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Spargel Ritter in Bornheim: Erntehelfer verlassen Unterkünfte

Insolvenz von Spargel Ritter : Erntehelfer verlassen Unterkünfte in Bornheim

Die letzten Erntehelfer haben am Montagnachmittag die Container bei Spargel Ritter in Bornheim verlassen. Einige von ihnen kehren nach Rumänien zurück, andere haben neue Arbeitgeber gefunden. Unterdessen hat die Partei Die Linke den Insolvenzverwalter angezeigt.

Die Tage der Ungewissheit haben ein Ende. Am Montagnachmittag haben die letzten rumänischen Erntehelfer, die noch in den Containern von Spargel Ritter an der Straße Ühlchen in Bornheim geblieben waren, ihre Unterkunft verlassen. Sie schleppten Koffer und Taschen aus ihren Zimmern. Nun kehren sie zum Teil mit Privatwagen und mit einem Kleinbus zurück nach Rumänien. Andere haben neue Arbeitgeber gefunden, etwa auf einem Biohof in Jüchen bei Mönchengladbach.

Dass die Erntehelfer ihre Unterkünfte spätestens am Montag räumen sollten, war Teil der Absprache zwischen dem rumänischen Generalkonsulat und dem Insolvenzverwalter Andreas Schulte-Beckhausen. Der Betrieb Spargel Ritter ist insolvent. Schulte-Beckhausen beendete vergangene Woche die Ernte und kündigte am Dienstag die Arbeitsverträge der 234 Helfer.

Damit endeten nach der Rechtsauffassung des Insolvenzverwalters auch die Mietverträge. „Es wird aber niemand vom Hof gejagt“, sagte ein Sprecher Schulte-Beckhausens. Es geschehe nichts ohne Absprache, von einer „Zwangsräumung“ könne keine Rede sein. Ein Vertreter der Gewerkschaft Freie ArbeiterInnen Union (FAU) sieht dies anders: Bei Mietverträgen seien gesetzliche Fristen einzuhalten. Man könne die Leute nicht von heute auf morgen auf die Straße setzen. Auch am Montag waren einige FAU-Vertreter an der Unterkunft, um die Stadt Bornheim zu informieren, falls es zu Unstimmigkeiten bei der Abreise kommen sollte. Doch es lief alles friedlich ab, es herrschte eine gelöste Stimmung unter den Helfern.

Übereinstimmend stellen der Sprecher des Insolvenzverwalters und die rumänisch sprechende Rebecca Hausner, die für die FAU Gespräche mit den Erntehelfern führt, fest, dass diese das ihnen zustehende Geld bekommen hätten. Allerdings sagt die FAU, es sei nicht immer der Mindestlohn gezahlt worden. „Definitiv haben nicht alle Erntehelfer ihren vollen Lohn erhalten“, sagte FAU-Sprecher Erik Hagedorn. Ihnen lägen die Unterlagen von rund 200 Beschäftigten vor, deren Arbeitsverträge und was sie an Lohn ausgezahlt bekommen haben. „Das lassen wir jetzt alles durch unsere Anwälte prüfen. Wir gehen davon aus, dass wir in der großen Mehrheit den Restlohn über Klagen reinholen werden, es sei denn, der Arbeitgeber geht noch auf uns zu“, so der Gewerkschaftssprecher.

Klage hat auch der Bundestagsabgeordnete Alexander Neu (Die Linke) aus dem Rhein-Sieg-Kreis bei der Staatsanwaltschaft Bonn gegen den Insolvenzverwalter erhoben. Neu erklärt: „Ich habe Anzeige wegen des Verdachts des Betruges, der Vorenthaltung von Arbeitsentgelt und der vorsätzlichen oder fahrlässigen Körperverletzung erstattet. Die Arbeiter wurden nach unserer Kenntnis gezielt getäuscht. Sie wurden angeworben, ohne dass sie über die laufende Insolvenz informiert wurden, so dass sie das Risiko der Arbeitsverträge nicht einschätzen konnten. Erschwerend kommt hinzu, dass sie die Kosten für die Anreise nach Deutschland selbst übernehmen mussten. Erst durch den Druck von Protesten der Arbeiter wurde Lohn ausgezahlt.“

Wie Arbeiter berichtet hätten, sei der Lohn weder vollständig gewesen, noch hätten sie die Formulare fotografieren und juristisch überprüfen lassen dürfen. Die Arbeitsrechtskanzlei Decruppe in Köln führt in der Anzeige aus: „Da es sich um gewerbsmäßiges, massenhaftes und auf Gewinnerzielung ausgerichtetes Vorgehen des Insolvenzverwalters handelt und hunderte von Saisonarbeitern hierdurch in wirtschaftliche Not gebracht wurden, dürfte ein besonders schwerer Fall des Betruges gegeben sein.“ Wegen möglicher Straftaten und der Nichtabführung von Sozialversicherungsbeiträgen sollen der Zoll und die Sozialversicherungsträger in die Ermittlungen einbezogen werden. Gegen die Erntehelfer sei systematisch intransparent und einschüchternd vorgegangen worden.

Christian Leye, Landessprecher Die Linke in NRW: „Dass eine solche Anzeige nötig ist, wirft ein Schlaglicht auf die Ausbeutungsverhältnisse auch bei den Erntehelferinnen und Erntehelfern in der Landwirtschaft. Nach den Zuständen in der Schlachtindustrie gehören nun diese Arbeitsverhältnisse in der Landwirtschaft auf die politische Tagesordnung.“

Auf Anfrage des GA sagte ein Sprecher Schulte-Beckhausens, dieser kenne die Anzeige nicht und könne deshalb auch keine Stellungnahme dazu abgeben. An der jetzt gefundenen Lösung war auch das Ordnungsamt der Stadt Bornheim beteiligt. Mit Hilfe der Stadt, so Bürgermeister Wolfgang Henseler, konnten auch zahlreiche Erntehelfer an andere Landwirte vermittelt werden.