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Vor der Bundestagswahl: Politiker auf dem Prüfstand

Vor der Bundestagswahl : Politiker auf dem Prüfstand

Schüler des Bornheimer Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums befragen die Direktkandidaten des Wahlkreises Rhein-Sieg-Kreis II. Dabei geht es um die Ehe für alle, aber auch um das Thema Digitalisierung.

Zwischen gefühlter und tatsächlicher Redezeit gibt es – gerade in der Selbstwahrnehmung von Politikern – oft deutliche Unterschiede. Diese Erfahrung machten jetzt auch die Schüler des Bornheimer Alexander-von-Humboldt-Gymnasiums (AvH), die am Mittwoch zur Podiumsdiskussion anlässlich der bevorstehenden Bundestagswahl eingeladen hatten. Mitunter hatten die drei Moderatoren Sebastian Ungermanns, Tjark Rhode und Charlotte Offermann ihre liebe Mühe, die Kandidaten gleichermaßen zu Wort kommen zu lassen.

In wenigen Sätzen abzuarbeiten waren die Themen, die sich die Politik- und Sozialwissenschaftskurse der Jahrgänge 8 bis Q1 für die fünf Direktkandidaten des Wahlkreises Rhein-Sieg II ausgesucht hatten, tatsächlich nicht. So gut es in der knapp bemessenen Zeit ging, versuchten Norbert Röttgen (CDU), Bettina Bähr-Losse (SPD), Martin Metz (Grüne), Christian Pohlmann (FDP) und Michael Droste (Linke) ihre Positionen zu Fragen der Gleichstellung, der Digitalisierung und der Außenpolitik darzustellen. „Wir leben in der politischsten Zeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs“, sagte Norbert Röttgen, nachdem Schulleiter Christian Dubois in seiner Begrüßungsansprache die Initiative von Schülern und Lehrern bei der Vorbereitung gelobt hatte.

Röttgens Abstimmungsentscheidung interessiert die Schüler

Mit der Ehe für alle, die vergangene Woche vom Bundestag beschlossen wurde, stiegen die Schüler in ein hochaktuelles Thema ein und wollten natürlich besonders von CDU-Mann Norbert Röttgen wissen, warum er sich bei der Abstimmung gegen den Gesetzentwurf entschieden habe.

„Die Ehe von Mann und Frau ist in ihrer Bedeutung für die Gesellschaft mit keiner anderen Verantwortungsgemeinschaft vergleichbar“, begründete Röttgen seine Position – auch wenn die Frage, ob die „Homophobie zum konservativen Markenkern der CDU“ gehöre, nicht ganz so diplomatisch formuliert war, wie die des Moderationsteams.

Zum Abstimmungsverhalten seiner Partei, die sich im Gegensatz zu anderen uneins gezeigt hatte, sagte er, sie spiegele ein realistisches Bild der unterschiedlichen Auffassungen wider. Er bedauere sehr, dass über dieses bedeutsame Thema durch das gemeinsame Agieren von SPD, Linken und Grünen in einem „unwürdigen parlamentarischen Hauruck-Verfahren“ entschieden worden sei.

Bettina Bähr-Losse war erfreut, dass die Ehe für alle nun durchgesetzt sei und bewertete die „Freigabe“ der Abstimmung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel als positiv.

Grünen-Kandidat Martin Metz gewinnt die „AvH-Wahl“

80 Prozent der Bevölkerung habe seit Jahren die Meinung, dass es Zeit für die Ehe für alle sei, erklärte FDP-Mann Christian Pohlmann. „Was zwei Menschen miteinander machen oder auch nicht, geht den Staat nichts an“, meinte auch Martin Metz (Grüne). In eine ähnliche Richtung ging Michael Drostes (Linke) Beitrag. „Warum soll die Politik jemandem vorschreiben, wie er zu leben hat?“, betonte er. Lebhaft diskutiert wurde ebenfalls der Komplex Digitalisierung, wobei sich hier die Vorratsdatenspeicherung – wie es Bähr-Losse ausdrückte – als „ganz heißes Eisen“ erwies. „Es gibt einen ganz schmalen Grat zwischen Freiheit und Sicherheit“, sagte sich mit Blick auf den Datenschutz.

Als „Skandal“ bezeichnete Michael Droste das sogenannte Staatstrojaner-Gesetz, das der Bundestag beschlossen hat und das die Erlaubnis zum „staatlichen Hacken“ ausweite. „Das ist wie der Schlüssel zu eurer Haustür“, wetterte er. Das spannende Feld der Außenpolitik, bei dem unter anderem US-Präsident Donald Trump und das türkische Staatsoberhaupt Recep Erdogan auf dem Zettel standen, kam als letztes auf den Tisch.

Danach hatten die rund 100 Teilnehmer der Veranstaltung die Möglichkeit, bei der „AvH-Bundestagswahl“ ihre Stimme für einen Kandidaten abzugeben. Dabei ging Grünen-Kandidat Martin Metz mit 44,7 Prozent der Stimmen als deutlicher Sieger hervor. Auf dem zweiten und dritten Rang landeten Bettina Bähr-Losse (24,5 Prozent) und Norbert Röttgen (20,2 Prozent). Ob sich das Abstimmungsergebnis bei der Wahl im September ähnlich darstellt, werden die Schüler sicher mit Spannung verfolgen.