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Radfahrer protestieren in Widdig gegen die geplante Rheinspange

Verkehrsplanung : Auf dem Fahrrad gegen die Rheinspange

Mit null PS für eine nachhaltige Verkehrspolitik: 80 Radler demonstrieren am Rhein bei Widdig gegen die dort geplante Rheinquerung.

Etwa 80 Radler machten Station an der Widdiger Nato-Rampe. Jedes Jahr, wenn in Deutschland noch in allen Bundesländern Sommerferien sind, ist die „Tour de Natur“ immer wieder in verschiedenen Regionen Deutschlands unterwegs, um Bürgerinitiativen oder lokale Aktionen, die sich für Klima- und Naturschutz einsetzen, zu unterstützen.

In diesem Jahr startete die Fahrrad-Demo in Lützerath-Kerpen (Tagebau Garzweiler und Hambach), um nach zwölf Etappen Mitte August in Heusenstamm bei Frankfurt (dort beginnt Mitte August die Anti-Atom-Radtour Süd) „einzuradeln“. 59 Kilometer legten die Teilnehmer im Alter zwischen zwei und 70 Jahren am zweiten Tag zurück – zum ersten Mal waren sie mit einem Zwischenstopp in Widdig vertreten.

Einen großen Bahnhof bereiteten die Klimaschutzaktivisten Parents for Future (P4F) Bornheim/Swisttal/Weilerswist, der Landschafts-Schutzverein Vorgebirge (LSV) und die Bürgerinitiative „Nein zur Rheinspange, Ja zur Nulllösung“ ihren Gästen. Jede Menge Kinder, Eltern, Vereinsmitglieder und Anwohner erwarteten die Demo-Radler, lautstarker Applaus brandete beim allmählichen Eintreffen auf.

„Vordringlicher Bedarf“ im Bundesverkehrswegeplan

„Ihr seid meine Helden. Dass Ihr bei diesen Temperaturen solch eine Strapaze auf Euch nehmt, ist schon toll“, freute sich Angela Austermann (P4F). Plakate und Stände mit Flyern machten den heimischen und auswärtigen Besuchern die Dringlichkeit eines „Neins zur Rheinspange“ noch einmal deutlich.

Eine Querung als Verbindung zwischen der A 555 und der A 59 wird seit Jahren diskutiert. Der Bau einer vierspurigen Autobahn wurde im Bundesverkehrswegeplan, den der Bundestag 2016 beschlossen hat, als „vordringlicher Bedarf“ eingestuft. Zwölf Varianten kristallisierten sich als mögliche Lösung (Tunnel oder Brücke) heraus. Der Entwurf der Umweltverträglichkeitsprüfung der Autobahn GmbH setze, so Norbert Kemmer von der BI „Nein zur Rheinspange“, die Tunnellösung bei Widdig „als Nummer eins, auch wenn dies keine Entscheidung ist“.

Kritik: Maßstäbe von gestern

Bis Ende August können die Kommunen und Träger öffentlicher Belange ihre Kommentare dazu abgeben, „wir und der LSV sind nicht dabei“, kritisierte der Umweltaktivist aus Widdig. Die Zeitschiene ist eng getaktet. Im September soll der Umweltverträglichkeitsentwurf samt Kommentaren veröffentlicht werden, eine wirtschaftliche Abwägung samt verkehrlicher Auswirkungen aller Varianten folgt. Im Winter 2022/23 soll dann das Prozedere abgeschlossen sein.

Für Kemmer ein Unding, denn „wer jetzt noch mit Maßstäben von gestern die Verkehrspolitik von morgen lösen möchte, liegt falsch. Obwohl neue nachhaltige Mobilitätskonzepte und dringende Klimaschutz-Maßnahmen gerade im Verkehrssektor unumgänglich sind, wird die neue Autobahn vom Planer und von der verantwortlichen Politik als alternativlos dargestellt“. Seine Forderung: das Geld für die Rheinspange in eine wirksame Mobilitätswende stecken.

Klimawandel als tickende Zeitbombe

Für den stellvertretenden LSV-Vorsitzenden Norbert Brauner ist die Kooperation zwischen Umwelt- und Klimaschutzverbänden ausgesprochen wichtig, um „somit den Widerstand größer werden zu lassen“. Berthold Lehn (P4F), Organisator des Stopps, wies auf den Klimawandel als „tickende Zeitbombe“ hin. So zeige die Mercator-Uhr des Instituts zur Erforschung des Klimawandels sechs Jahre, elf Monate, 17 Tage und 22 Stunden an, um das Ziel, die globale Erwärmung auf maximal 1,5 Grad zu begrenzen, zu erreichen.

Daher resultiert sein Widerstand auch gegen die Rheinspange, den Protest äußert er in regelmäßigen 60-Kilometer-Radtouren. Die Hoffnung, das Projekt zu verhindern, hat der grüne Kommunalpolitiker Arnd Kuhn noch nicht aufgegeben. Er setzt dabei auf seinen Parteifreund, den neuen NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer. „Die Bundesregierung will noch einmal alle Verkehrsprojekte auf den Prüfstand stellen. Dann müssen die Länder Stellungnahmen abgeben. Vielleicht kommt die Rheinspange dann nicht zustande.“