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Mehrere Verletzte: Streit über Sauberkeit in Bornheimer Asylunterkunft eskalierte

Mehrere Verletzte : Streit über Sauberkeit in Bornheimer Asylunterkunft eskalierte

Wegen eines offenbar eskalierten Streits zwischen zwei Flüchtlingsfamilien ist die Polizei am Mittwoch gegen 19.50 Uhr zu einer Asylunterkunft in Bornheim gerufen worden. Mehrere Menschen wurden verletzt.

In der Küche der Wohncontainern, die in unmittelbarer Nähe an einem Sportplatz liegen, brach laut Polizeihauptkommissar Ralf Eichner der Streit aus. Bei den betroffenen Familien soll es sich um eine irakische und eine syrische handeln. Laut Zeugenaussagen sollen auch Gegenstände bei den Handgreiflichkeiten eingesetzt worden sein, unter anderem ein Messer. Laut Simon Rott, Sprecher der Bonner Polizei, seien von den Beamten mehrere Messer sichergestellt worden, die aus der Küche des Flüchtlingsheims stammen.

Die Polizeibeamten und Rettungskräfte beruhigten vor Ort zunächst den Tumult, da sich weitere Menschen in die Auseinandersetzung eingemischt hatten. Eine 56-jährige Frau kam mit oberflächlichen Riss- oder Schnittverletzungen an einer Hand in ein Krankenhaus sowie ein 26-jähriger Tatverdächtiger mit leichten Verletzungen. Die Frau hat nach Angaben der Polizei das Krankenhaus bereits wieder verlassen. Etwa an die neun Personen sollen an dem Konflikt beteiligt gewesen sein.

Der 26-jährige Tatverdächtige wurde am Donnerstag vernommen sowie dessen Bruder, der zweite mutmaßlichen Täter, bei dem es sich um einen 31-Jährigen handelt. Dolmetscher unterstützten laut Rott die Vernehmungen. Beide Tatverdächtigen seien von der Polizei wieder entlassen worden.

Der Grund für die Auseinandersetzung ist laut Alice von Bülow, Leiterin des Bornheimer Jugendamtes, die Sauberkeit in den Unterkünften. „Nicht speziell auf die Küche bezogen, sondern Sauberkeit im Allgemeinen“, erklärt sie auf Nachfrage unserer Zeitung. Es soll in der Vergangenheit zum Thema „Sauberkeit“ bereits Diskussionen zwischen den betroffenen Familien gegeben haben. Von Bülow räumt ein, dass bekannt war, dass „das Verhältnis nicht spannungsfrei ist“ und ergänzt: „Am Mittwoch vor der Eskalation war sogar noch ein Sozialarbeiter dort und führte Gespräche mit den Betroffenen.“ Dass die Situation letztlich eskalieren würde, sei nicht abzusehen gewesen, meint von Bülow.

„Die Flüchtlinge werden engmaschig betreut. Wir sind diesbezüglich gut aufgestellt, besser als andere Kommunen“, betont sie. Einen privaten Sicherheitsdienst gibt es vor Ort nicht und den soll es laut von Bülow auch nach dem Streit dort nicht geben. „Wir waren der Ansicht, dass alles unter Kontrolle ist. Natürlich bedauern wir den Vorfall, aber es handelt sich dabei um einen Einzelfall“, sagt sie. Ihrer Ansicht nach, sei der Konflikt deshalb auch ausgeartet, weil Familienmitglieder von außerhalb am Mittwochabend zu Besuch in der Unterkunft waren. „Nichtsdestotrotz sollen die Betroffenen auch Besuch bekommen dürfen“, betont von Bülow.

Unter den Familien herrscht zum Teil große Verzweiflung, weil die eine seit Oktober 2015 und die andere seit April 2016 in den Containern untergebracht ist. Die Aussicht, bald in eine „normale“ Wohnung zu ziehen, ist aufgrund des angespannten Wohnmarktes in der Region sehr gering. „Die Betroffenen sind einfach zu lange in den Übergangsunterkünften. Da steigen sowohl die Frustration als auch das Konfliktpotenzial an. Man kann schon von einer Art Lagerkollar sprechen“, erklärt die Beigeordnete der Stadt Borheim.

Eine der beiden Familien, die in Streit geraten sind, hat laut von Bülow das Heim noch am selben Abend verlassen. „Sie ist in einer anderen Übergangsunterkunft in Bornheim untergebracht worden.“ Dort wird die Familie auch bleiben, eine Rückkehr sei nicht vorgesehen. Nach wie vor wartet diese darauf, in eine Wohnung ziehen zu können.

Aktuell leben zwölf Flüchtlinge in der Asylunterkunft in Bornheim, Platz gibt es dort sogar für 20 Personen. Zum Großteil sind sogar Einzelzimmer vorhanden. Wie lange die Flüchtlinge in den Containern noch wohnen, konnte von Bülow nicht sagen.

Insgesamt waren am Mittwochabend fünf Fahrzeuge der Polizei im Einsatz, darunter Streifenwagen und ein Auto der Hundertschaft. Die Ermittlungen dauern an.