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Aktion in Rheinbach und Walberberg: Schnitzeljagd soll Langeweile in Corona-Krise vertreiben

Aktion in Rheinbach und Walberberg : Schnitzeljagd soll Langeweile in Corona-Krise vertreiben

Zwei Frauen aus Rheinbach und Walberberg haben Schnitzeljadgen für Familien in ihren Orten organisiert. Beide finden auch am kommenden Wochenende wieder statt.

Wie beschäftige ich mein Kind in Zeiten von Corona und geschlossenen Kitas? Annette Hilger aus Rheinbach und Valerie Lesaar aus Walberberg sind auf dieselbe Antwort gekommen: Schnitzeljagd. Damit auch andere Familien davon profitieren können, haben sie ihre Schatzsuchen öffentlich gemacht. Die Walberberger haben Lesaar noch mehr zu verdanken: Sie ist die Initiatorin der dortigen Nachbarschaftshilfe.

Die Rheinbacherin Annette Hilger hatte die „Jagd aufs Osternest“ eigentlich für die Grundschulklasse ihrer ältesten Tochter geplant, berichtet die Psychologin. Doch die Aktion habe sich an den Tagen nach Ostern ausgeweitet: Noch bis Sonntag, 26. April, 21 Uhr können Familien im Rheinbacher Wald an der Suche teilnehmen. Einzige Voraussetzung ist laut Hilger ein wenig Ortskenntnis.

Der Startpunkt ist ein Platz im Wald mit Tipis, BMX-Kuhle und Balancierstamm, erzählt die Mutter dreier Kinder. Dort sei ein Baum mit einem weißen Faden markiert. „Folgt man der Spur der weißen Fäden gelangt man an ein Keramikhuhn. Dieses brütet über einer wetterfesten Geschenkekiste. Hier kann jedes teilnehmende Kind eine kleine Überraschung entnehmen“, sagt die Bildungsreferentin.

Im Gegenzug sollen die Kinder selbst eine blickdicht verpackte Kleinigkeit hinterlassen, „gerne mit einer Zettelbotschaft für das nächste Kind“, oder 30 Cent zahlen. Mit diesem Beitrag kauft Hilger die Überraschungspäckchen, mit denen sie das Nest regelmäßig auffüllt. Das Huhn kann ihr zufolge auf der öffentlichen Grünanlage Holunderweg/Ecke Weilerweg auch direkt angefahren werden.

Schatzsuche auch in Walberberg

In Walberberg warteten Süßigkeiten in einer Piratenschatztruhe verpackt darauf, gefunden zu werden. Versteckt hatte sie die Bornheimerin Valerie Lesaar. Um die Truhe zu erreichen, mussten die Kinder von ihr entwickelte Rätsel lösen, die sie unterwegs in Umschlägen verteilt hatte. Den Startpunkt gab die Bornheimerin über Facebook heraus. Rund anderthalb Stunden waren die Kleinen, die teilweise kostümiert auf Entdeckungsreise gingen, beschäftigt.

„Ich höre vermehrt Eltern, denen mit ihren Kindern die Decke auf den Kopf fällt. Es war mir eine Freude, eine kleine Sonntagsabwechslung zu bescheren“, erklärt Lesaar ihre Motivation. Weil sie so gut ankam, will Lesaar die Aktion am kommenden Sonntag ab 11 Uhr wiederholen. Der Kontakt läuft über Facebook.

Die Schatzsuche ist nicht das einzige, was Lesaar in den vergangenen Wochen organisierte. Wegen Ohmachtsanfällen und erhöhten Viruswerten kam sie Anfang des Jahres ins Krankenhaus. Nach drei Wochen Selbstquarantäne waren ihre Blutwerte wieder normal, doch das aufkommende Coronavirus brachte sie ins Grübeln: „Vor allem mein Dorf, in welchem ich meinen Heimathafen fand, machte mir Sorgen. Bauern, Selbständige, Kinder, Senioren – was sollte hier passieren?“, erinnert sie sich.

Lesaar rief „Walberberg hilft“ ins Leben

Nach der Quarantäne startete sie deswegen die Nachbarschaftshilfe „Walberberg hilft“. Am Anfang sei sie dafür belächelt worden, doch das Netzwerk habe schnell an Routine gewonnen – und mit der Angst vor Corona sei auch die Bereitschaft gestiegen, Hilfe anzunehmen. „Einer der Helfer hat mittlerweile 30 betreute Familien“, sagt Lesaar, die in einer Beratungsfirma für Führungskräfte arbeitet.

Mittlerweile hätten sich auch der Sportverein und der Junggesellenverein angeschlossen. „Wir starteten Dankeschön-Aktionen für LKW, Einzelhandel und an Seniorenwohnheimen. Die Damen der Katholischen Frauengemeinschaft und einige andere Ladies versorgten uns und die Apotheke mit den ersehnten Hilfsmasken.  Jeder konnte seinen Beitrag leisten“, freut sich Lesaar.

Um den Wegfall von Seelsorge und sozialen Kontakten zu kompensieren, habe sie mit der Kirche darüber gesprochen, Gottesdienste für Senioren ohne Internet per Telefonkonferenz oder auf Kassette anzubieten. Auch ein Seelsorgetelefon sei Thema gewesen. Dieses stellt seit Anfang der Woche der Stadtjugendring Bornheim bereit (☏ 01 52/26 40 75 18). „Leider merkte ich, dass viele Themen kaum Adressaten bei den Entscheidern fanden.“

Um die Sorgen und Geschichten ihrer Mitmenschen hörbar zu machen, führt sie Videointerviews: Auf dem Youtube-Kanal „Valerie Lesaar Corona-Hilfe“ stellte sich unter anderem Landtagsabgeordneter Jörn Freynick ihren Fragen. Bürgermeister Wolfgang Henseler sei für dieses Format bisher nicht zugänglich gewesen, bedauert sie.