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Überflutete Mühlenstraße: Anwohner kritisieren die Stadt Bornheim

Verdrecktes Rückhaltebecken? : Anwohner kritisieren die Stadt Bornheim nach Überflutung

Warum stand die Mühlenstraße unter Wasser? Anwohner haben einen Grund dafür ausgemacht. Die Stadt Bornheim sieht das aber anders.

Am Mittwoch hatten freiwillige Helfer auf dem Gelände des Stadtbetriebs Bornheim unermüdlich Sandsäcke gefüllt. Nach dem Unwetter waren die Reserven der Stadt aufgebraucht. Allerdings wurden nicht alle davon eingelagert. Einige wurden direkt verteilt.

„Befüllte Sandsäcke sind ganz gezielt an vom Unwetter besonders betroffene Haushalte herausgegeben worden“, sagte Stadtsprecher Christoph Lüttgen dem General-Anzeiger. Unter anderem sollten Anwohner der Weiherstraße und Ulrichstraße (beides Merten) sowie der Mühlenstraße Sandsäcke erhalten.

Die Mühlenstraße in Bornheim-Ort gehörte zu den Straßen, die mit am stärksten von dem Unwetter betroffen waren. Am Mittwochabend vergangener Woche hatte sich die Mühlenstraße in einen reißenden Fluss verwandelt. Wie Anwohner dem General-Anzeiger berichteten, hatte die Unterführung unter den Gleisen der Stadtbahnlinie 18 zeitweise meterhoch unter Wasser gestanden.

Wasser stieg minütlich

„Wir konnten zusehen, wie das Wasser minütlich stieg“, berichtete Claudia Pelit dem General-Anzeiger, deren Elternhaus sich an der Mühlenstraße befindet. Am Mittwochabend vergangener Woche, als das Unwetter bereits wütete, sei sie von ihrer Mutter angerufen worden. Als sie in die Mühlenstraße gekommen sei, sei diese bereits ein reißender Bach gewesen.

Mithilfe zweier Feuerwehrleute sei sie dann zum Haus gekommen. Der Keller des Dreifamilienhauses war schnell voll Wasser gelaufen, sodann das Erdgeschoss. „Wir haben noch Sachen höher gelegt und sind dann hoch unters Dach“, berichtete Pelit. Später sei dann irgendetwas draußen passiert. Sie wisse nicht, was es war, aber der Wasserpegel begann zu sinken. Keller und Erdgeschoss sind schwer beschädigt. Immerhin sei bereits alles aufgeräumt, sagte Pelit. „Und das auch aufgrund ganz toller Nachbarschaftshilfe“, wie sie betonte.

Gelobt wurde von ihr auch Bornheims Ortsvorsteher Dominik Pinsdorf. Dieser habe wahnsinnig geholfen sowie mit Rat und Tat zur Seite gestanden, so Pelit. Pinsdorf und ebenso Bürgermeister Christoph Becker haben sich bereits ein Bild von der Lage gemacht. Nicht nur Pelits Elternhaus, auch in anderen Häusern auf der Straße hatte das Wasser gestanden.

Regenrückhaltebecken am Umbachweg

Wie Pelit weiter berichtete, war es indes nicht das erste, sondern das dritte oder gar vierte Mal. Wobei: Am in der Nähe gelegenen Umbachweg gebe es ein Regenrückhaltebecken, das für solche Ereignisse gebaut sei, erläuterte Pelit. Allerdings sei dieses total verdreckt. Die Anwohner hätten mehrfach darauf gedrängt, dass das Becken gereinigt wird.

Die Stadtverwaltung hält dagegen. „Die Kritik der Anwohner, dass das Hochwasserrückhaltebecken nicht regelmäßig gereinigt und entleert würde, ist unberechtigt“, teilte Stadtsprecher Christoph Lüttgen auf GA-Anfrage mit. Im Becken setze sich mit der Zeit Schlamm ab, sodass die Stadt das Becken etwa alle zehn Jahre ausbaggern lasse. Das seit zuletzt 2019 erfolgt.

Zu viel Wasser

Eine anderweitige Entleerung sei nicht erforderlich, denn bei Trockenwetter stehe kein Wasser im Becken, so Lüttgen. Zudem sei überprüft worden, ob es den heutigen Anforderungen an den Hochwasserschutz genüge. Lüttgen: „Ein Ingenieurbüro wurde 2017 mit der rechnerischen Überprüfung des Beckens beauftragt und ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kapazität des Beckens ausreichend ist.“

Und was war dann vergangene Woche passiert? Die Stadt geht davon aus, dass das Wasser, das sich durch die Mühlenstraße ergoss, aus dem Becken am Umbachweg kam. „Allerdings sind an jenem Mittwoch gut 130 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen – so viel wie seit 2008 nicht mehr“, sagte Lüttgen. Derartige Wassermassen habe das Becken nicht mehr aufnehmen können.