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Edeka in Hersel: Tauziehen um den Standort

Edeka in Hersel : Tauziehen um den Standort

Das Unternehmen will aus dem Ortskern wegziehen - obwohl die Bornheimer Politik im Frühjahr für den Verbleib im Zentrum gestimmt hatte.

Die Sache schien klar zu sein. Bereits Mitte April hatte die Bornheimer Politik ein Machtwort gesprochen: Der Edeka-Markt in Hersel soll im Ortskern bleiben und nicht ins Gewerbegebiet jenseits der Landesstraße 300 und der Stadtbahnschienen verlagert werden. Doch offenbar arbeitet das Einzelhandelsunternehmen weiter an der Umsetzung seiner Pläne. Dazu kommt, dass der politische Beschluss vom Frühjahr noch gar keinen endgültigen Charakter hat.

Wie berichtet, war Edeka an die Bornheimer Politik und Verwaltung mit dem Wunsch herangetreten, den Markt in Hersel von der Moselstraße ins Gewerbegebiet an der Roisdorfer Straße zu verlagern, wo sich bereits andere Geschäfte befinden. Nach früheren Aussagen von Edeka besitze der Markt am jetzigen Standort "suboptimale bauliche Strukturen". Überdies verfüge er über begrenzte Parkplatzkapazitäten und könne "nicht mehr dauerhaft rentabel betrieben werden". Nach langem Hin und Her hatte die Politik im Frühjahr den Plänen einen Riegel vorgeschoben.

Gegen die Verlagerung hatten im Ausschuss die Vertreter von CDU, FDP, ABB und Grünen gestimmt. Ihr Kernargument: Es brauche einen fußläufig erreichbaren, im Ortskern ansässigen Lebensmittelladen. Gerade für ältere Menschen sei der Weg über die L300 und die Bahnschienen zu weit. Vor allem SPD und UWG hatten dagegen gehalten. Sie sahen die Gefahr, dass sich Edeka vollständig aus Hersel zurückzieht wenn das Unternehmen keine Möglichkeit einer zeitgemäßen Erweiterung habe.

Der Vollversorger im Ortskern soll erhalten bleiben

Letztlich schien mit dem Beschluss gegen die Verlagerung die Angelegenheit erledigt. Wie Heinz und Rosemarie Simons allerdings dem General-Anzeiger nun berichtet haben, scheint das keinesfalls so zu sein. Das Ehepaar ist Besitzer der Hauses, in dem der Edeka-Markt in Hersel untergebracht ist. Auch haben sie den Laden viele Jahre selbst geführt. Wie sie berichten, seien Vertreter von Edeka bei ihnen gewesen. Dabei hätten diese weiterhin von der Verlagerung des Marktes gesprochen. Zugleich sei ihnen angeboten worden, in ihrem Gebäude einen Discounter des Unternehmens Netto, ein Tochterunternehmen von Edeka, unterzubringen.

Nach eigener Aussage können sich Heinz und Rosemarie Simons aber nicht vorstellen, ihre Flächen an Netto zu vermieten. Ihnen gehe es darum, dass ein Vollversorger im Ortskern erhalten bleibt. Dieser sei nicht nur für die Menschen in Hersel, sondern auch für die Uedorfer und Widdiger wichtig. Überdies gebe es andere Vollversorger, die Interesse hätten, einen Laden in ihrem Gebäude zu betreiben, hieß es weiter.

Bei Edeka ist man wortkarg. "Wir führen weiterhin Gespräche", sagt Stephan Steves, Geschäftsführer der Edeka Handelsgesellschaft Rhein-Ruhr, auf Anfrage des General-Anzeigers. Mehr wolle er dazu aber nicht sagen. "Mir ist durchaus bekannt, dass Edeka weiterhin daran arbeitet, seine Pläne zu realisieren", sagt wiederum Bornheims Erster Beigeordneter Manfred Schier auf GA-Anfrage. Selbstverständlich bleibe es dem Investor unbenommen, auf die Politik zuzugehen.

Es lohnt sich, den Beschluss genauer zu lesen

Die Stadtverwaltung hat mit dem Umzug des Marktes keine Probleme. "Aus Sicht der Stadt ist die Verlagerung mit dem Einzelhandels- und Zentrenkonzept verträglich", erläutert Schier. Einen Anlass für die Stadtverwaltung, erneut in Richtung einer Verlagerung aktiv zu werden, gebe es nicht. "Wozu auch?", so Schier. Schließlich habe man einen Gremienbeschluss, sagt er mit Bezug auf die Entscheidung des Ausschusses.

Allerdings lohnt es sich, den Beschluss genau zu lesen. Dieser besagt, dass der Ausschuss für Stadtentwicklung lediglich eine Empfehlung an den Stadtrat beschlossen hat. Das ist in der Tat ein übliches Verfahren. Beschlussempfehlungen aus Ausschüssen werden vom Stadtrat meist übernommen. Allerdings findet dies in der Regel in einer Sitzung des Stadtrats statt, die zeitnah auf die jeweilige Ausschusssitzung folgt. Allerdings ist das hier nicht der Fall. Seit Mitte April ist der Stadtrat fünfmal zusammengekommen. In keiner Sitzung stand die Thematik des Herseler Edeka-Markts auf der Tagesordnung.

Auf Nachfrage des General-Anzeigers bestätigt eine Sprecherin der Stadtverwaltung diesen Umstand. Dies liege daran, dass zurzeit noch "Alternativkonzepte" geprüft werden. Erst wenn diese vorlägen, könne eine Beschlussfassung im Rat erfolgen. Keine Aussage machte die Sprecherin dazu, ob sich die Konzepte um eine Verlagerung des Edeka-Marktes drehen. Klar ist aber: Solange der Rat keinen Beschluss getroffen hat, ist das letzte Wort über den Standort des Edeka-Marktes in Hersel noch nicht gesprochen.