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Nach dem Badverbot in Bornheim: Stadtverwaltung bereitet Bürgerversammlung vor

Nach dem Badverbot in Bornheim : Stadtverwaltung bereitet Bürgerversammlung vor

Frauen äußern in einem Brief an Sozialdezernent Markus Schnapka ihre Sorgen. Asylbewerber Soli Kabki bedankt sich für die freundliche Aufnahme der Flüchtlinge in der Stadt.

Einfach mal „Danke sagen“ für die freundliche Aufnahme in Bornheim wollte Asylbewerber Soli Kabki gestern dem Beigeordneten Markus Schnapka, dem er Schokolade vorbeibrachte. Seit fast zwei Jahren lebt der Iraner in der Stadt. Derzeit sammelt er, wie berichtet, mit Grünen-Ratsfrau Maria Koch Unterschriften von Flüchtlingen für einen offenen Brief, in dem bislang 200 Zufluchtsuchende die Ereignisse der Kölner Silvesternacht verurteilen und sich gegen Gewalt aussprechen.

Lob für diese Initiative äußerte Schnapka am Mittwoch, als er die Bewohner der Flüchtlingsunterkünfte in Bornheim-Ort informierte, dass alle das Schwimmbad wieder besuchen dürfen. Das knapp einwöchige Badverbot für erwachsene männliche Flüchtlinge aus den drei umliegenden Unterkünften hatte bundesweit und auch in anderen Ländern Aufsehen erregt.

An einem Tag habe er 27 Interviews gegeben, sagte Schnapka dem GA. Das sei aber „positiver Stress“ für ihn, betonte er, auch wenn teils heftige Kritik an der diskriminierenden Wirkung des Verbots laut wurde. Zudem habe er zahlreiche Zuschriften bekommen, darunter sehr viele von Frauen, so Schnapka weiter.

Eine Bürgerin habe ihm einen offenen Brief unter dem Titel „Die Sorgen der Bornheimer Frauen“ geschickt, die nicht zulassen möchten, dass sie nach den Vorfällen von Köln und Bornheim ihr Sicherheitsgefühl verlieren. Die Frauen tauschen sich in einer Facebook-Gruppe aus, die nach ihren Angaben fast 800 Mitglieder hat. Sie wollen sich gegen sexuelle Belästigung jeglicher Art stellen – unabhängig von Herkunft, Religion und Weltanschauung – und wünschen sich, dass mehr Präventionsarbeit für die Sicherheit von Frauen und Kindern, auch aus Flüchtlingsfamilien, geleistet wird.

Der Sozialdezernent erläuterte in seiner Antwort an die Frauen, dass die „Bewusstseinsarbeit“ und die Gespräche mit den Flüchtlingen über die Gleichstellung von Mann und Frau auch mit der Aufhebung des Badverbots weitergingen. Die Fachkräfte aus dem Sozialamt würden ihr Vorgehen mit dem Stadtbetrieb abstimmen, der für das Bad verantwortlich zeichnet.

Schnapkas Rede vor den Flüchtlingen wurde laut Stadt in vier Sprachen übersetzt. „Wir stehen gemeinsam dafür ein, dass das Verhalten von Männern gegenüber Frauen korrekt und von Respekt geprägt ist“, hieß es darin. „Das betrifft alle Männer in unserer Stadt – ob sie nun Flüchtlinge sind oder nicht.“ Auch den Karneval sprach Schnapka an: Selbst wenn alles so aussehe, als ob Regeln und Gesetze ausgehebelt seien: „Das sind sie nicht. Insbesondere der Respekt vor Frauen gilt.“

Wenn die Willkommenskultur in der Stadt weiter funktionieren solle, seien aber alle Bornheimer gefragt – unabhängig von Pass oder Hautfarbe, betonte Schnapka im Gespräch mit dem GA. Zudem wies er darauf hin, dass die Verwaltung eine stadtweite Infoveranstaltung für die Bürger vorbereite. Außerdem planen die Musikschule, der Stadtjugendring und das Jugendamt ein Projekt für jugendliche Flüchtlinge und Kinder.