der Herseler haben in der Begleitung unheilbar kranker und/oder sterbender Menschen ihre Berufung gefunden. „Als ich wusste, dass ich in den Vorruhestand gehen würde, las ich eine Anzeige über neue Schulungskurse beim Hospizdienst – und habe mich angemeldet. Ich habe mich schon immer für Menschen interessiert und so entspricht die Tätigkeit beim Hospizdienst meinem Wesen als empathischer Mensch. Der Tod hat für mich nichts Abschreckendes“, sagt der 63-Jährige. Der ehemalige Agraringenieur begleitet zwei Bewohner des Bornheimer Beethovenstiftes.

Regelmäßige Besuche – auch in Coronazeiten, dann mit Maske und Handschuhen –, Telefonate und hier und da Kontakt mit den Angehörigen gehörten und gehören zum wöchentlichen Pflichtprogramm. „Die fünf bis sechs Stunden pro Woche sind für mich selber wichtig. Ich freue mich immer darüber, wenn es den Menschen beim Abschied besser geht“, sagt Hoffmann. Für ihn sei die Arbeit nicht nur ein Ausdruck christlicher Nächstenliebe, sondern ein Geben und Nehmen, „denn auch mir geben die Gespräche viel“.

Dem kann Anja Kayser nur zustimmen. Sie ist verheiratet, hat eine 19-jährige Tochter und drei verschiedene Jobs. In der wenigen verbleibenden Freizeit betreut sie eine unheilbar an Lungenkrebs Erkrankte – und genießt jedes Beisammensein. Die 51-Jährige und ihre „Patientin“ haben viel gemeinsam, unter anderem die Berufsausbildung als Floristin. Mehrmals am Tag kommunizieren die beiden via WhatsApp, hier und da bringt sie ihrer „Dame“ Blumen oder ein kleines Geschenk mit. „Ich möchte ihr eine Freude machen. Der Ehemann hat dann ein wenig Freizeit und kann etwas erledigen. Und auch mich entspannt der Besuch.“