Gespräch am Wochenende Millionenbetrüger Josef Müller: Gier frisst Hirn

Der Millionenbetrüger Josef Müller stellt in Roisdorf sein Buch „Ziemlich bester Schurke“ vor. Im Gespräch gibt er Einblicke in ein bewegtes Leben.

 "Diesen Lebensstil konnte ich nicht vom einen auf den anderen Tag aufgeben, auch wenn alles Geld weg war", sagt Josef Müller.

"Diesen Lebensstil konnte ich nicht vom einen auf den anderen Tag aufgeben, auch wenn alles Geld weg war", sagt Josef Müller.

Foto: privat

Man kannte den Anlage- und Steuerberater als Konsul von Panama. Mit dem Millionenbetrüger Josef Müller sprach Adrian Arab über die Gier, die blind macht, seinen Wandel und seinen Weg zu Gott.

Sie gaben Ihrem Buch den Titel „Ziemlich bester Schurke“. Wie kommt der Schurke in Ihren Lebenslauf?
Josef Müller: Das war kein geplanter, sondern ein schleichender Prozess. Grund allen Übels war meine unendliche Geldgier, das Streben nach dem ultimativen Reichtum. In den 90er Jahren habe ich – damals war ich Steuerberater – Geschäfte mit einem US-Amerikaner gemacht und für ihn Gelder im Wert von insgesamt 40 Millionen Euro nach Deutschland eingeführt.

Daran ist nichts kriminell, kompliziert stelle ich mir das trotzdem vor.
Müller: Damals waren die Gesetze gegen Geldwäsche weitaus laxer als heute. Dennoch habe ich die Gelder in großen Samsonite-Koffern, in bar, eingeführt. Die Gelder habe ich an der Börse angelegt und – so kann man es nennen – mich schlichtweg verspekuliert.

Sich zu verspekulieren, ist auch noch nicht kriminell.
Müller:Nein. Das waren hochriskante, aber keine kriminellen Geschäfte. In der Rückschau war das Risiko in etwa vergleichbar mit russischem Roulette. Irgendwann habe ich dann erfahren, dass die Gelder, die ich da geschleust hatte, allesamt aus kriminellen Geschäften stammten. Der Typ war ein Mafiaboss, seine gesamte Lebensgeschichte komplett erfunden. Dass ich seine Gelder an der Börse verloren hatte, fand der gar nicht lustig und setzte einen Auftragskiller auf mich an.

Zum Verhängnis wurde Ihnen dann ihr extravaganter Lebensstil?
Müller: Ja. Ich habe in höchsten Kreisen verkehrt, war deutscher Konsul von Panama, habe Jachten besessen und bin Rolls-Royce gefahren. Diesen Lebensstil konnte ich nicht vom einen auf den anderen Tag aufgeben, auch wenn alles Geld weg war. Ich habe mir also von meinen Kunden Gelder geliehen. Auch mit diesen Geldern habe ich mich verspekuliert und konnte sie nicht mehr zurückzahlen. Dafür wurde ich verurteilt.

Die Gefängnisstrafe haben Sie aufgrund Ihrer Behinderung nicht absitzen müssen. Stattdessen haben Sie weiter spekuliert und Menschen mit hohen Renditen gelockt. Wie konnten Sie Ihre Anleger mit Traumrenditen überzeugen?
Müller: Das war verdammt einfach. Die Geldgier bringt Menschen dazu, einzig Erfolge zu sehen und Risiken auszublenden. Meine Anlagen waren ja nachhaltig, ich habe zuverlässig Dividenden gezahlt und hohe Gewinne an der Börse erzielt. 400 Menschen aus ganz Europa und allen Gesellschaftsschichten haben in sechs Monaten 20 Millionen Euro über mich angelegt. „Gier frisst Hirn“, sage ich dazu. Zum Verhängnis wurden mir dann drei Freunde, die mit einer juristisch perfiden Methode meine Konten gepfändet haben. Ich kam an das Geld nicht mehr ran und konnte dementsprechend weder handeln noch meine Kunden ausbezahlen. Ich bin dann ins Ausland geflüchtet, um die wahren Hintergründe über den Verbleib zu klären, damit meine Unschuld zu beweisen und mich wenig später der Polizei zu stellen. Verurteilt wurde ich für den Börsenhandel ohne Genehmigung, nicht dafür, dass das Geld weg war. Die drei ehemaligen Freunde sitzen für ihre Verbrechen heute auch im Gefängnis oder sind gestorben.

Hat es Ihnen geholfen, Ihre Anleger zu überzeugen, dass Sie im Rollstuhl sitzen?
Müller: Ich habe meine Behinderung niemals wissentlich dazu benutzt, Menschen zu überzeugen, das wäre schamlos gewesen. Trotzdem kann ich nicht abstreiten, dass meine Behinderung unterschwellig dazu geführt haben mag, dass mir die Leute vertraut haben.

Sie verkehrten einst in Kreisen der High Society, sowohl der Gaddafi-Clan, Prinz Charles als auch Sylvester Stallone zählten zu Ihren Bekannten. Haben sich Kontakte aus ihrem „alten Leben“ nach Ihrer Wandlung noch mal gemeldet?
Müller: Ich habe heute weder mit diesen reichen Leuten noch irgendwelchen Amtsträgern Kontakt. Dieses Schampusleben liegt hinter mir. Heute züchte ich Tomaten in meinem Garten, halte Vorträge und lebe ein glückliches Leben.

Ist Ihr krasser Imagewandel der Versuch, trotz Ihrer Millionenschulden, wieder von der Öffentlichkeit anerkannt zu werden?
Müller: Die Öffentlichkeit interessiert mich null. Die liebt dich, hebt dich hoch, küsst dich und lässt dich fallen. Ich bin zweimal fallengelassen worden. Heute habe ich mit Gott etwas Besseres gefunden. Heute pumpt mich keiner mehr an. Im Gefängnis war ich am Ende. Ich hätte mich umbringen können, und war auch kurz davor. Dann kam Gott, den ich gebeten habe, mir in meiner schlimmsten Stunde zu helfen. Und er hat mir geholfen. Diese Erfahrungen teilen zu dürfen, erfüllt mich.

Am Freitag, 13. Mai, 20 Uhr, berichtet Müller auf Einladung der Jugendgruppe der Evangelischen Freikirche Bornheim, Rosental 1, aus seinem Buch „Ziemlich bester Schurke“.