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Bienen im Vorgebirge und Voreifel: Interview mit Kreisimkerchef Friedel Mirbach

Bienen im Vorgebirge und Voreifel : Interview mit Kreisimkerchef Friedel Mirbach

Frühlingshafte Temperaturen und erste blühende Pflanzen: Auch für die Bienen ist die Winterpause vorbei. Hier und da sind die ersten schwarz-gelben Insekten im Vorgebirge und in der Voreifel schon unterwegs auf Futtersuche.

Seit einigen Tagen liegen die Temperaturen tagsüber im zweistelligen Bereich. Wann haben die Bienen ihre Stöcke verlassen?

Friedel Mirbach: Wir haben für die Tiere zurzeit optimales Wetter. Ab einer Temperatur von zwölf Grad starten sie zu ihren Flügen. Und sie finden auch schon genügend Futter bei den ersten Frühblühern wie Schneeglöckchen, Winterling und Krokus. Die Königin legt jetzt bereits verstärkt Eier. Die ersten kleinen Bienenlarven sind auch schon da und müssen gefüttert werden.

Sie sind seit 28 Jahren leidenschaftlicher Imker. Wie viele Bienenvölker haben Sie?

Mirbach: Mir gehören 50 Bienenvölker, deren Stöcke ich an fünf verschiedenen Standorten wie unter anderem in meinem Garten in Brenig, Heimerzheim und Merten aufgestellt habe. Einige Völker haben während der Winterpause die Varroamilbe nicht überlebt. Ein Schwund von zehn Prozent von einem aufs andere Jahr ist aber völlig normal.

Was ist die Varroamilbe?

Mirbach: Die Varroamilbe ist ein Parasit, der in den Honigbienen lebt. Die Milbe entwickelt und vermehrt sich in der verdeckelten Brut im Bienenstock. Wir haben Bienenstöcke nach der zweiten Ernte im August bedampft, aber die Behandlung hat bei einigen Völkern wohl nicht gewirkt, oder sie waren zu schwach, um zu überleben. Wenn sich die Völker im Sommer vergrößern, nimmt auch die Anzahl der Varroamilben zu.

Ihre Bienen sind nicht nur Honiglieferanten, sondern „arbeiten“ auch in der Landwirtschaft.

Mirbach: Ja. Mit 30 bis 35 Bienenvölkern unterstütze ich die Landwirte bei der Bestäubung ihrer Süßkirschen-Plantagen in Merten oder der Himbeerfelder in Swisttal. Da sind die Tiere schon eminent wichtig. Dann ist es meistens so, dass zunächst die Suchbienen geeignete Futterquellen ausmachen, den anderen Arbeiterinnen Bescheid geben, und dann entscheiden die Tiere eigenständig, welche Blüten der Pflanzen bestäubt werden müssen.

Kritiker sind der Auffassung, dass Bienen in ihrer Funktion als Honiglieferant und Bestäuber überbewertet werden.

Mirbach: Nein. Bienen können deutlich besser bestäuben als der Mensch. Denn die Tierchen wissen instinktiv, wann sie welche Blüte bestäuben müssen. So unterscheiden sie zwischen den weiß-roten und weißen Blütenblättern der Apfelbäume. Die weißen brauchen noch den mitgebrachten Pollen, die roten dagegen nicht. Auch die Qualität des Honigs kann künstlich nicht produziert werden. Denn der Honig ist nicht nur süß – zu 80 Prozent besteht er aus Zucker –, sondern er enthält auch noch weitere Inhaltsstoffe in Spuren wie unter anderem Eisen, Kupfer, Zink, Mangan und Vitamine, die für den Körper lebensnotwendig und Teil lebenswichtiger Stoffwechselprozesse sind. Da die Spurenelemente im Nektar bereits verarbeitet worden sind, entfalten sie im menschlichen Körper eine andere Wirkung.

Im sommerlichen Garten probieren Bienen manchmal den Erdbeerkuchen. Wie soll man sich da verhalten?

Mirbach: Normalerweise sind das keine Bienen, sondern Wespen und Hummeln. Bienen finden sich nur, wenn sie nicht genügend Nektar gefunden haben. Sieht man ein Insekt, dann sollen die Betroffenen Ruhe bewahren, nicht nach dem Tier schlagen. Es fliegt wieder weg.

Normalerweise kehren Bienenvölker von ihren Flügen zurück in den Stock. Suchen sich manche Völker eine neue Bleibe?

Mirbach: Ja. Die Bienen, die in einem Bienenstock etabliert sind, kehren normalerweise in den Stock zurück. Allerdings vermehrt sich das Volk von April bis Ende Juni. Wenn dann die Königin alt geworden ist und mehrere Königinnen im Bienenvolk sind, dann zieht die alte Königin mit einem Teil der Belegschaft aus – meistens sind es 20 000 Arbeiterinnen – und sucht eine neue Bleibe. Die liegt dann in einem Hohlraum. Besonders geeignet sind verlassene Spechthöhlen. Das können allerdings auch Rollokästen in Eigenheimen sein.

Was kann ich tun, wenn sich ein Bienenschwarm bei mir zu Hause eingenistet hat?

Mirbach: Wenn ein Bienenschwarm schon im Apfelbaum vor der Haustür auffällt, sollte man sofort einen Imker anrufen, der den Schwarm einfangen wird, um für ihn ein neues Zuhause zu suchen. Haben sich die Bienen bereits im Dachgeschoss oder woanders im Haus eingerichtet, fangen sie sofort mit dem Wabenbau und dem Anlegen der Brut an. Und dann wird es immer schwieriger, das „Nest“ zu entfernen. Wichtig ist, so früh wie möglich anzurufen.

Seit Jahren warnen Naturschützer vor anhaltendem Insektensterben. Andererseits ist das Hobby der Imkerei trendy geworden.

Mirbach: Die Anzahl der Hobby-Imker mit drei bis fünf Völkern wächst. Unser Kreisverband zählt mittlerweile so um die 350 Mitglieder. Unsere Kurse für Imkerei sind schnell ausgebucht. Da hat sich das Bewusstsein für die Honigbiene verändert – besonders in den Ballungszentren. Durch die Belastung in der Landwirtschaft mit Pestiziden und großflächigem Anbau findet die Honigbiene dort nicht genügend Futter. Im Vorgebirge ist das Angebot für die Bienen dagegen gut. Das heutige Problem für die Insekten ist zum großen Teil die Betonierung der Vorgärten. Da haben Insekten keine Chance auf Nahrung.

Sie setzen Ihre zweieinhalb Millionen Bienen – ein Volk umfasst rund 40 000 bis 50 000 Insekten – verschiedenen Blüten und Pflanzen aus. Dadurch sind Ihre beiden Trachten, sprich die Ernten, im Jahr auch vielfältig an Geschmackssorten. Welche mögen Sie als Imker am liebsten?

Mirbach: Ich mag am liebsten Mischsorten – mal süß, mal eher herb. Im Vorgebirge gibt es sowieso keine reine Sorten.