1. Region
  2. Voreifel & Vorgebirge
  3. Bornheim

Neue Brücke über den Rhein: Stadt Bornheim zweifelt Gutachten zur Rheinspange an

Neue Brücke über den Rhein : Stadt Bornheim zweifelt Gutachten zur Rheinspange an

Von den neun verbleibenden Varianten einer neuen Rheinquerung setzen die meisten Linksrheinischen Modelle in Wesseling an. Die Untersuchungen dazu kann die Stadt Bornheim jedoch nicht nachvollziehen - und will sie juristisch prüfen lassen.

Gelächter hört man bei Ausschusssitzungen eher selten. Die Gutachten zur Rheinspange, die der Leiter des Stadtplanungsamts Andreas Erll am Mittwochabend im Verkehrsausschuss zusammenfassend vorstellte, erschienen aus Bornheimer Sicht teilweise aber so absurd, dass die anwesenden Zuschauer nicht anders konnten. Ein Verzweiflungslachen, denn eine neue Verbindung über den Rhein hätte für die Anlieger weitreichende Konsequenzen. Die Stadt beschloss im Ausschuss deswegen, 70.000 Euro für Rechtsbeistand zum Thema zu veranschlagen.

Neun Varianten in engerer Auswahl

Wie berichtet, soll die Rheinspange 553 auf Wunsch des Bundes die linksrheinische A 555 mit der rechtsrheinischen A 59 verbinden. Damit soll die Verkehrssituation in der Region Köln/Bonn entzerrt werden. Im Linksrheinischen sind die 17 möglichen Varianten entweder in Köln-Godorf, in Wesseling-Urfeld oder Bornheim-Widdig verortet.

Neun Varianten sind nach Untersuchungen in der engeren Auswahl: eine Brückenvariante in Godorf, sechs Varianten als Brücke oder Tunnel in Urfeld und eine Tunnelvariante in Widdig. Die besten Chancen hat eine Trasse, die an der Anschlussstelle Wesseling beginnt, am nördlichen Rand von Niederkassel und parallel zur L 269 und zwischen den Spicher Seen am Lindholzer Weg auf die A 59 trifft.

Erlls Kritik: Der Fokus der Gutachten liege zu sehr auf dem Rechtsrheinischen. Warum die Gutachter neun Varianten als „sinnvoll“ auszeichneten, könne die Stadt nur zum Teil nachvollziehen. Die favorisierte Variante habe sogar das Potenzial, Wesseling und Bornheim nicht zu entlasten, sondern im Gegenteil noch mehr Verkehr aus Euskirchen, Rheinbach und Meckenheim anzuziehen. Das Ziel, den Kölner Raum zu entlasten, sei nur mit einer Variante im Süden von Köln möglich – diese haben in den Untersuchungen mit einer Ausnahme aber schlecht abgeschnitten.

Kritik an Gewichtung der Wirtschaftlichkeit

Die Varianten wurden nach den Kategorien „Wirtschaftlichkeit“, „verkehrliche Wirkungen“ und „Umwelt“ bewertet. Die letzten beiden Kategorien fallen mit 30 Prozent ins Gewicht. „Wirtschaftlichkeit mit 40 Prozent ist aus unserer Sicht sehr hoch bewertet“, sagte Erll. Schaue man außerdem in die Unterpunkte von „verkehrliche Wirkungen“, gehe es auch dort vor allem um Kosten. „Die Entlastung der vorhandenen Querungen spielt aber keine Rolle“, kritisierte der Amtsleiter. Die Varian­ten in Godorf sind laut Gutachten doppelt so teuer wie die Brückenvarianten in Wesseling und Urfeld. „Wir wissen aber nicht, wie diese Kosten zustande gekommen sind.“

Weiterer Kritikpunkt: Die Unterkategorie „Wohnen“ sei der einzige private Belang und mit 2,5 Prozent Gewicht gegenüber den öffentlichen Belangen völlig unterrepräsentiert. „Das ist ein absoluter Mangel am gesamten Gutachten“, fand Erll.

In den Untersuchungen erhält jeder Belang jeder Variante eine Note von 1 bis 12, wobei 1 am besten ist. „Wie die Noten Zustande kommen, ist nicht erkennbar“, kritisierte der Amtsleiter. Die Varianten in Urfeld und die Tunnelvariante in Widdig erhielten beispielsweise gute Noten beim Punkt Grundwasser – das heißt, in diesem Punkt gibt es keine Probleme –, obwohl ein Wasserschutzgebiet zur Trinkwasserentnahme an Urfeld angrenzt und sich über Widdig erstreckt.

Leiter des Stadtplanungsamts kritisiert zweierlei Maß

Beim Punkt Raumwiderstände ist der rechtsrheinische Bereich um Niederkassel im Gutachten gut bewertet, das heißt es gibt dort viele zusammenhängende, schützenswerte Räume. Das Linksrheinische ist unter anderem wegen der Autobahn hingegen deutlich schlechter bewertet. Legt man allerdings die Straßenkarte über die Grafik des Rechtsrheinischen, bietet sich ein anderes Bild. „Da gibt es viele Kreisstraßen mit täglich Tausenden Autos, die das Gebiet zerschneiden“, sagte Erll und wunderte sich, warum hier mit zweierlei Maß gemessen wurde.

Er gehe davon aus, dass die Verantwortlichen sich bis April auf eine sogenannte Vorzugsvariante einigen werden. Dann sind zwei Jahre für die Entwurfsplanung anberaumt, anschließend geht es ins Genehmigungs- und Planfeststellungsverfahren. Um die Planungen juristisch auf fachliche und verfahrensrechtliche Aspekte prüfen zu lassen, hat der Verkehrsausschuss einstimmig beschlossen, 70.000 Euro im Haushalt zu veranschlagen.

Damit soll ein externes Fachbüro beauftragt werden, das eigene Stellungnahmen abgegeben soll. Auf Antrag der Grünen beschloss der Ausschuss zusätzlich prüfen zu lassen, ob beim Bau einer Querung der Klimaschutz ausreichend berücksichtigt wird.