Beschluss der Bornheimer Politik Kostenlose Menstruationsartikel an weiterführenden Schulen in Bornheim

Bornheim · An den weiterführenden Schulen in Trägerschaft der Stadt Bornheim gibt es bald kostenloses Menstruationsartikel. Zunächst aber nur testweise.

Spender mit kostenlosen Menstruationsartikel sollen zunächst zum Schuljahresende in den weiterführenden Schulen in Trägerschaft der Stadt Bornheim aufgestellt werden. Foto: dpa

Spender mit kostenlosen Menstruationsartikel sollen zunächst zum Schuljahresende in den weiterführenden Schulen in Trägerschaft der Stadt Bornheim aufgestellt werden. Foto: dpa

Nach der Stadt Hennef wird nun auch Bornheim als Kommune im Rhein-Sieg-Kreis Menstruationsartikel kostenlos in den weiterführenden Schulen in ihrer Trägerschaft bereitstellen. Dazu werden zunächst bis zum Schuljahresende im Juni 2023 Automaten mit Tampons und Binden aufgestellt. Die Mitglieder des Bornheimer Schulausschusses folgten damit einem Antrag von SPD und Grünen.

Ebenso beschloss der Ausschuss, dass Vertreterinnen und Vertreter der Schulen nach der Testphase im Ausschuss das Projekt bilanzieren sollen. Knapp eine Stunde diskutierten die Ausschussmitglieder über das Thema. Unstrittig war die grundsätzliche Idee, die Menstruationsartikel kostenlos zur Verfügung zu stellen, befürchtet wurden aber Missbrauch und Vandalismus an dem frei zugänglichen Automaten.

Was das Projekt die Stadt Bornheim kostet

Insgesamt elf Automaten werden ab Januar im Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, in der Europaschule sowie in der Heinrich-Böll-Gesamtschule aufgestellt. In der Verbundschule Uedorf wird es keinen Automaten geben. „Bei uns werden Menstruationsartikel über die Klassenlehrerin verteilt. Die Mädchen haben keine Probleme damit“, erklärte Verbundschulleiter André Decker.

Die Schulvertretungen selbst hatten das Projekt im vergangenen Jahr initiiert, was dann in den Ausschussantrag von SPD und Grünen mündete. Bislang wurde die Verteilung von Menstruationsartikeln in den Schulen individuell geregelt. Durch die Automaten erhoffen sich die Schulleiter eine vereinfachte und attraktivere Vorgehensweise für die insgesamt 1560 Mädchen und jungen Frauen an den drei Schulen.

Die Anschaffungskosten für elf Automaten liegen laut Stadtverwaltung bei etwa 2000 Euro, die laufenden Kosten für die Bereitstellung der Menstruationsartikel bei voraussichtlich 468 Euro pro Jahr. Die Verwaltung rechnet dabei mit 30 Euro pro 100 Schülerinnen und Jahr.

Erfahrungen aus Düsseldorf

Ob der angedachte Verbrauch ausreicht, wird man im Laufe der kommenden Monate feststellen. „Die Stadt Düsseldorf ist in dem Bereich Pionier. Wir haben deren Verbrauchszahlen übernommen und werden nun sehen, wie es sich entwickelt“, erklärte Alexander Sturm, Abteilungsleiter Schulen im städtischen Schul- und Sportamt, in der Ausschusssitzung.

Für Grünen-Ausschussmitglied Markus Hochgartz sollten Menstruationsartikel auf Schultoiletten so selbstverständlich sein wie Toilettenpapier. Dass Spender zerstört oder Toiletten verstopft werden könnten, sei ein Risiko, sagte Klaus Hannak, Schulleiter Heinrich-Böll-Gesamtschule. „Wir können letztlich nur das Beste hoffen“, meinte er. In der Europaschule erhielten die Mädchen ihre Menstruationsartikel bisher bei Bedarf und nur im Notfall im Sekretariat, sagte Schulleiter Eike Brandt. Er erhofft sich durch die neue Regelung eine verstärkte Nutzung, zumal der Wunsch nach einer solchen Regelung über die Schulvertretung geäußert worden sei.

SPD-Politikern rechnet vor

Christian Dubois, Leiter des Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums, schloss sich den Argumenten seiner Kollegen an und begrüßte darüber hinaus das schulübergreifende Engagement der Schülervertretungen. „Wir wünschen uns doch, dass Schüler politisch interessiert werden“, sagte er.

SPD-Ausschussmitglied Anna Peters hatte gerechnet. Wer zwischen dem 13. und 51. Lebensjahr seine Menstruation hat, verbraucht durchschnittlich rund 9120 Tampons. Eine Großpackung Tampons (64 Stück) kostet fünf Euro. Gerade für junge Frauen könne die Menstruation schnell zur Belastung werden“, meinte Hochgartz, „vor allem im Unterricht, wenn mal keine Tampons und Binden griffbereit sind“. Aus Scham, aber auch aus finanziellen Gründen, könne es dazu kommen, dass junge Frauen den Unterricht unfreiwillig versäumen, begründete er den Antrag.

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