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Integration in Bornheim-Sechtem: Im „Café Neue Nachbarn“ gibt es Hilfe für Flüchtlinge

Integration in Bornheim-Sechtem : Im „Café Neue Nachbarn“ gibt es Hilfe für Flüchtlinge

Flüchtlinge und Sechtemer begegnen sich jeden ersten und dritten Montag im Monat im Pfarrheim bei Kaffee und Kuchen.

„Wir veranstalten das Café, weil wir einen Raum für Begegnungen schaffen wollen. Man ist gegenüber fremden Personen und Dingen doch oft vorsichtig oder misstrauisch. Wenn man sich mit ihnen trifft, werden aus der grauen Masse der Flüchtlinge aber plötzlich Menschen, die man kennt und gerne hat. Und die wir auch brauchen“, sagt Katrin Uhle. Sie ist Mitglied des Sechtemer Arbeitskreises „Neue Nachbarn“, der Teil der vom Erzbistum Köln ins Leben gerufenen „Aktion neue Nachbarn“ ist.

Die Initiative stellt ehrenamtlichen Helfern ein Netzwerk und finanzielle Hilfe bereit, um Integrationsprogramme und die Schaffung von Wohnraum zu unterstützen. An jedem ersten und dritten Montag des Monats treffen sich zwischen 30 und 50 Flüchtlinge und Sechtemer bei selbst gebackenem Kuchen, Tee und Kaffee im katholischen Pfarrheim an der Wiener Straße 2a.

Einige Besucher haben ihre Kinder mitgebracht, für die es eine Sammlung an Brettspielen und Malbüchern gibt. Auf dem Tisch liegt Weihnachtsdekoration: Tannenzweige sowie aus Pappe ausgeschnittene Hüte und Schnurrbärte. Diese kann man sich für ein Foto mit Freunden vors Gesicht halten, denn der Selfie-Brauch ist offenbar kulturübergreifend und er braucht keine gemeinsame Sprache.

Hilfe beim Umgang mit den Behörden

„Zum Glück gibt es in unserem Arbeitskreis jemanden, der Arabisch spricht. Und ein oder zwei sprechen auch schon so gut Deutsch, dass sie ein bisschen dolmetschen können“, erzählt Gerhard Schwientek, ebenfalls ein Ehrenamtlicher. „Wir helfen ihnen mit ihren Papieren und Briefen, übersetzen das Behördendeutsch, damit sie es besser verstehen.“

In Sechtem wohnen etwa 140 Flüchtlinge in Unterkünften und Privatwohnungen, viele stammen aus Syrien. Das Café gibt es seit einem Jahr, aber Katrin Uhle erinnert sich noch gut an die Ankunft der ersten Asylbewerber und die Zeit danach. „Damals hörte ich oft Beschwerden, weil sich die Flüchtlinge vor der Unterkunft auf die Hauben von fremden Autos setzten. Sie wussten nicht, dass so etwas in Deutschland nicht gerne gesehen wird“, berichtet sie.

„Ich stellte dann fest, dass es einfach junge Männer waren, die in einer tristen Umgebung lebten, wenig Perspektiven hatten und sich nicht sehr willkommen fühlten. Heute sitzen einige schon seit mehr als einem Jahr in den Unterkünften fest. Wenn sie nach Deutschland kommen, glauben sie, dass sie mit der Registrierung schnell fertig sind und dann eine Arbeit suchen oder studieren können. Wir versuchen sie zu motivieren, auch nach zehn Monaten Warterei nicht den Mut zu verlieren“, unterstreicht Uhle ihr Anliegen.

Am Tischende sitzt Kheri Hakrash. Er hat ein Dokument mitgebracht, das er seiner Nachbarin zeigt. „Ich komme seit Monaten her. Wir essen Kuchen, sie helfen mir, wenn ich etwas nicht verstehe. Es gefällt mir sehr gut“, sagt er mit einem breiten Lächeln.