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Kommunalwahl: Vor welchen Herausforderungen steht Bornheim?

Bornheim vor der Kommunalwahl : Vor welchen Herausforderungen steht Bornheim?

Bornheim ist ein attraktiver Wohnort. Allerdings gibt es einigen Nachholbedarf - für die vorhandenen Einwohner und für die Menschen, die bald dort leben werden. Vor welchen Herausforderungen steht die Stadt?

Man könnte die Geschichte als Provinzposse abtun. Elf Jahre lang kämpfte ein CDU-Politiker aus dem Bornheimer Rheinort Hersel für Ortsschilder. Er stellte Anträge an die Stadtverwaltung, wälzte alte Karten und blieb vor allem hartnäckig – bis im vergangenen Jahr die Schilder aufgestellt wurden und nun ausweisen, dass weite Teile des Gewerbegebiets Bornheim Süd, auch Roisdorfer Gewerbegebiet genannt, eben nicht in Roisdorf liegen, sondern auf Herseler Gebiet.

Dahinter steckt aber mehr. In den Schildern manifestiert sich, dass Bornheim auch  mehr als 50 Jahre nach seiner Gründung und fast 40 Jahre nach der Stadtwerdung weiterhin mit seiner Identität kämpft. In den Rheinorten fühlt sich noch immer so mancher vom Rathaus am Vorgebirgshang vernachlässigt, und vermutlich dürften sich die Menschen in Walberberg nur mäßig für die Belange der Roisdorfer interessieren. Bornheim ist nun einmal zersiedelt: Drei Stadtteile liegen direkt am Rhein, zehn schmiegen sich an den Ville-Rücken an – und dazwischen liegt Sechtem. Ein richtiges Stadtzentrum wie Meckenheim, Rheinbach oder gar Bonn hat Bornheim nicht – allen Bestrebungen zum Trotz, die Königstraße und den Peter-Fryns-Platz aufzuwerten.

Dennoch, aber auch gerade ob der Struktur der Stadt, gibt es eine Bandbreite von Themen für ganz Bornheim, die auf der Agenda der Kommunalpolitik, des kommenden Stadtrats und des neuen Bürgermeisters oder der neuen Bürgermeisterin, stehen.

■ Wohnen und Leben: Bornheim baut. Während in Hersel weitere Gewerbeflächen entstehen sollen, können sich viele Bornheimerinnen und Bornheimer mittelfristig über neue Nachbarn freuen. Größere Neubaugebiete sind etwa in Hersel, Bornheim, Roisdorf, Merten oder Sechtem geplant. Jedes Baugebiet entfacht aber Diskussionen: über den zusätzlichen Verkehr auf den schon jetzt vollen Straßen, über weitere Versiegelung von Flächen, über den Anteil von Ein- und Mehrfamilienhäusern beziehungsweise von öffentlich gefördertem Wohnraum – und nicht  zuletzt über die notwendige soziale Infrastruktur. Schon jetzt investiert die Stadt Millionen in Schulerweiterungen. In Merten soll etwa ein völlig neues Gebäude für die Gesamtschule entstehen. Noch dringender ist die Notwendigkeit, weitere Kita-Plätze zu schaffen. Zum Beginn des Kindergartenjahres Anfang August fehlten 169 Plätze. Sicher: Viele Kita-Neubauten beziehungsweise -erweiterungen sind bereits in Planung. Allerdings dürfte auch das, angesichts der vielen Neubaugebiete, nicht reichen.

■ Alternativen zum Auto: In der Flächenstadt Bornheim ist das Auto für die meisten Menschen weiterhin das Verkehrsmittel Nummer eins. Was auch verständlich ist. Schließlich ist es etwa für einen Widdiger schon sehr umständlich, mit dem öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu einem Termin ins Rathaus zu fahren. Mit dem Fahrrad ist es wenig komfortabel und mitunter richtig gefährlich. Man denke nur an den Verkehrsunfall zwischen Sechtem und Merten, der für einen Radler vor wenigen Wochen tödlich endete. Im jüngsten Fahrradklimatest hat Bornheim die Note 4,5 erhalten. Der nächste Stadtrat muss gegensteuern und den Radwegausbau forcieren. Das muss überdies kein Widerspruch zu notwendigen Straßensanierungen sein. Beides kann oder sollte vielmehr Hand in Hand gehen. Beim ÖPNV bilden die Stadtbahnlinien 16 und 18 sowie die Eisenbahnstrecke die Hauptachsen. Nicht aus dem Blick verlieren darf die Politik den zweigleisigen Ausbau der Linie 18, einhergehend mit einer Taktverdichtung. Verbesserungswürdig sind die Querverbindungen zwischen Rhein und Vorgebirge sowie der Kleinbus Berghüpfer, der die Höhenorte erschließt.

■ Große Räder: Häufigere Unwetter, Dürren und ein geschädigter Wald belegen, dass der Klimawandel längst auch in Bornheim angekommen ist. Maßnahmen, diesem zu begegnen und die Umwelt zu schützen, sind auch in der Vorgebirgsstadt notwendig. Eine solche Maßnahme erregt allerdings gerade die Gemüter von Anwohnern und Politikern. Seit Längerem ist bekannt, dass verschiedene Unternehmen gerne Windräder auf dem Ville-Hang zwischen Rösberg und Brenig bauen wollen. Die Anwohner sind auf der Palme. Politik und Verwaltung müssen eine Lösung beziehungsweise einen Standort für die Windräder finden, der keinen Ärger in der Nachbarschaft hervorruft, aber auch nicht von den Energieerzeugern rechtlich angreifbar ist.

■ Schätze heben: Sowohl der Bahnhof in Roisdorf als auch der alte Herseler Sportplatz geben derzeit kein schönes Bild ab. Allerdings hat die Station das Potenzial,  ein attraktives Eingangstor der Stadt sowie ein Mobilitätsknotenpunkt zu werden, an dem sich komfortabel zwischen Auto und ÖPNV wechseln lässt – Stichwort Verkehrswende. Der alte Fußballplatz am Rhein könnte in ein paar Jahren ein idyllischer Aufenthaltsort für Jung und Alt werden. Beide Projekte kosten Geld, sind aber lohnenswert. Apropos Rhein: Zwar ist der Einfluss der Kommune begrenzt, allerdings sollten die Verantwortlichen alles dafür tun, dass sich Land und Bund endlich über die Sanierung des abrutschgefährdeten Rheinufers bei Uedorf und Widdig einig werden.

■ Gemeinschaftsgefühl: Bornheim liegt bekanntlich am Rhein. Einem Bürgerantrag, die Stadt mit dem offiziellen Zusatz „am Rhein“ zu versehen, folgte die Politik aber nicht. Schließlich gibt es da ja auch den Vorgebirgshang – und eben Sechtem mittendrin. Es ist weiterhin beständige Aufgabe der Politik, in Dersdorfern, Brenigern oder Hemmerichern ein Bornheim-Gefühl zu fördern.

Bereits vor einigen Jahren wurde ein Stadtmarketingprozess dazu angestoßen. Dieser hat bislang aber wenig Konkretes zutage gebracht. Politik und Verwaltung haben die Aufgabe, das Bornheimer Gemeinschaftsgefühl zu stärken – vielleicht mit mehr stadtübergreifenden Veranstaltungen. Zugleich dürfen die Stadtteile nicht vergessen werden. Das ist ein Spagat. Dieser ist aber nötig, damit das Aufstellen eines Ortsschilds eben keine aufsehenerregende Nachricht ist.