Verfahren beginnt in Bonn Ehemaliger Spargelbauer Claus Ritter ab Montag vor Gericht

Bornheim · Der ehemalige Bornheimer Spargelbauer soll mit seiner Familie rund 1,7 Millionen Euro beiseite geschafft haben. Das ist aber nur einer von vielen Anklagepunkten.

Claus Ritter war einer der erfolgreichsten Landwirte der Region.

Claus Ritter war einer der erfolgreichsten Landwirte der Region.

Foto: Hans-Peter Fuß/Hans-Peter Fuss

Bankrott, veruntreuende Unterschlagung, Vorenthalten von Arbeitsentgelt, besonders schwerer Betrug und falsche Versicherung an Eides statt: Die Liste der Vorwürfe, die die Bonner Staatsanwaltschaft gegen den ehemaligen Spargelbauern Claus Ritter und zwei Familienmitglieder erhebt, ist nicht gerade kurz. Ab Montag wird nun vor der 11. Großen Strafkammer am Bonner Landgericht gegen den 63-jährigen und seine Frau Sabine verhandelt. Seiner Tochter wird Beihilfe vorgeworfen. Dem Ehepaar werden 66 (Claus Ritter) beziehungsweise 61 Straftaten vorgeworfen, die es zwischen Juni 2018 und dem 15. Juli 2020 begangen haben soll. Auf stolze 1,7 Millionen Euro beziffert die Staatsanwaltschaft die Summe, die die Familie durch den Bankrott erlangt haben könnte. Dazu kommen weitere rund 1,3 Millionen, die Claus Ritter sich durch Betrug verschafft haben soll.

Vermögen dem Zugriff der Gläubiger entzogen?

Die Anklageschrift umfasst im Wesentlichen zwei Komplexe: Da sind zum einen Straftaten in Zusammenhang mit einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), in der das Ehepaar als Gesellschafter verantwortlich war. Es geht um einen so genannten landwirtschaftlichen Sonderkulturbetrieb, sprich die Erdbeer- und Spargelkulturen, mit denen Ritter regionale Bekanntheit als Bornheimer Spargelkönig erlangte. Die Eheleute sollen laut Anklage bereits ab 2019 Vermögenswerte der GbR zur Seite geschafft haben, um sie so dem Zugriff etwaiger Gläubiger beziehungsweise der künftigen Insolvenzmasse zu entziehen. Das Insolvenzverfahren ist am 1. März 2020 eröffnet worden.

Noch vor diesem Zeitpunkt sollen die Angeklagten Fahrzeuge verkauft beziehungsweise verpfändet und Geschäftsunterlagen vernichtet haben, die zur Sicherung der Insolvenzmasse von wesentlicher Bedeutung gewesen sein könnten. An dem „Verschwinden“ der vier bis fünf Umzugskartons soll auch die Tochter beteiligt gewesen sein. Nach der Insolvenzeröffnung sollen dann landwirtschaftliche Fahrzeuge und Geräte im Wert von zirka 246.000 Euro, ein Porsche sowie 23 Tonnen heimlich geernteter Spargel zur Seite geschafft worden sein. Außerdem sollen die Angeklagten vielfach keine Arbeitnehmeranteile für ihre Beschäftigten an die Sozialversicherungen abgeführt haben.

Der zweite Anklagekomplex dreht sich um Betrügereien, Unterschlagungen und eine falsche eidesstattliche Erklärung, die Claus Ritter in Zusammenhang mit seiner Oldtimersammlung zur Last gelegt werden.

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